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Katastrophenfall im Landkreis Lichtenfels

Höchste Alarmstufe wurde am Mittwochmorgen bei den Feuerwehren im Landkreis Lichtenfels ausgelöst, als die Metob-Beschichtungen GmbH im Michelauer Industriegebiet einen Brand meldete. Eine riesige schwarze Rauchwolke war weithin über dem Ort zu sehen.
Brandbekämpfung mit vereinten Kräften bei Metob in Michelau
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Die Brandursache wird von der Kriminalpolizei zu ermitteln sein. Vor Ort ging man zunächst von einem technischen Defekt an einem Entlackungsofen aus, was jedoch noch nicht offiziell bestätigt wurde.

Um 8.30 Uhr ertönten die Sirenen, nach wenigen Minuten war bereits ein Großaufgebot an Feuerwehren vor Ort. Über zwei Drehleitern wurde das Feuer von oben aus bekämpft, während sich Atemschutzgeräteträger startklar für den Einsatz im Inneren der Werkhalle machten.

Um Menschenleben musste man sich zu dieser Zeit keine Sorgen machen - nach den Einsatzkräften vorliegenden Meldungen hatten alle rund 100 Mitarbeiter das Gebäude bereits verlassen. Sie verfolgten mit angespannten Mienen von der anderen Straßenseite aus das Geschehen.

Zwölf Feuerwehrleute wurden bei dem Einsatz im Michelauer Beschichtungsbetrieb Metob verletzt. Sie erlitten Verätzungen, nach Auskunft des Leitenden Notarztes, Goller, handelt es sich nicht um schwerwiegende Verletzungen. Vier Feuerwehrleute wurden zur ambulanten Behandlung ins Klinikum gebracht, einer wurde in einer örtlichen Arztpraxis versorgt. Durch die Chemikalien, mit denen in dem Unternehmen gearbeitet wird, bestand bei dem Einsatz starke Verätzungsgefahr. Anwohner wurden über Radiomeldungen angehalten, Türen und Fenster geschlossen zu lassen, benachbarte Firmen wurden evakuiert. Nach der Belastung der Luft gefragt, sagte Kreisbrandrat Timm Vogler, bei jedem Mülltonnenbrand entstünden giftige Stoffe. Der Rauch sei in dem Fall recht senkrecht weggezogen, nicht in den Ort. Der im Rettungsdienst eingesetzte Arzt versuchte, die Gefahr in der Umgebung zu relativieren: "Wir alle sind dort ohne Atemschutz gewesen."

Der Schaden, der bei dem Brand entstanden ist, beläuft sich nach ersten Schätzungen auf mehrere Hunderttausend Euro.

Großen Aufwand stellte auch die Verkehrsabsperrung und -umleitung im Industriegebiet dar.

Die Feuerwehr bereitete eine Sperre für kontaminiertes Löschwasser vor. Bei der am Nachmittag anberaumten Pressekonferenz im Michelauer Rathaus wurde bekanntgegeben, dass vorsorglich die Michelauer Trinkwasserbrunnen gesperrt wurden. Die Versorgung kann laut Bürgermeister Helmut Fischer (CSU) etwa einen Dreivierteltag über den Vorrat in den beiden Hochbehältern laufen, danach würden die Stadtwerke Lichtenfels einspringen und dafür sorgen, dass die Speicher am Krappenberg aufgefüllt werden. Vorsorglich kann danach auf Fernwasserversorgung umgestellt werden. Es sei jedenfalls sichergestellt, dass das Trinkwasser, das die Bevölkerung bekommt, nicht kontaminiert sei. Entsprechenden "Falschmeldungen" im Internet trat der Bürgermeister entgegen. Gleichzeitig mussten sich die Behördenvertreter bei der Pressekonferenz aber vorhalten lassen, dass in der Zeit bis zum Beginn der Pressekonferenz um 14 Uhr Medienvertreter auf Nachfrage bezüglich der Umweltbelastung keine Informationen erhalten hatten.

Das Löschwasser enthält nach Auskunft des Kreisbrandrates verschiedene Säuren und Laugen sowie hochgiftige und umweltgefährdende Chromverbindungen. Es gelangte in den Landwehrgraben, einem kleinen Bachlauf, der zur Kläranlage und auch in Richtung des Michelauer Wasserschutzgebietes führt. Das belastete Löschwasser wurde auch in der Kanalisation mittels so genannter Dichtkissen aufgefangen. Es wird in den insgesamt 500 Kubikmeter fassenden Regenüberlaufbecken in den Gemarkungen Neuensee und Schwürbitz zwischengelagert. Die giftige Brühe soll noch am frühen Abend von einem Experten der Transport- und Unfallhilfe der Chemischen Industrie (TUIS), der eigens per Hubschrauber aus Oberbayern eingeflogen wurde, begutachtet werden. Auf seinen Rat hin soll entschieden werden, wie das belastete Wasser neutralisiert beziehungsweise entsorgt werden kann. Es sei alles getan worden, um eine Ausbreitung zu verhindern, betonte Landrat Meißner. Vertreter des Wasserwirtschaftsamtes waren ebenfalls vor Ort. Es wurde die Einschätzung abgegeben, die im Landwehrgraben bestehende Lehmschicht sei geeignet, kein Wasser in tiefere Erdschichten eindringen zu lassen.

Sehr stark kontaminiert sind die Schutzanzüge der im Gebäude eingesetzten Feuerwehrleute. Sie müssen laut Kreisbrandrat Vogler als Sondermüll entsorgt werden. Erkenntnisse zu sonstiger Umweltbelastung - etwa von landwirtschaftlichen Flächen - verneinten die Behördenvertreter in der Pressekonferenz. Der Landrat sagte aber Überprüfungen zu. "Wir bleiben dran." Der Katastrophenfall - den der Landkreis zum ersten Mal nach 34 Jahren (damals bei einem gravierenden Hochwasser im Raum Staffelstein) ausgerufen hat - werde auf jeden Fall bis zum Folgetag bestehen bleiben. Bis man Klarheit über die Situation hat.
Der Leiter der Kriminalpolizei Coburg, Bernd Rebhan, teilte mit, dass die Brandstelle beschlagnahmt wurde und es erste Vernehmungen gegeben habe. Aktuell müsse man von einer technischen Ursache für das Feuer ausgehen. Wie weiter zu erfahren war, ist die Fabrikhalle einsturzgefährdet. Zur Entfernung der Dachhaut wurde ein 200-Tonnen-Kran geordert.
Insgesamt arbeiteten bei diesem Ereignis rund 420 Einsatzkräfte, davon 350 Feuerwehrler, zusammen. Und dies, wie Timm Vogler bestätigte, "reibungslos". "Wir haben viele Jahre für diesen Tag geprobt", merkte er an. In der Firma Metob selbst habe zwar keine Übung stattgefunden, doch sei man sich im Klaren über die Stoffe gewesen, die man dort zu erwarten hatte. Ab 13 Uhr galt der Brand als "unter Kontrolle". Es war jedoch davon auszugehen, dass sich der Löscheinsatz noch bis in die Nacht hinziehen würde.
Die Metob-Beschichtungen GmbH macht Tauchbad- und Pulverbeschichtungen sowie Lackierungen, besonders für die Möbel- und Automobilzulieferindustrie. Sie hat neben dem Stammsitz in Michelau Werke in Hildburghausen, Roth am Forst (Kreis Coburg), Treuen im Vogtland und Treuchtlingen in Mittelfranken.
Der Firmenchef, Matthias Krämer, war ebenfalls im Michelauer Rathaus bei der Pressekonferenz anwesend. Er nutzte die Gelegenheit, gegenüber "dem ganzen Stab" seine Dankbarkeit auszudrücken - und seine Erleichterung darüber, dass kein Todesfall zu beklagen war.

Am Abend teilte das Landratsamt in einer Presseerklärung mit, dass sowohl um den gesamten Brandherd und dessen weiteren Umfeld, als auch bei den Löschwassersammelstellen Luftmessungen durchgeführt, um eine Gefährdung der Bevölkerung ausschließen zu können. Die Beprobung des Löschwassers laufe noch. Im Gebäude der Firma Metob würden Gefahrenstoffmessungen durchgeführt. Hierzu habe man einen Gefahrengutzug von Infraserve-Hoechst aus Frankfurt angefordert, der am Donnerstagvormittag, 15. März, vor Ort eintreffen wird. Zudem sei die GSB (Gesellschaft für Sondermüll in Bayern) verständigt worden, um sich um den Abtransport des Löschwassers und der Chemikalien in der Firma zu kümmern.

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Kommentare

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  • community  kgb Diesen Post kommentierenkommentieren

    SchwefelsäureDie Wasser Analysen bringen jetzt licht ins dunkel

    Das Trinkwasser ist stark schwefelsäurehaltig !!!

    Deswegen ist auch der Brunnengespeert !

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  • community  Brunskunnl Diesen Post kommentierenkommentieren

    da gab es vor einiger Zeit doch die Bedenkenvon Ortsteilen, dass die Flachwasserbrunnen in Michelau bei derartigen Fällen in Gefahr sind. Stand hier auch im FT. So schnell kanns gehen.

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  • community  Brunskunnl Diesen Post kommentierenkommentieren

    so ein Ereignis lässt aufhorchenmit welchen Stoffen es da tagtäglich auch die Mitarbeiter zu tun haben, welche für den Jahresbonus eines Audi-Mitarbeiters ungefähr ein halbes Jahr arbeiten müssen.
    Während die großen Marken Rekordgewinne feiern bleiben unter deren Kostendruck bei den Zulieferern so manche Sicherheits- und Gesundheitsstandards auf der Strecke. Hoffentlich ist nicht auch die Brandursache dem enormen Kostendruck geschuldet.

    (1)

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