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Landwirtschaft

Mobiler Schweinestall macht in Lichtenfels Halt

Der Bauernverband will mit dem mobilen Schweinestall auf die moderne Haltung der Tiere hinweisen, für die sie aber immernoch Kritik ernten.
Bauer Markus Schilling hat das Vertrauen der etwa zehn Wochen alten Ferkel gewonnen - sie fressen ihm aus der Hand. Foto: Dominic Buckreus
 
von DOMINIC BUCKREUS
Auf dem Marktplatz liegen fünf kleine Ferkel in der Mittagssonne und dösen vor sich hin. Sie seien etwas erschöpft, erklärt Kreisbäuerin Marion Warmuth. Gerade waren einige Schulkinder zu Besuch, um sich die Schweinchen mal genauer anzuschauen in ihrem mobilen Stall. Man bekommt die Tiere heute ja eher selten zu Gesicht. Die Hygienevorschriften in den Ställen verhindern das, sagt Marion Warmuth. Deshalb hatte der Bauernverband die Idee mit dem fahrbaren Schweinestall. Ein solcher fährt derzeit durch Oberfranken mit den etwa zehn Wochen alten Ferkeln. Am Ende landen sie in der Fränkischen Schweiz auf einem Hof, auf dem sie gemästet werden, erklärt die Kreisbäuerin.

"Wir wollen zeigen, wie ein moderner Schweinestall aussieht", sagt Hans-Jürgen Rebelein. Für den Geschäftsführer des Bauernverbands (BBV) Coburg-Lichtenfels stellen die heutigen Ställe einen "Kompromiss zwischen Wirtschaftlichkeit, Tierwohl und Arbeitswirtschaftlichkeit" dar. Sie seien voll klimatisiert mit eingebauter Lüftung, Heizung und Wasserversorgung. Das Füttern gehe automatisch. Vorher werde noch der Bedarf berechnet, erklärt Rebelein. Die Mischung aus Weizen, Hafer, Mais, Gerste und Soja müsse stimmen.


Schweine wollen spielen

Der Stall sei aufgeteilt in Liege-, Kot- und Bewegungsbereich, fährt Rebelein fort. Dort laufen - oder wie an diesem Tag liegen - die Schweine auf einem sogenannten Teilspaltenboden, bei dem der Kot einfach nach unten durchfallen kann. "Wichtig für die Sau ist, dass es sauber und trocken ist. Das erreiche ich mit einem Spaltenboden besser", sagt Rebelein. Der Abstand der Spalten ist mit 1,7 Zentimetern vorgeschrieben. Darin hängen bleiben würden die Schweine nicht, sagt Rebelein. Dennoch könne es natürlich vorkommen, dass etwas passiert, gibt er zu. Dann müsse der Bauer eben gut genug kontrollieren und reagieren.

Im Bewegungsbereich hängen an Metallketten einige Gegenstände aus Holz. Ja, auch Spielsachen für die Schweine sind Pflicht im modernen Stall. "Schweine haben einen Beschäftigungsdrang", erläutert Rebelein. Wenn die Schweine keine Beschäftigung hätten, würden sie miteinander spielen. Und da könne es ruppig werden, inklusive Verletzungen. Für Tierschützer seien alle diese Maßnahmen aber immer noch zu wenig. Verletzungen könne man aber generell nie ausschließen, versichert Rebelein.

Große Diskussionen gibt es auch darum, dass den Ferkeln der Ringelschwanz abgeschnitten wird, das sogenannte Kupieren. Es sei eine Verhaltensstörung, sagen Kritiker, die in der Natur so nicht vorkomme. Aus den Verletzungen resultieren Krankheiten. Die Ferkel im mobilen Schweinestall sind kupiert. "Wir Landwirte sehen das Nicht-Kupieren als problematisch", erklärt Rebelein. Es sei möglich, das Schwanzbeißen zu reduzieren, indem man den Bestand ausdünnt oder den Stall mit Stroh auslegt. "Aber hundertprozentig auszuschalten ist es fast nirgends", meint er.

Erst kürzlich hatten Greenpeace-Aktivisten, laut Medienberichten, mit versteckter Kamera in einem Schweinemastbetrieb gefilmt. Dabei hatten sie schreckliche Bilder von sterbenden oder bereits toten Ferkeln machen können und schwere Vorwürfe gegen die Schweinehalter erhoben.


Verbraucher gefordert

Rebelein ärgere sich genauso über solche "Schwarze Schafe", sagt er. "Da stellen wir uns nicht dahinter. Das ist nicht in Ordnung." Mit grundsätzlicher Kritik an der Tierhaltung kann er leben: "Wir lassen mit uns reden und sprechen auch mit der Initiative Tierwohl." Nur nähmen die Forderungen nie ein Ende. "Es muss irgendwann Schluss sein. Wir müssen uns fragen, wo wollen wir hin? Und darauf müssen wir uns dann einigen", sagt er. Außerdem müssten seiner Meinung nach solche Forderungen entsprechend honoriert werden, vor allem finanziell. Da nimmt er auch den Verbraucher mit ins Boot. Doch der ist ein Unsicherheitsfaktor. Deshalb hätten viele Bauern Angst, mehr Arbeit und Geld als vorgeschrieben in ihren Stall zu investieren.

Die immer neuen Vorgaben hätten schon in der Vergangenheit viele kleine Betriebe im Landkreis gezwungen, umzustrukturieren oder gar aufzugeben, sagt Rebelein. Zahlen bestätigen diese Entwicklung: Es gibt immer weniger Schweine im Landkreis (siehe Grafik). 1980 gab es im Kreis noch 488, meist kleine Zuchtbetriebe - im vergangenen Jahr nur noch 14. "Wir haben einen massiven Rückgang", klagt Rebelein.
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