Michelau
Deichnachrüstung

Flutbrücke in Michelau: Bollwerk gegen den Fluss

Südlich der Flutbrücke in Michelau ist der Bau der Spundwände abgeschlossen. Bald beginnen die vorbereitenden Arbeiten für den Eingriff am Hauptdamm.
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Beton, Holz und ein mit Steinen gefülltes Drahtgeflecht erhöhen und verstärken den "Rießner-Damm" südlich der Michelauer Flutbrücke. Foto: Popp
Beton, Holz und ein mit Steinen gefülltes Drahtgeflecht erhöhen und verstärken den "Rießner-Damm" südlich der Michelauer Flutbrücke. Foto: Popp
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Ein Jahr und vier Monate sind seit dem ersten Spatenstich zur Deichnachrüstung vergangen. Wer auf der Bahnhofstraße ortsauswärts geht oder fährt, kann am Ende der Flutbrücke links und rechts die betonierten Spundwände sehen. Sie erhöhen und verstärken den bestehenden Hochwasserschutz. Der größte Teil aber kommt erst noch. Die Firma Pfister aus Seßlach, die hier am Werk war, hat auch in der Ausschreibung der Arbeiten am Hauptdamm den Zuschlag erhalten. Die erste Baubesprechung hat bereits stattgefunden. Vorbereitende Maßnahmen wie das Anlegen von Baustraßen sind für die kommenden Monate vorgesehen. Noch gut vier Kilometer Deich sollen erhöht und für ein bedrohliches Mainhochwasser ertüchtigt werden.


"Klimazuschlag"

Bis vor wenigen Jahren war ein sogenanntes hundertjährliches Hochwasser das Maß der Dinge: Ein Damm sollte so ausgelegt sein, dass er einem solchen Ereignis - in der Fachsprache als HQ 100 bezeichnet - standhalten kann. Zwischenzeitlich geben die Ingenieure in ihren Berechnungen noch einen "Klimazuschlag" von 15 Prozent oben drauf. In Michelau macht dieser rund 30 Zentimeter zusätzliche Deichhöhe aus. Der Klimawandel hat sich auch in Bayern längst durch heftigere Regenfälle und Überschwemmungen bemerkbar gemacht.



Insgesamt müssen die unterschiedlich alten Michelauer Dämme zwischen 50 und 70 Zentimeter erhöht werden, wie Matthias Trau vom Wasserwirtschaftsamt Kronach erklärt. Er ist der zuständige Abteilungsleiter für den Landkreis Lichtenfels. Mindestens bis Ende 2018 werden sich diese Arbeiten hinziehen, schätzt er. Mitte nächsten Jahres wird die Ausschreibung für ein großes Schöpfwerk in der Nähe der Michelauer Kläranlage beginnen. Nicht zu bewältigende Wassermassen aus den Kanälen und dem Mühlbach werden damit direkt in den Main befördert. In der letzten Bauphase, vielleicht erst im übernächsten Jahr, wird es dann um Schutzmaßnahmen für den Gemeindeteil Schwürbitz gehen.

Trau oder einer der Kollegen war seit dem Start der Deichnachrüstung regelmäßig in Michelau. Zwar hat ein externes Ingenieurbüro die Bauleitung vor Ort, doch gibt es immer wieder Abstimmungsbedarf. Im Mai informierte der Vertreter des Wasserwirtschaftsamtes die Gemeinderäte, dass die Gesamtkosten steigen werden: statt der angenommenen acht Millionen Euro auf voraussichtlich 13,5 Millionen. Zur Besänftigung konnte aber die Erklärung beitragen, dass die finanzielle Belastung für die Gemeinde mit 739 500 Euro gleichbleiben werde. Die Verteuerung betrifft laut Trau den "unbaren" Eigenanteil, und auch hier müssten seitens der Gemeinde nicht mehr Leistungen erbracht werden, als vorher vereinbart. Es wird nach neuen Richtlinien für die Arbeiten schlicht ein höherer Wert angerechnet. Der größte Teil der Mittel stammt vom Freistaat.


Brückensperrung ab 21. August

Mit der am 21. August beginnenden Straßensperrung auf der Flutbrücke in Michelau hat das Wasserwirtschaftsamt nichts mehr zu tun. Eigentlich sollten während dieser Zeit Fundamente für einen Dammbalkenverschluss gesetzt werden - um bei extremem Hochwasser die Brücke mit einer Barriere dicht machen zu können. Die werden nicht mehr gebraucht. "Wir haben uns für ein alternatives System aus Kunststoffschläuchen entschieden", erklärt Matthias Trau. Die Straße wird trotzdem nicht vor dem 11. September wieder befahrbar sein, denn die von Gemeinde und Kreisbauhof geplanten Arbeiten am Wasserleitungsnetz und an der Fahrbahndecke sind ohnehin schon eng getaktet.
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