Schney
Schach

Schach-Enthusiasten in Schney

Bei der oberfränkischen Meisterschaft treffen sich im Lichtenfelser Ortsteil die unterschiedlichsten Charaktere.
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Konzentration und Kampfgeist. Manchmal ist das direkt spürbar.  Fotos: Markus Häggberg
Konzentration und Kampfgeist. Manchmal ist das direkt spürbar. Fotos: Markus Häggberg
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Die Schney hat die Schachspieler wieder. 105 Denksportler kämpfen traditionell in der Franken-Akademie in sechs Wertungsgruppen um den oberfränkischen Meistertitel. Ein Turnier mit Wehrmutstropfen, denn manch Favorit sagte kurzfristig wegen Erkrankung ab. Doch den Kampfgeist trübt das nicht. Ein Turniersplitter zu Übernachtungsgästen, Turnierordnungen und ehrenamtlichem Engagement.


Der Herr der Formulare

Wolfgang Siegert tippt und tippt und tippt. Das ist sein Job hier im Medienraum, ein Stockwerk unter dem Turniersaal. All die Durchschläge der Partie-Formulare landen auf seinem Tisch. Eigentlich sind das Dokumente, doch man sieht es ihnen nicht immer an. Gekritzelt, verschrieben, ausgebessert, verschmiert. Bei Turnierpartien ist jeder Spieler verpflichtet, die Züge aufzuschreiben. Doch nur Siegert tippt sie in den Computer und füttert damit das Bulletin. Dafür nimmt sich der Mann aus dem Kulmbacher Raum Zeit, reiste mit weiteren Turnierleitern schon am Vorabend an. Fünf Übernachtungen in der Franken-Akademie, fünf Tage ehrenamtlicher Einsatz, damit Kinder, Jugendliche und Erwachsene ihrem Hobby nachgehen können. Von 8 bis 23 Uhr, so Spielleiter Reiner Schulz, dauerten die Tage des Organisationsteams: Uhren kontrollieren, Partie-Formulare auslegen, Pressearbeit, Bulletinerstellung und Namensschilder der Spieler ausdrucken gehören zu den Aufgaben.


Nur zwei Teams übrig

Der Landkreis Lichtenfels war einst ein stolzer Schachkreis. Doch in diesem Jahr halten nur der SV Seubelsdorf und der SK Michelau mit nicht einmal zehn Teilnehmern die Fahnen hoch. Der Rest kommt überwiegend aus Kulmbach, Marktleuthen, dem Bamberger oder Coburger Raum. Der letzte Turniersieger aus dem Landkreis war Klaus Beier (2012). Am ersten Turniertag lag er mit zwei Siegen aus zwei Partien mit an der Tabellenspitze. Doch Profi ist hier niemand, keiner verdient sein Geld mit Schach. Im Regelfall sind die Schächer hier zwischen Kreis- und Bezirksoberliga zu verorten. Immerhin. Aber ehrgeizig können sie doch sein. So sehr, dass die Turnierleitung auch Grenzen setzen muss. Wer beim Schummeln erwischt wird - etwa wenn jemand seine Stellung heimlich von einem Computerprogramm analysieren ließe - hat sofort verloren. Das will der Schriftzug an der Toilettentür mitteilen, der Nicht-Schachspielern kryptisch vorkommen muss: "Das Verwenden elektronischer Hilfsmittel ist verboten."


Den Moment genießen

Sieben Runden an vier Tagen - das schlaucht. Doch nicht Michael Reuss. Der Hallstadter Unternehmer genießt die Stimmung hier, blüht während seiner Partien auf. Es geht ihm nicht ums Gewinnen, es geht ihm ums Spielen, darum, den Moment zu erleben und Atmosphäre aufzusaugen. Er ist Übernachtungsgast und beruflich selbständig. Aber die Sorgen und Belange, die ein eigenes Geschäft mit sich bringen kann, sind für ihn hier weit weg: "Wenn Sie Schach spielen, können Sie nichts anderes machen - da ist alles weg." Ob ihn das Abschalten und Spielen befreie? "Ja, darum mach ich's ja. Am ersten Tag tut man noch ein bisschen hin und her, dann erlischt's." Eine Frau und zwei Töchter habe er daheim. Da brauche man(n) "halt auch mal Abstand". Spricht's und gießt sich genussvoll ein Feierabendbier ein. Zwei Partien gekämpft, über Stunden fasziniert am Brett gesessen, gerechnet und gelitten. Aber Genuss hin, Genuss her: "Wenn ich auf Druck spielen müsste, würde ich nichts essen", so der 53-Jährige. So ungefähr stellt man sich Schachspieler vor.
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