Internet

Schneller surfen in Weismain

Der Breitbandausbau ist in Weismain auf unterschiedlichem Stand. Da die Förderung des Lands ausläuft, setzt der Bürgermeister auf Zuschüsse vom Bund.
Das schnelle Internet hat Einzug in Weismain gehalten. Über das Förderprogramm des Bunds sollen die letzten weißen Versorgungsflecken im Weismainer Stadtgebiet beseitigt werden. Foto: Telekom
 
von STEPHAN STÖCKEL
Warum bin ich in meinem Ort noch im Schneckentempo unterwegs, während mein Bekannter im Nachbardorf bereits mit Hochgeschwindigkeit surft? Das fragen sich momentan viele in Weismain. Vor allem jene, die große Datenmengen herunter- oder heraufladen wollen.

"Es gibt verschiedene Wahrnehmungen und mitunter auch Verwirrung", gab Bürgermeister Udo Dauer (CSU) unumwunden zu. Aus diesem Grund hatte er Diplom-Ingenieur Siegbert Reuther geladen, der eingehend erläuterte, warum das so ist. Außerdem erklärte er, wie es derzeit um den Breitbandausbau in Weismain und seinen zahlreichen Ortsteilen bestellt ist. Denn während sich das bayerische Breitbandförderprogramm dem Ende zuneigt, öffnen sich bereits die ersten Türen zum Förderprogramm des Bundes.


Finanzielles Kalkül

Man müsse die Fördermittel optimal einsetzen, betonte Reuther. Baue man alles auf einmal aus, dann führe das für die Stadt Weismain zu einem hohen Eigenanteil. "Die optimale Technik, also Glasfaser ins Haus, muss oft der wirtschaftlicheren Variante Glasfaser zum Kabelverzweiger geopfert werden. Wirtschaftlich ist es, vom Glasfaserbestand ausgehend nach außen zu planen. Deshalb wird zum Beispiel erst Wohnsig und dann Wunkendorf erschlossen", erläuterte der Experte.

In der Kernstadt Weismain kommt es dazu, dass in weiten Teilen eine Geschwindigkeit zwischen 25 und 50 Megabit erzielt wird, an den Rändern, zum Beispiel im Ortsteil Giechkröttendorf, der mit der Stadt Weismain zusammengewachsen ist, diese Werte deutlich unterschritten werden. "Kabelverzweiger im Nahbereich dürfen nicht per Förderung ausgebaut werden, da es zu Störungen im Netzbetrieb kommen könnte", sagte der Experte.
Eine Neuregelung, die zum 1. September dieses Jahres in Kraft getreten ist, erlaubt es der Telekom nun doch.

Bis Ende 2018 sollen sich dann in den unterversorgten Randgebieten der Kernstadt Weismain die Bandbreiten verdoppeln. "Im Rahmen der Liberalisierung des Breitbandmarkts wurde der sogenannte Bitstromzugang eingeführt. Es handelt sich dabei um ein Vorleistungsprodukt, das es alternativen Netzbetreibern ermöglicht, Zugang zu der Teilnehmeranschlussleitung eines Endkunden zu gewinnen. Somit kann der Endkunde auch auf Angebote eines Mitbewerbers zurückgreifen", ging der Fachmann ins Detail.

Die Inbetriebnahme des Breitbandprojekts "Weismain Individuell", das alle vom Freistaat geförderten Ortsteile umfasst, datierte er auf 21. Oktober 2016. Zudem geht das Projekt in die Verlängerung: In den Ortsteilen Frankenberg, Neudorf, Mosenberg und Wunkendorf wird erst im nächsten Jahr die Geschwindigkeit erhöht und zwar auf 30 Mbit pro Sekunde.

Nach Auskunft Dauers läuft die Ausschreibung für die vier Orte bis zum 18. Oktober. In der Stadtratssitzung am 25. Oktober soll dann die Vergabe erfolgen, damit im nächsten Jahre die Einwohner in den vier genannten Orten schneller surfen können.

Auf Nachfrage von Roland Säum vom Bürgerblock (BB) teilte Reuther mit, dass es für die vier Ortschaften vom Freistaat keine Förderung mehr gebe, da die Fördermittel bereits ausgeschöpft seien. Die Stadt Weismain habe die Kosten allein zu schultern. "Es liegt ein Angebot zum Breitbandausbau im sechsstelligen Bereich vor", sagte er.

Außerdem gibt es noch eine weitere Anzahl Ortsteile, die noch nicht im Breitbandzeitalter angekommen sind. Sie sollen über das Bundesprogramm mit 50 Mbit pro Sekunde versorgt werden.

Reuthers Ausführungen zufolge sollen die Ausschreibung und Vergabe der Beratungsleistungen bis Ende Oktober abgeschlossen sein. Danach erfolgt der Projektstart mit technischer Ist-Erfassung. Die Bewerbung um Fördermittel ist für Januar oder Februar nächsten Jahres angepeilt.

Reuther verwies auf eine Pressemitteilung der Bundestagsabgeordneten Emmi Zeulner, in der es wörtlich heißt: "Die Stadt Weismain zählt mit 90 Quadratkilometern Fläche und 35 Stadtteilen zu den aufwendigsten Erschließungsgebieten in Bayern. Dies ist auch den Verantwortlichen des Bundes-Förderprogramms aufgefallen und nun kommt Hilfe von ganz oben."

Emmi Zeulner hat sich die Unterstützung von Tobias Miethammer, dem Leiter des Bundes-Förderprogramms, für Weismain zusichern lassen. Weismain habe hier beste Chancen seine Versorgungslücken über Bundesfördermittel mit einer Förderquote von 80 Prozent zu schließen. Reuther bezifferte die Fördersumme auf rund drei Millionen Euro. "Sollte Berlin einen vorläufigen Förderbescheid erteilen, dann können wir im Mai 2017 mit dem Auswahlverfahren beginnen. Spätestens im Juli wäre dann der Kooperationsvertrag mit einem Telekommunikationsunternehmen unterschriftsreif", fuhr der Redner fort. Die Ausbaudauer schätzte er auf 24 Monate.

Auch ein Betreibermodell wäre denkbar. Dann müsste Weismain selbst die Kabel für das schnelle Internet verlegen.

Mitte September ist im Ortsteil Fesselsdorf ein neuer Sendemast für LTE-Internet und den Mobilfunkstandard UMTS in Betrieb gegangen. "Das ist eine gute Ergänzung zum Breitbandausbau", freute sich Bürgermeister Udo Dauer. Zugleich merkte er an, dass es auf dem Jura und im Kleinziegenfelder Tal noch immer weiße Flecken gebe, was den Mobilfunkausbau betreffe. Mit Blick auf die eingerichteten Rettungstreffpunkte im Wald stellte er die rhetorische Frage: "Was nützt mir die beste Rettungskette, wenn ich keinen Handyempfang habe."
Newsletter kostenlos abonnieren





Bitte melden Sie sich an, um kommentieren zu können:
Benutzer     Passwort    

Sie sind noch nicht registriert? Bitte hier registrieren.