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Eröffnung

Lebendige Spuren der Vergangenheit

Eine neue Ausstellung spiegelt die Geschichte des Klosters Banz zu Zeiten des Zweiten Weltkriegs und danach.
Ein Kapitän zur See und sein Hobby: Dankmar Graf Beissel von Gymnich hatte im Zweiten Weltkrieg unterschiedliche Führungspositionen. In der Nachkriegszeit war er Angestellter der "Gemeinschaft von den Heiligen Engeln" auf Banz. Fotos: Birgit Kunig
 
von BIRGIT KUNIG
Schöne Bilder und die Beschreibung von der Kunst an sich und von den Künstlern ist Vorgabe, wenn man über eine Ausstellung berichtet. Aber was ist denn hier nun eigentlich die Kunst, und wer sind hier die Künstler? Ist es Kunst, wenn eine weltoffene Museumsleiterin und Kuratorin (Brigitte Eichner-Grünbeck plus Hanns-Seidl-Stiftung) Impulsgeber ist, um eine Ausstellung mit Zeitzeugen zu initiieren? Ist es Kunst, wenn viele Mitstreiter (Heinz Pfuhlmann, Sylvia Ostertag-Henning) auf den Plan kommen und die Möglichmacher sind? Ist es Kunst, wenn Zeitzeugen, die detailreich ihre Erinnerungen an die Kindheit in Banz an die Nachwelt preisgeben, die Hauptattraktion sind?
Ja, all das zusammengenommen ist eine Kunst. Und natürlich die geretteten Kunstobjekte und Moodboards, die an diesem Abend ungewollt nur die Nebendarsteller und doch lohnenswert zu betrachten sind.
Eichner-Grünbeck eröffnet die Vernissage mit herzlichen Worten. Heinz Pfuhlmann konnte durch die Zusammenarbeit mit Sylvia Ostertag-Hennig aus dem Nachlass ihres verstorbener Mannes - wichtige Tonbandaufnahmen von etlichen Zeitzeugen zum Reservelazarett - viele wertvolle Erinnerungen aufbereiten. Als Redner ist er ein ruhiger, ein bedächtiger, ein besinnlicher im Sinne des Wortes. Seine Erzählungen über die Erlebnisse in Banz 1945 wirkt trotz der Tragik und Tragweite nicht aufgebauscht oder aufgebläht. Landrat Christian Meißner lobte das gelungene Projekt, musste dann aber zu seinem Bedauern weiterziehen: "Das hier ist politischer Suizid, wenn man am gleichen Tag das Schützenfest eröffnen muss." Und der dritten Bürgermeisterin von Bad Staffelstein, Sabine Scheer, merkt man an, dass sie Lateinlehrerin ist, wenn sie von Rom schwärmt und es mit Banz vergleicht: "Wenn Steine sprechen könnten."
1945, im letzten Jahr des Zweiten Weltkriegs, beherbergte Banz ein Reservelazarett, große Kunst und die geheimen Akten des Einsatzstabs Reichsleiter Rosenberg. Seit 1933 wirkte hier die "Gemeinschaft von den Heiligen Engeln", die sich um die seelsorgerische Betreuung von Auslandsdeutschen kümmerte. Der erst 28-jährige Pater Johannes Linnemann von der "Gemeinschaft von den Heiligen Engeln" bot damals dem Wehrkreiskommando XIII in Nürnberg Kloster Banz als Lazarett an.


Bis zu 300 Verletzte auf Banz

Nur vier Laienbrüder als Unterstützung waren übrig, die nicht zum Militär eingezogen worden waren. Bis zu 300 verletzte Soldaten konnte Kloster Banz aufnehmen. Versorgt wurden sie von Rot-Kreuz-Schwestern aus der näheren Umgebung. Logische Folge: Hochzeiten und Kindersegen.
Kurt von Behr, bekannt für seinen luxuriösen Lebensstil, hatte in Görings Diensten Kunstraubzüge in Frankreich unternommen und sich hier mit seiner Frau umgebracht. Mit Zyankali am 19. April, weil er wusste, welches Schicksal ihm gedroht hätte. Trotz allem bereitete ihm die Bevölkerung eine würdevolle Beerdigung. Von Behr arbeitete für den Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg. Sein Tagebuch, von den Amerikanern gefunden, war für die Nürnberger Prozesse von hoher Bedeutung.
Neben wertvollen Kunstraubobjekten, denen Banz als Depot diente, lagerten auch die weltberühmten neun Hohenfurther Bildtafeln. Am eindrucksvollsten aber sind die Videoaufnahmen der Stars des Abends und natürlich die persönliche Unterhaltung. Das hier ist eine Stätte der Wiederbegegnung und die ergreifenden Geschichten werden nun untereinander ausgetauscht und auch mit Außenstehenden geteilt: "Weißt du noch?" Während der Gespräche potenzieren sich die Erinnerungen bis zum Wiedererleben.
Gefangen von der besonderen Atmosphäre ziehen einen die Zeitreisenden in ihren Bann. So erzählt Franz Ritter, geboren in Weingarten, wie ein Blitz in einen Turm in Kloster Banz einschlug: "Wie eine Fackel leuchtete der Brand über dem Maintal." Er selbst habe als Junge mitgeholfen zu löschen. Heinrich Schramm schmunzelt, weil sich die älteren Mädels nach den "Amis" umdrehten.
Sein Vater, der Maurermeister, wurde von der Wehrmacht mitten in der Nacht unter Androhung von Waffengewalt genötigt, eine Mauer hochzuziehen, hinter der sich wichtige Kriegsdokumente befanden. Für die Amerikaner musste er sie wieder abreißen. Doch hätten die "Amis" sehr viel Menschlichkeit gezeigt und die Kinder immer wieder mit Süßigkeiten versorgt.
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