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Musik

"Man sieht die Weiblein vor sich!"

Stefanie Zillig verkörperte bei ihrem Konzert in Lichtenfels viele starke Frauen aus der Operette.
Stefanie Zillig flirtet mit der Musik. Foto: Denise Burkhardt
 
Stefanie Zillig macht Eindruck. Fast ausverkauft waren die Plätze am Samstag in der ehemaligen Synagoge, und die Zuschauer überhäuften die Mezzosopranistin mit Komplimenten, riefen auch mal begeistert dazwischen und ließen es sich nicht nehmen, der Sängerin stehend Applaus zu schenken.

"Sie hat eine Stimme! Donnerwetter!", sagt eine Frau. Ein Zuschauer lobt sie: "Man versteht jedes Wort." "Sie hat Klasse!", sagt eine andere Stimme aus dem Publikum. Sicher waren darunter einige, die Zillig schon vorher singen gehört haben, schließlich stammt die Sängerin aus Schney, doch hat sie sicher an diesem Abend auch neue Bewunderer gewonnen.

Eindruck macht sie schon mit ihrem ersten Auftritt. Annerose Röder sitzt schon vorn am Flügel und ruft die Sängerin musikalisch herein. Als Erstes gibt Zillig nur ihre kraftvolle, vitale Stimme preis und schreitet durch den Mittelgang nach vorne. Diese Stimme leiht sie an diesem Abend den Damen der Operette, denn "Es gibt ja keine Männer mehr - Starke Frauen in der Operette" heißt ihr Programm.


Interessanter Hintergrund

Das Zitat ist der Titel eines Liedes aus der Operette "Gasparone" von Carl Millöcker. Die Operette hat es der Sängerin angetan, die derzeit im Opernchor des Oldenburgischen Staatstheaters engagiert ist. Auch in ihrer Diplomarbeit setzt sie sich damit auseinander, besonders mit dem Aspekt der Frivolität. Es ist ihr ein Anliegen, mit Klischees über die Operette aufzuräumen, und so gibt sie während des Konzertes Einblicke in die Geschichte und die Bedeutung der Operette.

Zillig schlüpft im Lauf des Abends in zahlreiche Rollen, von der gelangweilten Ehefrau bis zur Fürstin. "Man sieht die Weiblein vor sich", meint eine Zuschauerin, begeistert von Zilligs lebendiger Darstellungsweise.



Erotisch ausgehungert

Die "Weiblein", das sind zum Beispiel die - wie Zillig sie beschreibt - "erotisch ausgehungerte Großherzogin" aus Jacques Offenbachs "Die Großherzogin von Gerolstein", die Varieté-Sängerin Sylva Varescu aus Emmerich Kálmáns "Die Csárdásfürstin" oder die Witwe Pusebach aus Paul Linckes "Frau Luna".

Zillig flirtet unentwegt mit der Musik und lässt das Publikum daran teilhaben. Sie gibt sich enttäuscht, erschrocken, dramatisch, gewitzt, kokett, verführerisch, dabei stets wider den biederen Ernst. Sie stemmt die Hände in die Hüften, wenn sie kokettiert, stampft mit dem Fuß auf den Boden, wenn sie die Gekränkte spielt.

"Ach, wie liebe ich die Soldaten" singt sie in der Rolle der Großfürstin und sprüht dabei vor Vitalität. Allein vom Zusehen wäre es ein Leichtes, den Kontext zu verstehen. Aber auch ihre kraftvolle Stimme weiß Zillig zu gebrauchen. Das Publikum ist ganz angetan vom Stimmvolumen der Mezzosopranistin, honoriert aber mit lautem Applaus auch die Stellen, an denen sie zartere Töne anstimmt, wie etwa bei "Ich schenk' mein Herz" (aus "Die Dubarry" von Carl Millöcker und Theo Mackeben) oder "Meine Lippen, sie küssen so heiß" (aus "Giuditta" von Franz Lehár). Dabei hat sie einen besonderen Schmelz in der Stimme, einen dunklen, eindringlichen.

Im Pianissimo vermag sie ihren starken Klang auf sehr sanfte Weise zu verdichten und zeigt mit "Spiel auf deiner Geige" aus "Venus in Seide" von Robert Stolz, wie flexibel sie in der Dynamik tatsächlich ist.
Pianistin Röder sorgt für die nötige Klangkulisse, die die Welt der Operette in der Synagoge entfaltet. Mit ihrer Soloeinlage, der Ouvertüre zu "Die Fledermaus" von Johann Strauß lässt die Sängerin das Publikum in bekannten Melodien schwelgen und das ein oder andere Füßchen wippt im Takt leise mit.

Und die Männer? Auch die waren zu Zilligs Konzert gekommen und auch ihnen hat es offenbar gefallen.
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