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Lichtenfelser trug bei Zeugenaussage Ring mit Hakenkreuz


Autor: Markus Häggberg

Lichtenfels, Mittwoch, 20. Sept. 2017

Weil er bei einer Zeugenaussage bei der Polizei einen Ring mit Hakenkreuz trug, musste sich ein 65-jähriger Lichtenfelser vor dem Amtsgericht verantworten.
Weil er bei einer Zeugenaussage bei der Polizei einen Ring mit Hakenkreuz trug, musste sich ein 65-jähriger Lichtenfelser vor dem Amtsgericht verantworten. Foto: Archiv


"Hat der gute Mann noch nicht ausgeschlafen? Wenn er einen Termin ausmacht, muss er ihn auch einhalten." Die Worte, die ein 65-jähriger Lichtenfelser am Dienstagvormittag gegenüber einer Protokollführerin im Amtsgericht aussprach, galten keinem geringeren als Richter Stephan Jäger.
Der Kaugummi kauende Mann bemängelte, dass Jäger nicht ganz pünktlich zu der Verhandlung kam, die er gegen ihn anberaumt hatte. Als der fünf Minuten später Saal 14 des Amtsgerichts betrat, gab sich der Angeklagte aber verständnisvoll und nachsichtig und sprach davon, dass alles ja "kein Problem" sei. Nur hin und wieder sollte der wegen Verwendens verfassungsfeindlicher Kennzeichen vor Gericht zitierte Mann im weiteren Verlauf Unmutsbezeugungen von sich geben.


"Ein Märchen"

Der Mann hatte Einspruch gegen einen Strafbefehl über 900 Euro eingelegt, der vor Monaten gegen ihn ergangen war. Grund: Während einer Zeugenvernehmung im April bei der Polizei hatte der 65-Jährige einen Ring mit Hakenkreuz, Reichsadler und SS-Runen getragen. Da dies mehreren Beamten aufgefallen war, hatten sie Anzeige erstattet.
Diesen Vorwurf quittierte der Beschuldigte mit einem Lachen. "Wenn der Staat nichts weiter zu tun hat", moserte er . Nachdem Staatsanwältin Viktoria Bockfeld die Anklageschrift verlesen hatte, meinte er gar, "ein schöneres Märchen nie gehört" zu haben.
Der gerichtsbekannte Lichtenfelser sprach gegenüber Bockfeld auch von einer "anmaßenden Frechheit", wenn behauptet werde, auf der Polizeiwache habe Publikumsverkehr geherrscht und sein Ring sei darum besonders aufgefallen.


200 Euro Nachlass

Doch der Vorwurf blieb bestehen, da der Angeschuldigte auch nicht bestritt, den Ring getragen zu haben. Er habe den Fingerschmuck wegen des Todestages seines Vaters getragen. "Es ist doch nicht so, dass ich ständig mit sämtlichen Abzeichen rumrenne", ergänzte der Mann noch.
Dann brach er eine Diskussion über die Höhe des Strafbefehls vom Zaun, nannte sich einen armen Rentner und erkundigte sich nach dem Gehalt der Staatsanwältin. Ein Bedauern gab es nicht zu hören. Vielmehr erklärte der Angeklagte, dass er den Ring ohnehin eher verdeckt getragen habe. Ein Beamter hätte ihm "schon ins Ohr kriechen" müssen, um einen klare Blick auf das Schmuckstück zu erlangen.
"Ich habe kein Problem damit, Ihnen zu glauben, dass es der Todestag Ihres Vaters war", sagte Stephan Jäger. Bei der Höhe des Strafbefehls zeigte sich der Richter nachgiebig und verringerte diese um 200 Euro. Die 700 Euro sind nun allerdings eine verbindliche Summe.