Lichtenfels
Kampfsport

Hümmer-Show bei Lichtenfelser Fight-Night

Thomas Hümmer reißt die Zuschauer in der Lichtenfelser Stadthalle von den Sitzen. Der Weidhausener Janek Walch verteidigt seinen Boxtitel.
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Voll aufs rechte Auge trifft die Deutsche Christin Weimer ihre portugisische Gegnerin Sara Saraiva und gewann schließlich den Fight um die Europameisterschaft im Muay Thai bis 55 Kilo.
Voll aufs rechte Auge trifft die Deutsche Christin Weimer ihre portugisische Gegnerin Sara Saraiva und gewann schließlich den Fight um die Europameisterschaft im Muay Thai bis 55 Kilo.
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"Thomas, Thomas"-Sprechchöre erschallten. Dass Thomas Hümmer, dieses sympathische fränkische Kraftpaket aus Roth, einmal mehr dem Gegner das Nachsehen ließ, war das stimmungsvolle Sahnehäubchen bei der gelungenen vierten Auflage der Lichtenfelser Fight-Night. Die Zuschauer sahen tollen Box- und Kickboxsport mit frenetisch gefeierten Erfolgen heimischer Athleten - und einen spontan erbrachten Beweis, dass selbst "eisenharte" Athleten einen weichen Kern haben.
Insgesamt zwölf Kämpfe mit etlichen spektakulären Szenen und Athleten, die niemals aufgeben, sahen die begeisterten Box- und Kickboxfans, die für das sportliche Spektakel in der Stadthalle teilweise weite Anreisen auf sich genommen hatten.
Stimmungsgarant war einmal mehr der für das heimische K1-Lichtenfels-Team angetretene Thomas Hümmer. Im Vorjahr hatte der Lokalmatador als Kickboxer seinem Gegner das Nachsehen gelassen, diesmal trat Hümmer im Kampf um die Internationale Deutsche Box-Meisterschaft in der 98-Kilo-Klasse gegen den Niedersachsen Konstantin Schneider (Team Sporium) an. Hümmer zeigte einmal mehr seine boxerischen Qualitäten, legte nach gutem Start im weiteren Verlauf noch eine Schippe drauf. Dem war der Kontrahent schließlich nicht mehr gewachsen, wurde in Runde 3 ausgezählt. K.o-Sieg für Hümmer, die Halle tobte.


Kluger Plan des Veranstalters

Ein freilich kluger Schachzug des Organisators, diesen Kampf bewusst ans Ende der Veranstaltung gesetzt zu haben. Mit strahlender Miene nahm Hümmer, der mit seinem mittlerweile vierten Sieg bei der vierten Teilnahme an der Fight-Night die Veranstaltung ihren schon jetzt erreichten Kultstatus festigt.
Zu diesem hatte vor zwei Jahren auch Robin Kestel, ein weiterer Schützling von Trainer Mario Hempert in den Reihen des K1 Lichtenfels, beigetragen, als er mit gebrochener Nase gegen einen schier übermächtigen Gegner sensationell deutscher Kickboxmeister wurde. In seiner Paradesportart Boxen spielte Kestel in der Gewichtsklasse bis 81,5 kg seine Stärken auch diesmal aus. Der Portugiese Claudio konnte zwar viel einstecken und bewies Nehmerqualitäten, doch Kestel ließ sich davon nicht beeindrucken und setzte sich zur Freude der begeisterten Fans letztlich souverän nach Punkten durch.
Um nicht weniger als die Internationale deutsche GBA-Boxmeisterschaft ging es mit Beteiligung von Athleten des K1 Lichtenfels. Trainer Mario Hempert konnte sich hier über zwei weitere Erfolge seiner Jungs freuen. In der Klasse bis 75 kg gewann Hannes Angermüller gegen den Tschechen Jaroslav Blatak (Blue Dragon). In Runde 4 von 5 wiesen beide Athleten Platzwunden auf, der Ringrichter brach den Kampf ab. Nachdem die ersten drei Runden mit jeweils 10:9 für Angermüller gewertet worden waren, stand der Sieg fest.


Punktsieg für Weidhausener

Dem für das Lichtenfelser K1-Team startenden Weidhausener Janek Walch gelang es außerdem, seinen Vorjahrestitel in der Mittelgewichtsklasse bis 72,5 kg zu verteidigen gegen den Portugiesen Armando Monteiro. Walch ließ nie einen Zweifel am Ausgang, landete einen ungefährdeten Punktsieg nach fünf Runden.
Dass man nicht immer auf der Gewinnerseite stehen kann - diese Erfahrung machte hingegen Hanns Zapf, der in einem weiteren Boxkampf gegen Marcel Hattenhauer (Gym Muskelkater) durch technischen K.o. unterlag, dennoch viel Applaus erhielt.
Neben sehenswerten Boxduellen beinhaltete das Programm auch eine Reihe sehenswerter Kämpfe in weiteren Kampfsport-Disziplinen. Im K1 als eine Version werden Techniken aus dem Boxen, Kickboxen, Karate, Taekwon-Do und Savate vereint. Beste Werbung für den Kickboxsport bot etwa der Kampf um die Deutsche WFMC-Meisterschaft nach K1-Regeln zwischen dem Lichtenfelser Alex Knaus und Kilian Führer vom Ingolstadter Team Oyakata Gym. Unterstützt vom Publikum ging es vor allem in der vierten und vorletzten Runde ordentlich zur Sache. Knaus erzielte etliche gute Treffer, am Ende reichte es allerdings nicht. Mit 49:46, 49:47 und 49:48 sprachen die Kampfrichter dem Ingolstadter den Sieg zu.
Einen vor allem aus einer tollen dritten Schlussrunde resultierenden Triumph verbuchte außerdem der Lichtenfelser Sven Leppers im K1 bis 69 kg gegen den Franzosen Kenzo Garau (Gladiator Gym).


Um Frauen-EM-Titel im Muay Thai

Extrem "scharf" ist die Gangart der Athleten beim Muay Thai - in dieser Kategorie stieg wie 2016 Christin Weimer von den Bushido Dragons in den Ring. Ein schneller Sieg wie im Vorjahr gelang der deutschen Athletin gegen ihre Kontrahentin Sara Saraiva aus Portugal zwar nicht, allerdings ging es heuer ja auch um nicht weniger als die WKL-Europameisterschaft im Muay Thai. Weimer präsentierte sich jedoch auf den Punkt topfit, begeisterte mit Fußkicks und Treffern aus der Drehung - und hatte auch in der Gesamtbilanz das bessere Ende für sich: Mit 50:47, 50:45 und 50:46 werteten die Kampfrichter zugunsten Weimer, die ihren Erfolg mit Pokal und Gürtel entsprechend bejubelte.


Schnelles Ende für Bayreuther

Ebenfalls zur Sache geht es bei Kämpfen nach den Regeln des "Mix Martial Arts", kurz MMA, auch ein solcher wurde dem Publikum geboten. Hier standen sich Daniel Völkel (Team Shinghaisen Bayreuth) und der Franzose Christophe Fabien gegenüber. Fabien legte los wie die Feuerwehr, der Franke geriet in Bodenlage - wenig später war der Kampf nach K.o.-Sieg beendet.
Zum Auftakt der Fight Night hatte der Nachwuchs gezeigt, was in ihm steckt. Im Kinder-Boxkampf behielt der junge Alessio Vicari vom K1 Lichtenfels knapp nach Punkten die Oberhand gegen Dinis Santos (Portugal) und freute sich bei der Pokalübergabe wie ein Schneekönig.
Scheinbar knallhart und gefühllos kommen gerade die Vertreter des männlichen Geschlechts daher, wenn sie kraftstrotzend und selbstbewusst in den Ring steigen. Dass hinter der im Kampfsport vordergründigen rauen Schale aber doch ein weicher Kern steckt, bewies der Ingolstädter Vincent Ludwig, der an diesem Abend gleich einen doppelten Sieg verbuchte: Zunächst setzte sich der Kickboxer in der Gewichtsklasse bis 79 kg souverän gegen den Tschechen Marekk Porubsky durch, ehe er das emotionale i-Tüpfelchen folgen ließ. Nachdem Ludwig seinem Trainer und dem mitgereisten Fanclub gedankt hatte, bat er seine Freundin Elisabeth in den Ring, ging vor ihr auf die Knie und hauchte ins Mikrofon: "Du bist mein ganzes Leben, willst du meine Frau werden?" Ein zärtliches "Ja", ein Kuss. Die Menge tobte.
Musikalisch Vollgas gab als Umrahmung einmal mehr die Rockband "Kulturclub". Fünfeinhalb Stunden Kampfsport-Atmosphäre vom Feinsten, zufriedene Fans - "Motor" Mario Hempert und die für das Gelingen verantwortlich zeichnende vielköpfige Crew können erneut ein positives Resümee ziehen. Lichtenfels und Fight Night - das passt.
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