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Treffen

Flotti Lotti und der Kindstod

Lachen, bis der Arzt kommt: Wenn Klinikclowns in Schney zusammenkommen, kann es ganz schön ernst zugehen.
Zweimal eine Karin Esche: in zivil im Hintergrund und mit Clowns-Ich im Vordergrund Fotos: Markus Häggberg
 
von MARKUS HÄGGBERG
Deborah ist Kung-Fu-Lehrerin und Jantje Schauspielerin, Annette ist auch gegen Geld lustig und Karina war Opernsängerin. Klinikclowns haben interessante Biografien zu bieten. 71 solcher Clowns aus ganz Deutschland tagen noch bis Sonntag auf Schloss Schney. Geht es nach ihrem deutschlandweiten Dachverband, dann tun sie das in Zukunft öfter.
Mittwoch, 11.30 Uhr: Das Gros der Gäste, die zumeist in Krankenhäusern für ein Genesungslachen sorgen, trifft ein. Aus Bremen, Hamburg, Wiesbaden, Mannheim, Köln, Leipzig oder Potsdam reisten sie an, jetzt stehen sie an der Rezeption und suchen nach Orientierung. Die bekommen sie von Katrin Handgrödinger de Ruiz. Die bei Clowns für Kinder im Krankenhaus Deutschland e. V. organisierende und koordinierende Frau verteilt Gummibärchen, weiß, welcher Referent wo genau im weitläufigen Schulungshaus seine Vorträge halten wird. Es herrscht ein Hallo vor der Rezeption und auf jeden Fall gute Laune. Wohl kaum ein Außenstehender käme sofort auf die Idee, das Geschehen auch mit Begriffen wie "ethischer Kodex" oder einer Schweigepflicht in Verbindung zu bringen.


Selbsthygiene pflegen

Tatsächlich aber will das Clowneske erarbeitet und sittlich unterfüttert sein. Denn was man im Krankenzimmer hört, was die Ärzte zum Zustand eines aufzuheiternden Patienten vertraulich mitteilen, bleibt im Krankenzimmer, wird höchsten noch im Hinterstübchen mit nach Hause genommen. Flotti Lotti aus Leipzig kann dazu erzählen. Die Frau, die im bürgerlichen Leben Karina Esche heißt, weiß, dass man zu manchen Schicksalen auch Abstand gewinnen und so eine "Selbsthygiene pflegen" muss. "Indem ich weine", funktioniere das. Sie hat Kinder in Kliniken auch schon sterben erlebt und meint zu ihrer Tätigkeit doch: "Ich kriege unheimlich viel geschenkt, das ist mit Geld nicht aufzuwiegen." Einmal wurde sie, selbst Mutter dreier Kinder, von einem Kind unter der Bettdecke dazu ins Vertrauen gezogen, dass es "schon Englein sehen könne".


Lachen kann zumindest lindern

Die Leipzigerin, die ein Leben nach dem Tod nicht für unwahrscheinlich hält, bestärkte das Kind darin, das Erlebte so aufzufassen, als habe es gerade wie in einem spannenden Buch gelesen. Und in einem Hospiz stellte sie fest, dass Bewohner auch offen für ziemlich makabre Witze sind. "Lachen Sie mit mir, ich bin noch nicht tot", sagte ihr einst ein Mann. Nicht immer kann Lachen durch Clownerie zur Genesung beitragen. Aber vielleicht zur Linderung oder wenigstens zur Ablenkung. Also wenigstens mal lachen, bis der Arzt kommt.
Eine schauspielerische Ausbildung sollten Klinikclowns haben, erzählt Katrin Handgrödinger de Ruiz. Oder eine musikalische oder eine Clownsausbildung. Die Münchenerin Annette Schregle ist professioneller Clown, nach dem Fachabitur ausgebildet auf einer Mainzer Clownsschule. Ihre Einkünfte kommen von Krankenhausstationen und Bühnen. Beides sei schwerlich miteinander vergleichbar, erklärt die junge Frau. Am Hintergrund und Charakter eines Bühnenclowns muss mehr gearbeitet werden. "Wie tickt die Figur?", lautet die Frage. Der Klinikclown ist eher für den kurzen Gebrauch. Er kommt, sorgt im besten Fall für ein Lachen und geht. Aber er muss auch Rücksicht nehmen. Darauf, ob der Mitpatient im Zimmer auf die gleiche Erheiterung steht, darauf, ob er nicht doch wegen einer OP Ruhe braucht. "Besonders auf onkologischen Kinderkrebsstationen dauert die Übergabe (hierbei erklärt der Arzt dem Clown Zustand und Belastbarkeit des Patienten) sehr lange." Aber ist sie im Zimmer und wird sie vom Kranken empfangen, dann empfindet sie ihn "als Gastgeber". "Man ist stolz, wenn sie einen einlassen."


Was Clowns so alles können

An der Figur des Clowns zu arbeiten, wird Annette Schregle an diesem Wochenende in den Sinn kommen, dafür hat sie in Schney gebucht. Sechs Referenten zwischen Patagonien und Wien zeigen auf, was Clowns so alles können könnten. "Ich will zeigen, dass alle menschlichen Zustände ins Clownsspiel integriert werden können", sagt beispielsweise Referent Hubertus Zorrell aus Wien, Mitbetreiber eines Clownstheaters für Erwachsene. Der Clown, so eine Teilnehmerin dieses Wesen erklärend, ist lebensbejahend. Er scheitert immer und findet dadurch einen verspielten Ansatz zum Leben.
Taktvoll ging es am Eröffnungstag in Claudio Spielers Workshop zu. Aus Utrecht anreisend, studierte er einst klassisches Schlagzeug und ist Percussionist. Wie und mit welchen Körperteilen lassen sich Rhythmen erzeugen? Wie die Hände für hohes oder tiefes Klatschen formen? Der Mann, der Rhythmen im Blut hat, hat sich diese erarbeitet und erreist. Bei einem Guru in Afghanistan, in Indien, in Südamerika. Von koreanischen Einsichten bis zur indischen Rhythmussprache Konnakol, zu der es ein Silbenalphabet gibt, hat er tanzbares Wissen gespeichert.
Im Schulungssaal E1 stehen rund 30 Klinikclowns im Kreise und folgen seinen Anweisungen. Es raschelt, es ploppt, es klatscht, es schnippt, macht flap-flap oder sonstwie. Alles im Takt, alles dienlich, eines Tages Kranke zu erstaunen und zu erheitern. Das gefiel auch der einzigen Lichtenfelserin, Birgit Sauerschell. Einmal, als sie mit ihrer roten Nase im Zimmer eines kranken Kindes stand, nahm sie das Wort Untersuchung wörtlich und schenkte, unter dem Krankenbett etwas suchend, Ermunterung. Von der heilenden Wirksamkeit des Humors ist sie, die diplomierte Psychologin, absolut überzeugt.
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