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Region  // Lichtenfels

Stallgespräch

Stallgespräch: Scheuklappen unerwünscht

Wie geht es dem Schäfer in der Diskussion um Tierhaltung und Naturschutz? Der Wolf ist ihm jedenfalls nicht willkommen - ein ICE ohne Zäunung auch nicht.
Einblicke in die moderne Schafhaltung bekamen die Teilnehmer am Stallgespräch, zu dem der Bauernverband eingeladen hatte.  Fotos: Popp
 
von RAMONA POPP
Die Wanderschäferei ist eine sehr natürliche Tierhaltung. Die Tiere sind die meiste Zeit draußen. Im großen Stall von Anton Wunderlich in Klosterlangheim blöken derzeit rund 1000 Mutterschafe mit ihren Lämmern, manche von ihnen sind erst wenige Stunden alt. Das Tierwohl wird hier großgeschrieben. Der Bauernverband hat für sein jährliches Stallgespräch gerade diesen Familienbetrieb ausgewählt. Man will damit einen Kontrapunkt setzen zu der größten Demonstration gegen Agrarindustrie und Massentierhaltung, die bald wieder in Berlin stattfinden wird. Aus Anlass der Grünen Woche gehen dort seit 2011 Umwelt-, Natur- und Tierschutzverbände für eine Agrarwende auf die Straße. Ihr Motto lautet "Wir haben es satt!"

Michael Bienlein, der Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes (BBV), möchte die Landwirte nicht pauschal an den Pranger gestellt sehen: "Wir machen Euch satt!" sei deshalb die Antwort der Bauern. Ein Stallgespräch vor Ort soll Einblicke geben, Verständnis wecken für die Situation von Landwirten. Einen neuen Stall zu bauen, werde durch die Bestimmungen beispielsweise immer schwieriger, sagt der Kreisobmann. "Jeder will regionale Produkte - aber vor seiner Haustür sollen sie nicht erzeugt werden."


Für Einzäunung der ICE-Strecke

Mit der Inbetriebnahme der ICE-Neubaustrecke bahnt sich für Schäfer Wunderlich, aber auch für Halter von Weidevieh oder Pferden auf Koppeln, ein neues Problem an. Würde etwa ein freilaufender Hund oder ein sonstiger Eingriff von außen die Tiere in Panik versetzen, dann wäre der Weidezaun kein Hindernis mehr für sie. Wenn dann die Tiere auf die Schienenstrecke geraten, könnten sie einen ICE zum Entgleisen bringen. Vor so einem Szenario warnt Anton Wunderlich seit Monaten. Er fordert vehement eine Zäunung der Trasse, wie es entlang von Autobahnen ja auch üblich sei. "Oder jemand soll dann die Verantwortung übernehmen, wenn was passiert!" Wenn man die Tunnel herausrechne, bleibe gar nicht so viel Zaunstrecke übrig. "Das ist doch kein Luxus!" Die Kollegen vom Bauernverband stärken ihm den Rücken.

Eine weitere Sorge, die den Wanderschäfer umtreibt, ist der Wolf. Dessen Rückkehr - auch in Franken wurden schon Exemplare sichtet - ist für ihn kein Anlass zur Freude. Der Wolf bedeute unberechenbare Gefahren, betont er, passe nicht mehr in die moderne Zeit. Wertvollste Naturschutzflächen würden von den Schafhaltern gepflegt, stellt er fest. Deshalb verstehe er nicht, "dass Naturschützer gar so für den Wolf sind." Der Wolf sei ein Rückschritt, sagt Anton Wunderlich. Es müsse wohl erst etwas passieren, damit sich diese Erkenntnis durchsetze. Dabei wünscht sich der Schäfer eine Debatte ohne Scheuklappen. "Der eine ist für den Wolf, der andere für einen Schmetterling. Aber keine fragt mehr nach dem anderen."

So sinnvoll sich Weidehaltung und Ausgleichsflächen darstellen mögen - sie durchschneiden manchmal eben auch Wege, die der Schäfer zuvor mit seinen Herden gehen konnte. "Es wird immer enger."

Wunderlich stimmt aber kein Klagelied an. Er geht auf die Bauern zu, fragt nach, wo er seine Tiere grasen lassen kann. Er hat in Klosterlangheim einen modernen Stall und ein eigenes Schlachthaus nach EU-Richtlinien gebaut. Er merkt, dass es vermehrt Menschen gibt, denen die Herkunft der Produkte und die Qualität wichtig sind. Doch auch er bekommt den Widersinn mancher Preispolitik in der landwirtschaftlichen Produktion zu spüren. Seine Schafe im Stall hat er gerade geschoren, am Verkauf der Wolle verdiene er allerdings kaum etwas, berichtet er. Weil der Selbstversorgungsgrad Deutschlands bei Schurwolle so niedrig sei, werde viel importiert. Das drückt den Preis - eine Logik, über die man eigentlich nur den Kopf schütteln kann, wie BBV-Geschäftsfüh-
rer Hans-Jürgen Rebelein anmerkt.
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