Ich willige einX

Diese Website verwendet das Besucheraktions-Pixel von Facebook für statistische Zwecke. Mit einem Cookie kann so nachvollzogen werden, wie unser Marketing auf Facebook wirkt und wie wir es verbessern können. Wir freuen uns, wenn Sie uns Ihr Einverständnis hierzu erteilen. Eine genaue Beschreibung zum „Besucheraktions-Pixel“, zu Cookies im Allgemeinen und Ihrem Widerspruchsrecht, das Sie jederzeit ausüben können, steht Ihnen in unserer Datenschutzerklärung unter hier zur Verfügung.

Region  // Lichtenfels

Amtsgericht

Verwerfliches Tun vor der Verandatür

1750 Euro Geldstrafe muss ein 46-Jähriger für seine "Aktivitäten" bezahlen, mit denen er nächtens eine Lichtenfelserin belästigte.
Mit einem Fall von Exhibitionismus musste sich das Amtsgericht Lichtenfels befassen. Foto: Archiv
 
von MARKUS HÄGGBERG
In der hintersten Zuschauerreihe des Saals 14 wohnten am Donnerstag drei junge Frauen dem Verfahren um Exhibitionismus und Hausfriedensbruch bei. Zwei von ihnen sind sich sicher, schon ihre ganz eigenen Erfahrungen mit dem freiberuflich tätigen 46-Jährigen gemacht zu haben, der nun vier Meter von ihnen entfernt im Amtsgericht seinen Fortsetzungstermin erlebte.
Neun Tage setzte das Verfahren (unsere Zeitung berichtete) aus, da es noch Zeugen bedürfen sollte, um ein klareres Bild des Geschehens zu zeichnen. Nun sollte es zum Abschluss kommen. Mit Schuldspruch und Verurteilung.
Rückschau: Der späte Abend des 1. September 2016 wird einer 46-jährigen Lichtenfelserin wohl stets im Gedächtnis bleiben: Ein Mann trat an ihre Verandatür, beobachtete die Fernsehen schauende Frau und onanierte dazu. Sollte es der Mann sein, der nun abermals wie schon am ersten Prozesstag wortkarg und starr vor Richter Stefan Hoffmann und Staatsanwalt Timm Hain saß? Gelassen schien er nicht, im Gegenteil: Sichtlich nervös spielte er n nahezu während der gesamten Verhandlungsdauer mit einem Stein. Bis zu einem Jahr Haft konnte ihm bei Verurteilung drohen, auf jeden Fall aber eine saftige Geldstrafe.
Am ersten Prozesstag sagte das 46-jährige Opfer aus: "Ich war in meiner Wohnung gesessen und habe Fernsehen geschaut [...], habe gesehen, dass draußen jemand steht, der masturbiert hat." Warum ausgerechnet sie auf das Radar des im östlichen Landkreis wohnenden Angeklagten geraten sei, sollte keine Beantwortung finden. Die Frau gab damals an, den Angeklagten nicht gekannt zu haben. Erkannt hatte sie ihn auch nicht. Die Lichtverhältnisse hätten das nicht zugelassen. Auch der Sohn der Frau, ein aufgeregt herbeigerufener Teenager, konnte das Gesicht des Täters nicht erblicken. Aber dennoch lieferte er eine Beschreibung, die kleidungsmäßig auf den Mann passte, der noch am selbigen Abend von einer Zivilstreife gestellt wurde und sich als Jogger ausgab. Tatsächlich sollte es sich um den Gesuchten handeln.


"Wollte niemand beleidigen"

Das Schweigen, welches der Beschuldigte während des Prozesses übte, brach er selbst während der polizeilichen Vernehmung am Tatabend. So konnte ein in den Zeugenstand berufener Polizeihauptkommissar davon berichten, wie der 46-Jährige sein Tun ihm gegenüber eingeräumt habe. "Ich ging joggen, musste dringend aufs Klo, so ging ich auf das Grundstück. Anschließend, das gebe ich zu, habe ich onaniert - ich habe das für mich getan [...] wollte niemanden beleidigen", so der Wortlaut einer protokollierten Aussage. Und in ihr trifft ein Kern die Sache bzw. einen Nagel der Anklage auf den Kopf. Denn ein Exhibitionist ist nur dann ein solcher, wenn er für sein Tun eine Reaktion bei anderen Menschen hervorzurufen beabsichtigt. Mit anderen Worten: Stand der Mann zu weit von seinem Opfer entfernt und hatte dieses nicht die Möglichkeit, das Tun des 46-Jährigen zu erkennen, so mochte lediglich, da der Mann das Grundstück der Frau betrat, ein Hausfriedensbruch begangen worden sein. Doch die vom Sohn des Opfers gemachten Angaben zu der räumlichen Distanz, welcher der Angeklagte zur Glastür der 46-Jährigen einnahm, belief sich auf drei Meter.
Auch eine Nachbarin und weitere Zeugin des Vorfalls, die zwar genauso wenig das Gesicht des Mannes zu sehen bekam, dafür aber sein Tun, sprach von einem geringen Abstand zur Glasscheibe. Für Staatsanwalt Timm Hain ganz klares Indiz dafür, dass der Angeklagte ein Bemerktwerden herausgefordert habe und somit der Tatbestand des Exhibitionismus erfüllt gewesen sei. Diese Argumentation brachte er in seinem Plädoyer vor, in welchem er 2450 Euro Geldstrafe einforderte.
Würde Richter Hoffmann eine ähnlich hohe Strafe verhängen? Immerhin kamen während des Verfahrens zwei weitere Verfahren gegen den Mann zur Sprache, die derzeit anhängig sind. Überdies auch ein Vorfall, bei dem der Angeklagte Filmaufnahmen von einer heimlich beobachteten Frau gemacht haben soll. Eine Randnotiz, die doch für Bestürzung bei den drei Prozessbeobachterinnen sorgte.
Dann, nach kurzer Urteilsfindung, wurde von Stefan Hoffmann ein Schuldspruch verlesen. 1750 Euro wird der 46-Jährige zu zahlen haben. Zudem wird er sich wohl neuerlichen Anklagen stellen müssen.
Newsletter kostenlos abonnieren


noch Zeichen



Bitte melden Sie sich an, um kommentieren zu können:

Sie sind noch nicht registriert? Bitte hier registrieren.