Horsdorf
Dorffest

Flammen wichen dem Regen nicht

Auch dauerhafter Nieselregen sorgte nicht dafür, dass "Horsdorf in Flammen" ins Wasser fiel.
Artikel einbetten
Der Bachlauf in Horsdorf wurde mit hunderten Kerzen illuminiert.  Fotos: markus Häggberg
Der Bachlauf in Horsdorf wurde mit hunderten Kerzen illuminiert. Fotos: markus Häggberg
+3 Bilder
Wer kam, der kam zumeist unterm Regenschirm. Und selbst wenn der Nieselregen mal aufhörte, blieb doch so mancher aufgespannt. Ins Wasser fiel "Horsdorf in Flammen" ob des Wetters aber nicht. Hintergründe zu einer regennassen Traditionsveranstaltung in einem trotzigen Dorf.

Ein Anrufer in einem Lokal in der Ortsmitte wollte wissen, ob es zu kommen lohne. Dieser Samstagabend sähe nämlich von Lichtenfels aus betrachtet ziemlich verregnet aus. Die Frau am Telefon erklärte dem Anrufer freundlich mit kurzen Worten, dass in Horsdorf schon alles bereit sei, auch Besucher schon einkehrten und man sich vom Wetter nicht abhängig machen wolle. Und eben darum fände "Horsdorf in Flammen" so oder so statt.
Draußen, vor dem Lokal, ist derweil Jürgen Schneidawind mit seinem Sohn dabei, den Bachlauf auszuschmücken, der wenige Meter parallel zu dem Fließgewässer verläuft, welcher leicht unterhalb der Ortsdurchgangsstraße liegt. Der eine Bach wild, der andere gezähmt und somit für das einzulassende Lichterwerk aus zusammengeketteten Holztafeln, die als Untersetzer für per Bunsenbrenner entflammte Kerzen dienen, in aller Ruhe geeignet.

Dieses Ritual ist Beginn und Höhepunkt der Veranstaltung, die außer Licht und Verköstigung nichts bietet. Aber der Lichter sind es Hunderte an diesem Fest und sie strahlen von Fackeln oder per Elektrik von Lichterketten zwischen Häusern, sie strahlen von Kerzen aus dem Bach oder von Feuerkörben entlang des rauschenden Bachs.

Für den ganzen Lichterzauber verantwortlich sind Obst- und Gartenbauverein Horsdorf/Loffeld sowie die Ortsfeuerwehr. "Dass es so verregnet war, das ist das erste Mal", räumt Peter Donath ein. Er, mit den Regenwahrscheinlichkeitsstatistiken dieses Tages vertraut, ist Vorsitzender der Obst- und Gartenbauer und stand vor kurzem noch knietief in der Vorbereitung. Wortwörtlich. "Wir haben die Bäche von Algen gesäubert", sagt er und verweist auf eine Dorf-Gemeinschaftsaktion, bei der zehn Leute im Einsatz waren, um auf einer Strecke von rund 250 Metern Algen, Schlamm und Brennnesseln aus dem Bach zu holen. "Drei Bulldog-Anhänger" hätte man durch diese Landschaftspflege gefüllt.

Vier Wochen dauern Festvorbereitungen und erst abends zuvor habe es noch die Lichterprobe gegeben. Immer habe man mit den Bedenken gearbeitet, es könnte regnen. Wie Donath das erklärt, kann er sich ein Grinsen nicht verkneifen. Denn all die Mühen haben sich gelohnt. "Dafür, dass das Wetter so schlecht ist, ist ziemlich viel los", sagt er und deutet auf die besetzten Bankreihen hinter sich. Doch auch er muss zugeben, dass auf den meisten Bänken der Regen Platz genommen hat, aber so etwas wie gedrückte Atmosphäre ist nicht auszumachen. Auch darum, weil der Regen nicht auf alle Bänke fiel.


Illuminierung der Gesprächskultur

"Jeder der konnte, hat seine Pavillons hergeschleppt", erklärt Donath den Umstand, wonach fünf Pavillons jeweils zwei bis drei Bierbankreihen Beschirmung boten. Darunter sammelten sich Besucher und kamen ins Gespräch. Denn um das Gespräch geht es bei diesem Fest im Eigentlichen. Es ist quasi die Illuminierung der Gesprächskultur, wenn man Donath glauben darf. Da würden Musik und Dezibel nur stören. 1995 habe es ein solches Fest schon mal gegeben, das sei dann in Vergessenheit geraten. "Wir probieren doch mal, ob das Fest wieder geht", fasst Donath den 2011 aufgekommenen Impuls zusammen.

Nun fand es zum siebten Mal statt und Musik vermisst hier keiner. "Ich höre doch 90, nein 95 Prozent der Leute finden es schön, dass keine Musik da ist", so der Vereinsvorsitzende. Und sein Kassier Falk Zimmermann springt ihm bei und merkt an: "Es (das Fest) hat noch die Ursprünglichkeit, die woanders verloren gegangen ist."
Verwandte Artikel
Noch keine Kommentare
Sie sind nicht angemeldet.
Sie müssen angemeldet sein, um Kommentieren zu können!
registrieren