Lichtenfels
Interview

Beim Konzert in Bad Staffelstein gibt's viel zu entdecken"

Harry Ries gastiert mit dem Ensemble "wes10brass" in Bad Staffelstein. Hier, so sagt er, bekommen Konturen der Musik einen ganz eigenen Charakter.
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Professor Harry Ries spielt mit seiner 100 Jahre alten Posaune in Bad Staffelstein. "Es ist mein Lieblingsinstrument, und ich werde es auch am 1. Oktober hier im Konzert spielen", sagt er.  Tim Birkner
Professor Harry Ries spielt mit seiner 100 Jahre alten Posaune in Bad Staffelstein. "Es ist mein Lieblingsinstrument, und ich werde es auch am 1. Oktober hier im Konzert spielen", sagt er. Tim Birkner
Zehn Blechbläser kommen am 1. Oktober für ein Konzert in die katholische Kirche St. Kilian nach Bad Staffelstein. Professor Harry Ries, selbst Posaunist und Mitglied des Ensembles, hat das Bad Staffelsteiner Land vor 13 Jahren zu seiner Wahlheimat gemacht. Wie haben uns mit ihm über das Konzert, seine Musikerkollegen und seine Motivation gesprochen.

Wir sitzen hier in der katholischen Stadtpfarrkirche in Bad Staffelstein. Sie kennen die Kirche schon von vielen Konzerten. Was macht diesen Kirchenraum für die zehn Blechbläser von "wes10brass" so attraktiv?
Harry Ries: Die Akustik ist einfach unglaublich. Wenn Sie hier vorne im Altarraum stehen und sprechen, versteht man hinten noch jedes Wort. Das gilt auch für unsere Instrumente. Die Altposaune, die ich heute mitgebracht habe, ist schon 100 Jahre alt. Sie ist mein Lieblingsinstrument, und ich werde sie auch am 1. Oktober hier im Konzert spielen. Wir werden unten in diesem herrlichen Altarraum spielen, wahrscheinlich im Halbkreis um den Altar herum. Das Publikum will uns auch sehen. Und glauben Sie mir, mit jedem Zuhörer wird die Akustik noch besser.

Für eine Stimme oder auch eine einzelne Altposaune mag das stimmen, aber zehn Blechbläser ...
Sie müssen kommen und sich überzeugen lassen. Wir haben eine Menge Stücke aus der Alten Musik dabei. Oft sind die im Original nur vier- oder fünfstimmig. Es gab einen englischen Dirigenten, Philip Jones, der viele für sein Ensemble arrangiert hat. Genau wie wir, zehn Blechbläser - vier Trompeten und Flügelhörner, vier Posaunen, ein Waldhorn und eine Tuba. Die Musik bekommt dadurch ganz neue Farben, es wird so reichhaltig, immer spannend, und genau dafür eignet sich hier unsere St.-Kilian-Kirche ganz hervorragend. Es ist, als ob die architektonische Reichhaltigkeit hier im Innenraum Klang wird. Die Konturen der Musik bekommen einen ganz eigenen, charmanten Charakter. Es gibt immer etwas zu entdecken.

Ist bei Alter Musik nicht schon alles entdeckt?
Alte Musik ist nur ein Teil unseres Programms. Was wir in Bad Staffelstein vorhaben, ist absolut neu. Wir bringen für diese alten Stücke, die wir schon oft gespielt haben, noch den Solo-Trompeter der WDR-Bigband mit. Klaus Osterloh ist ein sensationeller Musiker. Er wird auf unseren bestehenden Satz freie Jazz-Improvisationen obendrauf setzen. Das ist neu und hat uns beim ersten Versuch schon aus den Schuhen gehoben. Wir haben das jetzt in zwei Konzerten probiert und immer wieder verbessert. Bad Staffelstein ist das dritte Konzert mit dieser Kombination überhaupt. Das wird CD-reif.
Wir spielen außerdem Stücke, die er uns aus dem Notenarchiv der WDR-Bigband mitgebracht und auf die Notenständer gelegt hat. Die Bigband-Stimmen sind dann umgeschrieben für uns zehn. Das macht einen wahnsinnigen Spaß, das zu spielen und diese Freude springt auf das Publikum über.

Das Programm ist also eine Mischung aus Alter Musik und Jazz?
Genau. Und das ist für uns ein Spiegel der heutigen Zeit. Wir haben viele Traditionen, es ist aber gleichzeitig sehr viel im Wandel, verändert sich durch neue Einflüsse. Das ist in der Politik und in der Wirtschaft so, in der Gesellschaft - und bei uns in der Musik.

Das klingt, als ob Sie mit Veränderungen keine Schwierigkeiten haben.
Wir alle sehen das tatsächlich als Bereicherung. Wir sind alle Orchestermusiker aus Nordrhein-Westfalen. Und wir sind Freunde. In einem kleinen Ensemble zu spielen, dann noch diese neue Mischung an Stilen, das bringt so viele neue Facetten. Wir profitieren von der Erfahrung im Orchester und die Orchester profitieren wieder von unserer Erfahrung bei "wes10brass". Am meisten Freude wird das Publikum haben, weil es alles auf einmal bekommt. Und obendrein führt unser Dirigent unglaublich kurzweilig durch das Programm. Eigentlich ist er Oboist, und nicht besonders groß - wir müssen mal sehen, ob er überhaupt über den Altar drüber schauen kann. Sonst brauchen wir noch ein Podest für ihn (lacht). Er ist ein Spaßvogel für die Musik.

Bei allem Spaß, Sie sind alle stark beschäftigt. Können Sie so ein Programm einfach so aus dem Ärmel schütteln?
Das wäre schön. Quatsch, je leichter es im Konzert klingt, desto mehr Arbeit steckt vorher drin. Obwohl wir das Programm schon zweimal so ähnlich aufgeführt haben, nehmen wir uns zwei Tage Zeit für Proben. Dann gibt es eine öffentliche Generalprobe in Köln. Und hier in der Kirche gibt es auch noch eine Probe vor dem Konzert. Das Konzert ist dann um 18 Uhr.

Das Gespräch mit Professor Harry Ries führte Tim Birkner.
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