LKR Lichtenfels
Entwicklung

Östlicher Landkreis Lichtenfels bündelt Kräfte

Der östliche Landkreis hat mit einigen Problemen zu kämpfen. Jetzt will man geschlossen dagegen vorgehen, um die Zukunft positiv zu gestalten.
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Einen Luftaufnahme der Überreste Burg Niesten bei Weismain. Der östliche Landkreis ist ein beliebtes Wandergebiet, doch als Wirtschafts- und Wohnraum sieht man Verbesserungspotenzial. Marco Freitag
Einen Luftaufnahme der Überreste Burg Niesten bei Weismain. Der östliche Landkreis ist ein beliebtes Wandergebiet, doch als Wirtschafts- und Wohnraum sieht man Verbesserungspotenzial. Marco Freitag
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Es sind Zahlen, die den drei Gemeinden Burgkunstadt, Altenkunstadt und Weismain seit einiger Zeit Bauchschmerzen bereiten: Bis zum Jahr 2030 könnte die Bevölkerung dort um bis zu elf Prozent zurückgehen. Eine Entwicklung, die auch für die Wirtschaft ein Problem ist. Deshalb wurde schon im vergangenen Jahr vom Wirtschaftsforum Obermain-Jura ein Projekt angestoßen, das dieser Entwicklung entgegenwirken soll.

"Verantwortungs-Kompass" nennt es sich. Der Gedanke: Wirtschaft, Politik und Gesellschaft sollen an einem Strang ziehen, um den östlichen Landkreis attraktiver zu machen. Wie das passieren soll, wurde in Zusammenarbeit mit der Uni Bayreuth und der Beratungsgesellschaft Concern erarbeitet. In einer ersten Projektphase hatte man versucht herauszufinden, wo genau die Probleme in der Region liegen. Die Haushaltslage ist angespannt, die Bevölkerung wird laut Prognosen zurückgehen und gleichzeitig wird der Fachkräftemangel immer größer. Dabei sind die Einwohner alles andere als unzufrieden. Laut einer Umfrage gaben 81 Prozent der Menschen an, sie würden sich in der Region wohlfühlen (44 Prozent stimmten voll zu, 37 Prozent stimmten "eher zu").

Aber: Die Attraktivität der Unternehmen wurde nur durchschnittlich bewertet. Viele Aktivitäten im Landkreis seien außerdem nicht bekannt oder würden nicht genutzt. "Hier besteht massiver Handlungsbedarf", sagt Alexander Brink, Professor für Wirtschafts- und Unternehmensethik an der Universität Bayreuth und Gründungspartner bei Concern. Dafür müssten aber alle an einem Strang ziehen - Kooperation statt Konkurrenz: "Wenn es nicht läuft, wird der Schwarze Peter gerne hin- und hergeschoben."


Verantwortung übernehmen

Daher auch der Name des Projekts: "Jeder, der mitmacht, hat eine Funktion und damit eine Verpflichtung", erklärt Frank Esselmann von Concern. Mit dabei sind viele Unternehmen der Region, wie Baur, Nici oder die Raiffeisenbank Obermain Nord. Aber auch das Bayerische Rote Kreuz und die Caritas. Hinzu kommen die Gemeinden Altenkunstadt, Burgkunstadt und Weismain, der Landkreis Lichtenfels, die Regierung von Oberfranken und das Bayerische Heimatministerium. Von dort werden die 150 000 Euro, die für das Projekt veranschlagt sind, zu 80 Prozent gefördert. Auch die weiterführenden Schulen der Gemeinden sind involviert.

"Wir sehen in der Zusammenarbeit mit der Wirtschaft eine Chance, Dinge zu beleuchten und umzusetzen, die sonst hintenanstehen", sagt Udo Dauer (CSU), Bürgermeister von Weismain. "Es gibt da durchaus eine gemeinsame Linie der Kommunen." Erhard Ströhl von der Firma Baur, gleichzeitig Vorsitzender des Wirtschaftsforums Obermain-Jura, sagt: "Es muss uns gelingen, die Region attraktiver zu machen. Oder die vorhandene Attraktivität richtig zu verwalten." In vielerlei Hinsicht ähnelt der Verantwortungs-Kompass dem Projekt "Gut ankommen im Landkreis Lichtenfels". In die Quere kommen werde man sich aber nicht, betont Landrat Christian Meißner (CSU): "Keine Arbeit soll doppelt gemacht und keine Doppel-Strukturen aufgebaut werden. Meiner Meinung nach wird von den Erkenntnissen der ganze Landkreis profitieren."


Bestehendes und Neues

Doch wie soll das nun genau aussehen? Erste Ansätze wurden nun präsentiert: Zum einen will man schon bestehende Angebote besser vermarkten, zum Beispiel durch klarer strukturierte Online-Inhalte. Zum anderen will man durch gezielte neue Aktionen speziell junge Leute ansprechen. Da gibt es schon das Programm "Bosse an die Schulen", in dem Unternehmer Schulklassen ihre Betriebe vorstellen. In eine ähnliche Kerbe schlägt die "Speaker's Corner": In 90 Minuten stellen sich drei Unternehmer den Schülern vor. Der Fokus soll dabei eher auf der eigenen Person liegen. Wie ist jemand zum Unternehmer geworden? Wie sieht die Vision des Unternehmens aus? Dieses Programm soll im März 2018 anlaufen. Laut Erhard Ströhl sei es nicht zu vermeiden, dass die jungen Menschen den Landkreis zum Studieren verlassen. Doch danach müsse man sie wieder zurückholen. "Deshalb müssen wir unser breites Angebot an Arbeitsplätzen kommunizieren."

Auch das Angebot für die aktuellen Arbeitnehmer will man ausbauen, besonders mit Blick auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Ab Januar findet deshalb als Pilotprojekt einmal im Monat bei Baur eine Vor-Ort-Sprechstunde zum Thema Pflege statt, durchgeführt vom BRK. "Es kommt immer häufiger vor, dass Mitarbeiter Angehörige pflegen müssen oder wollen. Welche Möglichkeiten es da gibt, ist oft nicht bekannt", sagt Erhard Ströhl. Das Angebot richte sich aber nicht nur an Baur-Mitarbeiter, sondern sei - mit Anmeldung - offen für alle.
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