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Fertigung

Die Produktion läuft wieder

Bei Veenendaal ist die Schaumstofffertigung angelaufen. Die Gefahr durch belastetes Rohmaterial scheint kleiner als befürchtet.
Viel Schaum um wenig? Das belastete Grundmaterial für die Schaumstoffherstellung scheint weniger Folgen für das Endprodukt zu haben als befürchtet. Vor allem Matratzenproduzenten und Verkäufer wussten in den vergangenen Tagen nicht, wie sie sich verhalten sollten. Foto: Wolfgang Kumm, dpa
 
von TOBIAS KINDERMANN
Beim Schaumstoffhersteller Veenendaal sind die Produktionsanlagen wieder angelaufen. Im Firmenverbund der Vita Cellular Foams in Middleon, England, zur der das Lichtenfelser Werk gehört, waren noch sechs weitere Betriebe betroffen, die von BASF belastetes Grundmaterial zur Schaumstoffherstellung bekommen hatten. Nachdem BASF seine Abnehmer informiert hatte, wurden die Anlagen auch in Lichtenfels gestoppt. Fünf Werke, darunter Lichtenfels, arbeiten seit Donnerstag wieder, am Freitag kam ein weiteres hinzu, beim siebten wird die Herstellung demnächst wieder anlaufen, sagt Alison Vesey, Sprecherin der Vita Cellular Foams.
In dem von BASF gelieferten Toluoldiisocyanat (TDI), ein Stoff, mit dem Polyurethan hergestellt wird, waren hohe Konzentrationen Dichlorbenzol (DCB) festgestellt worden. 7500 Tonnen hatte BASF produziert, bevor ein Kunde den Fehler bemerkte. 2500 Tonnen gelangten bereits in die Weiterverarbeitung. Aus dem Schaumstoff werden Matratzen und Polster für Möbel und Autos hergestellt, auch in Schuhsolen kommt TDI zum Einsatz.


Große Unsicherheit

Weil nicht klar war, wie sich das auf das fertige Produkt auswirken könnte, gab es große Unsicherheiten in der Matratzen- und Möbelindustrie. Teilweise kam es zu Produktionsausfällen und Rückrufen. Der Fachverband Matratzenindustrie gab inzwischen folgende Stellungnahme heraus: "Unmittelbar nach der Herstellung des Schaums beginnt sich das DCB darin zu verflüchtigen, so dass sich der Gehalt im Schaum bereits nach einem Tag halbiert hat. Wenn man davon ausgeht, dass es mindestens eine Woche dauert, bis aus einem Schaumblock eine Matratze entstanden ist, die in den Handel gelangt, hat sich der DCB-Wert nach Information der BASF auf zehn Prozent der ursprünglichen Belastung reduziert. Auf der Basis dieser Erkenntnisse ist BASF zu dem Ergebnis gekommen, dass auch bei der höchsten anzunehmenden Belastung von Matratzen mit DCB nach dem Störfall im BASF-Werk in Ludwigshafen keine Gefahr für Verbraucher von diesen Produkten ausgeht."


Lieferketten stabilisieren

Die Stiftung Warentest verweist darauf, dass Untersuchungen von Matratzenherstellern noch ausstünden. Der Verband der Deutschen Möbelindustrie (VDM) sieht aufgrund eigener Überprüfungen aber keine Gefahr. Auf die VDM-Erklärung verweist etwa auch Bertram Welsch aus der Verkaufsleitung vom Lichtenfelser Polstermöbelhersteller K+W: "Ich habe inzwischen auch viele Gespräche mit Endkunden geführt, um sie zu beruhigen." Es sei aber in den vergangenen Tage sehr aufwändig gewesen herauszufinden, welche Zulieferungen belastet sein könnten. "Ein Sofa besteht aus 50 Teilen und mehr, vieles fertigen wir just in time." Es werde sicher noch zwei Wochen dauern, bis sich die Lieferketten wieder stabilisiert hätten.
Darum geht es derzeit auch bei Veenendaal: "Wir legen momentan unsere ganze Kraft hinein, unsere Kunden wieder mit einwandfreiem Material zu beliefern und Mitarbeiter zu informieren. Außerdem ist es sehr komplex, eine Produktion wieder hochzufahren", sagt Alison Vesey.
So steht die Frage, ob und wer für die Störungen finanziell aufkommen muss, für alle erst einmal im Hintergrund.

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