TDI - dieses Kürzel kennen vor allem Autobesitzer, die einen Wagen mit Dieselmotor aus dem VW-Konzern besitzen. TDI ist aber auch die Abkürzung für Toluoldiisocyanat, ein Stoff, mit dem Polyurethan hergestellt wird. Daraus werden Matratzen und Polsterungen gefertigt. BASF in Ludwigshafen hat über Wochen hinweg belastetes TDI an rund 50 Abnehmer geliefert. Darunter ist auch die Lichtenfelser Firma Veenendaal. "Seit Freitag, 6. Oktober, haben wir die Produktion eingestellt", sagt Alison Vesey, Sprecherin der Vita Cellular Foams in Middleton, England. Veenendaal in Lichtenfels ist einer von 37 Betrieben dieser Gruppe, die sich auf 15 Länder verteilen.
BASF soll nach einem Bericht des SWR in der Zeit zwischen dem 25. August und 29. September TDI mit einer stark erhöhten Konzentration von Dichlorbenzol (DCB) ausgeliefert haben. Der Stoff gilt als krebserregend. Gewöhnlich liegt die Konzentration bei unter drei ppm (parts per million - Anteile pro Million). In den rund 7500 Tonnen, die in dieser Zeit produziert wurden, soll der Dichlorbenzol-Anteil bei mehreren Hundert ppm liegen. BASF sei von einem Kunden auf die Belastung aufmerksam gemacht worden sein, so das Unternehmen. Der Konzern macht laut einer Sprecherin nur einmal im Monat eine Messung.
"Wir sind von BASF über die Belastung informiert worden und haben daraufhin sofort die Herstellung gestoppt", sagt Alison Vesey. Eigene Kontrollen über das angelieferte Material würden in Lichtenfels nicht vorgenommen. Es liege in der Verantwortung von BASF, die Standards der Produkte einzuhalten. Es sei noch offen, wann man die Produktion wieder aufnehmen könne. "Seien sie aber sicher, dass wir mit Hochdruck daran arbeiten." Der Schaumstoffhersteller Veenendaal beliefert nicht nur die Matratzenindustrie, sondern auch andere Branchen.
Der Fachverband Matratzen-Industrie hatte seine Mitglieder aufgefordert, die Produktion vorsichtshalber zu stoppen. Der Hersteller Dunlopillo etwa hat bereits eine Rückrufaktion für alle Matratzen gestartet, die in den vergangenen 14 Tagen verkauft wurden. Matratzenhersteller in Frankreich stoppten ihre Produktion. Auf seiner Homepage hat der Verband inzwischen eine umfangreiche Stellung veröffentlicht, aus der deutlich wird: Es scheint tatsächlich ein ernst zu nehmendes Problem zu sein. BASF biete an, TDI, das sich noch in Tanks der Kunden befinde, zurückzunehmen und sämtliche nicht verarbeitete Schaumblöcke, die mit den verunreinigten Material aus dem entsprechenden Zeitraum hergestellt wurden, zu sammeln.
"Wir hatten um konkrete Handlungsanweisungen gebeten, aber leider noch keine erhalten. Ohne die Sachkompetenz der chemischen Industrie können wir keine qualifizierte Risikoeinschätzung vornehmen", schreibt der Verband. Es scheint aber so zu sein, dass durchaus eine erhebliche Menge Matratzen mit dem belasteten TDI gefertigt wurden und damit teilweise auch in den Handel gelangt sind und verkauft wurden.
Ob auch andere Branchen wie die Möbelindustrie betroffen sind, scheint noch nicht klar zu sein. Auch soll laut Matratzenfachverband nicht klar sein, wie sich das DCB nach dem Verarbeitungsprozess verhält. Ebenfalls noch nicht abzusehen: Wer kommt für die Kosten durch den Produktionsausfall in den betroffenen Firmen wie Veenendaal auf?