Lichtenfels
Urteil

Lichtenfels: Körperverletzung und Nötigung - Warum der Täter mit Geldstrafe davon kommt

Ein 25-jähriger Lichtenfelser soll seine Ex-Freundin brutal verletzt haben. Im Prozess sagte das Opfer selbst aus.
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Glimpflich kam ein ein 25-jähriger Lichtenfelser am Mittwoch davon: Das Amtsgericht ließ den Vorwurf des Raubes fallen. Symbolbild: Benedikt Borst
Glimpflich kam ein ein 25-jähriger Lichtenfelser am Mittwoch davon: Das Amtsgericht ließ den Vorwurf des Raubes fallen. Symbolbild: Benedikt Borst

"Es war wichtig, dass wir das mit dem Raub wegbekommen haben", bilanzierte Rechtsanwalt Bernd Legal am Mittwoch im Amtsgericht, während das Gericht unter Vorsitz von Ulrike Barausch in Abgeschiedenheit das Urteil zum Verhalten seines Mandanten suchte. Der wurde durch die Anklageschrift mit dem Vorwurf des Raubes konfrontiert, immerhin ein Verbrechenstatbestand. Nach und nach sollten die Vorwürfe eine gewisse Abspeckung erfahren.

Lange blieb der 25-jährige Lichtenfelser schweigsam. Und regungslos. Mit vor der Brust verschränkten Armen hörte er der Anklageverlesung zu, mit vor der Brust verschränkten Armen begegnete er auch den Aussagen der Frau, mit der er bis vor kurzer Zeit noch eine Beziehung führte und der er am 23. Juli 2017 arg zusetzte.

Gegen 2 Uhr soll er sie laut Staatsanwaltschaft in Lichtenfels an den Haaren einige Meter hinter sich hergezogen haben. Zudem hieß es, er habe die Frau gewürgt, ihr auf ein Auge geschlagen und darüber hinaus die Handtasche der Geschädigten ergriffen. Als er von der Geschädigten verfolgt wurde, kam nach einer gewissen Strecke ein Unbeteiligter dazu und verlangte für die Frau die Herausgabe ihres in der Tasche befindlichen Mobiltelefons. Mit der Folge, dass nun die beiden Männer miteinander in eine Rangelei gerieten. Der aus all dem resultierende Vorwurf wog schwer: Körperverletzung in Tateinheit mit Raub und Körperverletzung in Tateinheit mit Nötigung.


19-Jährige spricht von Ausnahmezustand

Dreh- und Angelpunkt des Geschehens sollte der Zeugenauftritt der geschädigten Frau werden. Die 19-Jährige war einst die Verlobte des Mannes und legte keinen besonderen Belastungseifer an den Tag. Zwar bestätigte sie die damals erlittenen Schmerzen, den bei ihren Befreiungsversuchen umgeknickten Fingernagel sowie die Würgemale am Hals, doch sie entfaltete auch das Bild eines damals alkoholisierten Ausnahmezustandes bei ihrem einstigen Freund und sich selbst, sowie einer von Eifersucht geprägten Beziehung.

Schon vor dem gemeinsamen Schützenfestbesuch an diesem Abend sei man bei Freunden gewesen. "Wir haben dort vorgeglüht (...) waren gut angetrunken", so die junge Frau. Dann aber erzählte die Zeugin von ihrem Verständnis, dass sie, wenngleich nicht für die Taten ihres Ex-Freundes, so doch zumindest für dessen Motive aufbrachte. "Er wollte wahrscheinlich nur, dass ich mit ihm nach Hause gehe", so die Einlassung. Auch zeigte die Frau Verständnis für die Eifersucht des Mannes, wo sie doch an diesem Abend sehr oft am Handy hing um mit anderen "Kerlen" Nachrichten zu tauschen. Ihr Handy habe ihr Ex-Freund wohl an sich genommen, um das zu unterbinden und die Handtasche darum, weil er in ihr seinen Haustürschlüssel vermutete. Eine Einlassung, die der Angeklagte bestätigte.


Belastungszeuge erschien nicht

Berücksichtigung fand auch ein Liebesbrief, den die Frau zwei Monate nach der Tat an ihren jetzigen Ex-Freund adressierte und mit Lippenstiftkussmund unterzeichnete. Als dann auch noch der Belastungszeuge, mit dem der 25-Jährige die Rangelei hatte, nicht zu seiner Aussage erschien, wurde ein weiterer Vorwurf fallengelassen und das Verfahren hinsichtlich dieses Tatbestandes eingestellt. Unter Berücksichtigung, dass der einstigen Freundin keine ernsthaften Verletzungen blieben, die Schmerzen von kurzer Dauer waren, kein Verfolgungseifer vorlag und Alkohol und Eifersucht eine Rolle spielten, erwog Staatsanwältin Sarah Roell eine fünfmonatige Bewährungsstrafe bei 1000 Euro Geldauflage zu fordern. Davon blieb bei dem von Ulrike Barausch verlesenen Urteilsspruch nur die Geldforderung übrig. Allerdings wurde die mit 2800 Euro angesetzt.

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