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Baubiologie

Sentinel-Haus in Bad Staffelstein erhält Auszeichnung

Die Firma Raab bekam den "Goldenen Ammoniten" für das in der Bad Staffelsteiner Adolf-Kolping-Straße errichtete Sentinel-Haus. Die Vorzüge, darin zu wohnen, konnte Rita Wittmann am eigenen Leib erfahren.
Rita Wittmann hat durch den Umzug in die Sentinel-Wohnung gesundheitlich profitiert. Sie und ihr Mann Horst, der hier gerade die Plakette des Baupreises "Goldener Ammonit" anschraubt, sind eine von drei Eigentümerparteien im Haus. Fotos: Ramona Popp
 
von RAMONA POPP
Die Preisverleihung war schon im Juli, doch nun sollte die Plakette des Gol denen Ammoniten ans Haus angeschraubt werden. Gisela Raab, Geschäftsführerin der ausführenden Baufirma und Baubiologin, blickt zurück auf eine He rausforderung, die gemeinsam mit allen am Bau Beteiligten gemeistert wurden.

In der Adolf-Kolping-Straße ist das dritte Haus in Bayern entstanden, das nach den strengen Kriterien des Sentinel-Haus-Institutes gebaut wurde. Sentinel ist das englische Wort für Wächter, und aufgepasst, dass Schadstoffe aus diesem Gebäude draußen bleiben, haben in der Tat viele. Dies fing bereits bei den speziellen Informationsveranstaltungen für Handwerker an, von denen selbst auf dem Rohbau sich keiner eine Zigarette anzünden durfte. 20 Partnerbetriebe machten mit und hielten sich daran.

Der erste Spatenstich war 2010, und anfangs sei es noch relativ schwierig gewesen, so Raab, Baumaterialien zu bekommen, die den strengen Anforderungen entsprachen. Die Verhandlungen mit Herstellern zeigten jedoch Wirkung - eine Entwicklung, die jetzt auch anderen Bauherren zugute kommen kann. "Wir waren mit Pioniere", betont Gisela Raab.

Alle drei Eigentumswohnungen in dem Haus sind inzwischen verkauft. Die neuen Nachbarn dürfen mit Hand anlegen, als das sichtbare Zeichen für den Baupreis "Goldener Ammonit" montiert wird. Die Baufirma Raab habe die heimische Baukultur gestärkt und zur Verbesserung der Lebensverhältnisse im Landkreis beigetragen, heißt es auf der zugehörigen Urkunde. Was die Lebensverhältnisse angeht, kann Rita Wittmann hierfür das beste Zeugnis ablegen.

Langer Leidensweg

Die Frau hatte einen mehrjährigen Leidensweg als MCS-Erkrankte hinter sich. MCS steht für eine multiple Chemikalien-Unverträglichkeit. Sie hatte Allergien auf bestimmte Nahrungsmittel oder Duftstoffe entwickelt, alles ausgelöst durch den Bau eines Mobilfunksendemastes 150 Meter neben ihrem Haus in Memmelsdorf. Muskelzucken, Gelenkschmerzen, Migräne, Müdigkeit - es ging ihr immer schlechter. "Die Ärzte wollten mich auf die Psycho-Schiene abstellen", berichtet sie. Erst in einer Spezialklinik für Umwelterkrankungen und einem Verein Betroffener wurde ihr weitergeholfen.

Tatsächlich gehört sie zu den elek trosensiblen Menschen, die immer noch darum kämpfen müssen, dass man offiziell anerkennt, dass sie etwas krank macht, was manch anderen offenbar überhaupt nicht beeinträchtigt. Heute hat Rita Wittmann Grund zum Strahlen. Seit sie vor zweieinhalb Jahren mit ihrem Mann in die neue Wohnung eingezogen ist, geht es ihr spürbar besser. Und sichtbar. Sie wirkt gelöst und zufrieden.

"Ich möchte es nicht mehr missen", betont sie. Krank ist sie zwar immer noch. Sie ist arbeitsunfähig geworden, hat ihr Geschäft und ihr Haus aufgeben und verkaufen müssen. Lange Besuche kann sie nicht machen, auch keine Hotel-Übernachtungen, weil sich in anderen Gebäude die Symptome bald wieder einstellen.

Aber es ist ihr jetzt zumindest wieder möglich, für einige Stunden unter Leute zu gehen - "weil ich mich daheim erholen kann", schlussfolgert sie. Eine neue Lebensqualität also, für die Rita Wittmann dankbar ist. Für Leidensgenossen gäbe es noch viel zu tun, meint sie. Viele könnten sich eine solch spezielle Wohnung nicht leisten - wenn sie denn überhaupt eine fänden. Manchmal lädt sie deshalb Betroffene zu sich ein, damit sie wenigstens für einen Tag einmal spüren können, wie sich Wohngesundheit anfühlt.

Das Sentinel-Haus sollte eigentlich ein Sechsfamilienhaus für an MCS leidende Mieter werden. Den Anstoß dazu hatte der Verein zur Hilfe umweltbedingt Erkrankter (Nürnberg) gegeben. Da die erhofften Fördermittel ausblieben, waren nur drei Eigentumswohnungen umsetzbar. Geprüfte Standards bei den Baumaterialien würden auch bei anderen Objekten des Unternehmens eingehalten, versichert Gisela Raab. Die strengeren Sentinel-Vorgaben aber bedeuteten rund 15 000 Euro Mehrkosten pro Wohnung.

Ein weiteres Projekt dieser Art steht und fällt also mit einem entsprechendem Investor. Und daran mangelt es auf dem Sektor Mietwohnungsbau ohnedies, wie Wolfgang Schubert-Raab feststellt. Einen Lösungsansatz hätte der Obermeister der Bauinnung Lichtenfels schon: "Den Abschreibungssatz von zwei auf vier Prozent erhöhen. Dann wären Investoren da." Da wäre die Politik gefordert.


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