LKR Lichtenfels
Kriminalstatistik

Es wird mehr hingelangt

Die Zahl der Körperverletzungsdelikte ist 2016 im Landkreis Lichtenfels deutlich gestiegen. Fast immer ist Alkohol im Spiel.
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Körperverletzungsdelikte haben im Landkreis Lichtenfels zugenommen Symbolbild: nito/fotolia.com
Körperverletzungsdelikte haben im Landkreis Lichtenfels zugenommen Symbolbild: nito/fotolia.com
Für Polizeirat Alexander Rothenbücher ist es das erste Mal, dass er die Kriminalstatistik aus seinem neuen Zuständigkeitsbereich präsentiert. Seit November leitet er die Inspektion in Lichtenfels. Die Aufklärungsquote von 74,1 Prozent liegt über dem oberfränkischen und dem bayerischen Durchschnitt, Diebstahlsdelikte, Rauschgiftdelikte, Wohnungseinbrüche - alles gesunken.
Nicht gesunken ist allerdings die Zahl der Straftaten insgesamt, und besonders Körperverletzungsdelikte sind im vergangenen Jahr deutlich angestiegen - um fast 25 Prozent auf 545. Woran das liegt, da kann auch der Polizeichef nur Vermutungen anstellen. Eine These lautet: Die Bereitschaft, einen Bekannten oder gar Angehörigen anzuzeigen, ist größer geworden. Die meisten der registrierten Fälle - 176 - ereigneten sich nämlich in Häusern oder Wohnungen, also im privaten Bereich. Manchmal werde die Polizei auch von aufmerksamen Nachbarn verständigt, merkt Rothenbücher an. 64-mal kam es in gastronomischen Betrieben zu Tätlichkeiten, 142-mal auf Straßen oder Plätzen, meist im Umfeld von Bars oder anderen Gaststätten. "Kaum ein Fall ist ohne Alkoholbezug", stellt Rothenbücher fest. In Asylbewerberunterkünften gerieten Menschen 19-mal so aneinander, dass jemand verletzt wurde. Die Straftaten durch sogenannte Zuwanderer machen einen Anteil an den Gesamtstraftaten von 5,3 Prozent aus und sind mit 142 Einzeldelikten (ohne Verstöße gegen das Aufenthaltsgesetz) nicht gravierend.

Noch einmal zu den Angriffen auf Leib und Leben: Es gab fünf Fälle des versuchten Totschlags im Landkreis im vergangenen Jahr, die alle aufgeklärt wurden. Bei den Körperverletzungen machten vorsätzliche "leichte" den größten Teil aus, 116 waren als gefährlich einzustufen und 21 als fahrlässig. Oft kennen sich Täter und Opfer oder das Umfeld kann Hinweise geben. Die Aufklärungsquote mit 93,4 Prozent ist dementsprechend hoch.
Der markante Anstieg dieser Delikte sei den Beamten vor Ort nicht in dem Maß aufgefallen, merkt Alexander Rothenbücher an. Würde man die Zahl der Körperverletzungsdelikte von 2016 mit der aus dem Jahr 2012 vergleichen, wäre der Anstieg auch kaum aufgefallen. In den Jahren dazwischen war aber eine stete Abnahme zu verzeichnen. Diese - ebensowenig erklärbar - führt letztlich dazu, dass sich der neuerliche Anstieg prozentual so hoch darstellt.


Ladendieb wird Internetbetrüger

Starke Zunahmen stellt die Polizei im Bereich der Waren- und Warenkreditbetrügereien im Internet fest. 219 Fälle flossen in die Statistik ein, 118 mehr als im Jahr davor. Diebstahlsdelikte gab es dagegen 113 weniger bei einer Gesamtzahl von 648. Der klassische Ladendieb wird also zum Internetbetrüger - vielleicht, weil die scheinbare Anonymität bei Online-Geschäften für manche die Hemmschwelle zum Betrug sinken lässt. So wie sie auch die Hemmschwelle zu Beleidigungen, Anfeindungen und Verleumdungen sinken lässt. Insgesamt hat die Cyberkriminalität zugenommen. Damit die Fahnder mithalten können, hat im März bei der Kripo Coburg ein spezielles Kommissariat für Computerkriminalität seine Arbeit aufgenommen.


Ausschlaggebend ist der Tatort

Was in die Statistik des Landkreises einfließt, richtet sich übrigens nach dem Tatort. Der Täter kann ein Durchreisender sein, wenn er im Landkreis Lichtenfels eine Straftat begeht, wird diese gezählt. Die Tat, die ein Landkreisbürger anderswo begeht, fließt nur in das dortige Zahlenwerk ein.
Wie sehr die Polizei auf aufmerksame Bürger angewiesen ist, zeigt die geringe Aufklärungsquote von 17 Prozent bei Sachbeschädigungen auf Straßen, Wegen und Plätzen. Oftmals wird der Schaden nicht umgehend festgestellt, sondern vielleicht am nächsten Morgen - wenn vielleicht ein Betrunkener nachts auf dem Heimweg gegen den geparkten Wagen gelaufen ist und den Spiegel abgebrochen hat - oder gar erst Tage später. Dann ist es gut, wenn sich jemand aus der Umgebung an eine auffällige Person oder Begebenheit erinnern kann. Auch Einbrechern kann durch aufmerksame Nachbarn das Handwerk gelegt werden.


Weniger Wohnungseinbrüche

Neunmal wurde vergangenes Jahr im Landkreis Lichtenfels in Wohnungen eingebrochen, sechsmal wurde der Versuch unternommen. Immerhin fünf Fälle konnten aufgeklärt werden. 2015 waren noch acht Wohnungseinbrüche und -versuche mehr registriert worden. Dass die Zahl der Einbrüche rückläufig ist, mag auch mit Präventivarbeit zusammenhängen. Kriminalpolizeiliche Beratungsstellen geben Tipps, wie die eigenen vier Wände vor ungebetenem Besuch geschützt werden können. Auf Wunsch kommen Beamte dazu sogar nach Hause, um sich die örtlichen Begebenheiten anzusehen. Bei Wohnungseinbrüchen ist vor allem die anschließende psychische Belastung der Geschädigten das Problem. Sie fühlen sich in ihrem privaten Bereich nicht mehr sicher. Wesentlich häufiger wird in unbewohnte Objekte, etwa Firmen und Geschäfte, eingebrochen.
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