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Gemeinderat

Glasfaser: Altenkunstadt möchte einen Masterplan

Die Telekom will die Altenkunstadter Neumühle, die in eine Wohnanlage mit 20 barrierefreien Wohnungen umgebaut wird, an das Glasfasernetz anschließen.
Die Neumühle soll schnelles Internet bekommen.Stephan Stöckel
 
von STEPHAN STÖCKEL
Die Neumühle verkörpert ein Stück Altenkunstadter Historie. Bereits um 1300 ist sie im Urbar des Klosters Langheim als "Muenchmuehl" verzeichnet. In Kürze könnte sie auch ein Stück Zukunft verkörpern. Die Telekom möchte die Mühle, die derzeit zu einer Wohnanlage mit 20 barrierefreien Wohnungen umgebaut wird, an ihr hochmodernes Glasfasernetz anzuschließen. Die Gemeinde Altenkunstadt wiederum will die Gunst der Stunde nutzen und 19 Gebäude gleich mit an das schnelle Internet anschließen, um dann anschließend die benötigten Fasern zu verpachten. Das macht für Diplom-Ingenieur Siegbert Reuther von der Firma Reuther-Net-Consulting Sinn, denn dann müsse man die Straße oder den Gehweg nicht zweimal öffnen. Die Brutto-Gesamtkosten bezifferte der Experte auf 109 000 Euro, was pro Haus eine Summe von rund 5740 Euro ergeben würde. "Da mit der Telekom und Kabel Deutschland bereits zwei Provider in Altenkunstadt vorhanden sind, die eine Geschwindigkeit von über 30 Mbit pro Sekunde ermöglichen, ist eine Förderung in den nächsten acht Jahren nicht zu erwarten", schränkte der Referent allerdings ein.
Zur Ausgangslage: Die Telekom plant in offener Bauweise auf einer Länge von 350 Metern, die Neumühle vom Telekom-Gehäuse unweit des Altenheimes mit einem Glasanfaseranschluss zu versorgen. Reuther erklärte, dass die Telekom Anlieger aus organisatorischen Gründen nicht berücksichtigen könne. Bei den Internetanbietern nehme die Bereitschaft zu, kommunale Netze anzumieten. "Bei der Fasermiete beträgt der Marktpreis brutto aktuell sieben bis 15 Euro", sagte Reuther. Auch das Interesse und die Zahlungsbereitschaft bei den Eigentümern und Mietern an einem Glasfaseranschluss nehme zu, so Reuther. Eine Bedarfserhebung der Eigentümer habe man in Altenkunstadt bis dato allerdings noch nicht durchgeführt. Der Eigentümer zahle die Tiefbauarbeiten auf eigenem Grund im Regelfalle selbst. "Je nach Oberfläche fallen 30 bis 100 Euro je Meter an. Hinzu kommen noch Kosten für einen Hausanschluss in Höhe von 300 bis 400 Euro, die Kernbohrung, Einführung und Anschlussbox beinhaltet", informierte der Referent die Öffentlichkeit. Der Fachmann hatte zudem darauf hingewiesen, dass die Telekom drei Monate nach Antragstellung auch ohne Zustimmung der Gemeinde bauen dürfe.
"Was ist, wenn sie davon Gebrauch macht?", fragte sich Frank Novotny von den Sozialen Bürgern, der eine mögliche Auswirkung gleich mit nannte: "Am Ende werden die Bewohner entlang der Trasse zu Straßenausbaubeiträgen verdonnert, haben aber keinen Nutzen von der Baumaßnahme." Allerdings rechnet Reuther nicht damit, dass der Provider gegen den Willen der Gemeinde baut. Stephanie Dittrich (Bündnisgrüne) und Gabriele Göring (CSU) regten an, auch Alternativtrassen, zum Beispiel über die Langheimer Straße zu prüfen, was Reuther zusicherte. Außerdem will Reuther in seinem Konzept alle Anlieger entlang einer Trasse mit berücksichtigen, damit nicht noch einmal die Straße aufgemacht werden muss.
In einer der nächsten Sitzungen soll dann ein konkreter Beschluss gefasst werden. Über das aktuelle Projekt hinaus wurden Forderungen aus dem Gremium laut, sich grundsätzlich Gedanken über die zukünftige Versorgung Altenkunstadts mit Glasfaser zu machen. "Wir brauchen einen Masterplan. Schnelles Internet ist so heute wichtig wie ein gutes Wasserleitungsnetz", betonte Ulrich Leikeim von der Freien Wähler Gemeinschaft (FWG).
Die zukünftigen Bewohner der Neumühle können ihre barrierefreien Wohnungen in dem historischen Gebäude bequem mit dem Auto über das Baugebiet Weidner erreichen. Im Zuge der Umbauarbeiten wurde die Bürgermeister-Böhmer-Straße um 30 Meter verlängert. Der Gemeinderat beschloss eine Widmung der neu gebauten Straßenstrecke.
Derzeit werden in Altenkunstadt und seinen Ortsteilen die letzten weißen Flecken auf der Karte des schnellen Internets beseitigt. 77 Haushalte auf dem Kordigast, in Röhrig, Strössendorf, Tauschendorf, Trebitzmühle, Woffendorf und Zeublitz erhalten einen Breitbandanschluss. Die Tiefbauarbeiten sind größtenteils bereits abgeschlossen. Die Inbetriebnahme ist nach Auskunft der Telekom für März nächsten Jahres vorgesehen.
Die abwassertechnische Situation im Ortsteil Spiesberg entspricht nicht mehr den heutigen Anforderungen an den Gewässerschutz. Der Gemeinderat entschloss sich daher zu einer Modernisierung. Kostenpunkt: rund eine Million Euro. Diplom-Ingenieur Sebastian Bojanowski von der Planungsgruppe Strunz mit Sitz in Bamberg stellte seine Entwurfsplanung vor. "Die Ortskanalisation wird zum Trennsystem ausgebaut. Der bestehende Mischwasserkanal wird ertüchtigt, um Oberflächenwasser ableiten zu können. Zudem wird ein Schmutzwasserkanal gebaut", informierte der Experte. Die bestehende Teichkläranlage wird durch eine moderne Kompaktbelebungsanlage ersetzt, die für 100 Einwohnerwerte ausgelegt ist. Auf Vorschlag von SPD-Gemeinderat Karlheinz Hofmann, soll überprüft werden, ob Leerrohre für einen späteren Anschluss von Spiesberg an das Glasfasernetz nicht gleich mitverlegt werden könnten. Norbert Schnapp von der Jungen Wähler Union (JWU) schlug vor, den bestehenden Geh- und Radweg entlang der Kreisstraße zu verlängern: "Die Straße müsste dann nicht aufgerissen werden, da die Abwasserrohre unter dem Weg verlegt werden könnten." Hümmer versicherte, den Landrat darauf anzusprechen.
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