Einweihung

Eine Heimstätte für Menschen mit Autismus

In Weismain gibt es jetzt Wohnheim, Förder- und Tagesstätte für Menschen mit Autismus. Der Erzbischof hat die Einrichtung eingeweiht.
Feierlich eingeweiht wird das Haus Benedikt von Regens Wagner in Weismain. Erbzbischof Ludwig Schick (Zweiter von links) zelebriert die Segnungsfeier, Schwester Antonia Stegmiller aus Dillingen (Sechste von Links), begrüßte Bewohner und Gäste. Alle Fotos: Stephan Stöckel
 
Eifrig steckt Martina Korczynski eine Niete nach der anderen auf ein Brett. "So sind sie bereits abgezählt und können fein säuberlich von dem Mitarbeiter verpackt werden", klärt Karolin Zankl, die Leiterin der Förderstätte auf. Korczynski ist eine von 18 Männern und Frauen, die im Haus Benedikt der Regens-Wagner-Einrichtung leben und arbeiten. Die Bewohner haben eines gemeinsam: Sie sind geistig behindert und leiden an Autismus. Am Freitag wurde eine 4,12 Millionen Euro teure Einrichtung in der Schlesierstraße, die aus einem Wohnheim, einer Förderstätte und einer Tagesstätte für Menschen mit Autismus besteht, im Beisein von Erzbischof Ludwig Schick feierlich eingeweiht.

Struktur im Alltag


Der Gesamtleiterin von Regens Wagner Burgkunstadt, Sabine Schubert, war die Erleichterung über die Fertigstellung des Hauses anzumerken: "Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Die Bewohner fühlen sich wohl, das Konzept, das ihnen klare Strukturen vermittelt, überzeugt."
Wie sieht dieses Konzept in der Praxis aus? In den Einrichtungen wird mit einem Verfahren gearbeitet, das für ein strukturiertes und visualisiertes Leben der Behinderten sorgt. Bilder werden dabei für die Bewohner zum Wegweiser durch den Ablauf eines Tages. Heilerziehungspflegerin Sonja Fetzer zeigt einen Tagesablaufplan. Darauf befindet sich für den 6. Juli, dem Tag der Einweihung, ein Gottesdienstkärtchen. Es signalisiert den Bewohnern, dass sie heute nicht arbeiten müssen. Stattdessen ist Feiern angesagt.
Gebannt verfolgen sie und die zahlreichen Ehrengäste, die sich auf dem Außengelände der Einrichtung eingefunden haben, die Segnungsfeier, die vom Erzbischof zelebriert wird. Er nutzt die Gelegenheit zu einem klaren Plädoyer für "Inklusion, Gemeinschaft und Solidarität". Er, der nach eigener Aussage bereits als Schüler ehrenamtlich mit Behinderten gearbeitet hat, zeigt sich beunruhigt über die neuen Bluttests, die anzeigen, ob ein Kind mit Down-Syndrom zur Welt kommt. Für Schick sind Menschen mit Behinderung eine Gabe: Jede Gesellschaft, die das nicht wahrhaben wolle, ist für ihn unmenschlich.

Blumen für Maria Bauer


Bei einem Gang durch das Wohnheim segnet er die einzelnen Räume. Schubert überreicht Maria Bauer, der früheren Leiterin von Regens Wagner, die 2006 die Idee zu dem Wohnheim in Weismain hatte, einen Blumenstrauß.
Stellvertretender Landrat Helmut Fischer (CSU) würdigt die Bedeutung von Regens Wagner und anderer sozialer Einrichtungen im Landkreis als Arbeitgeber, während sich MdL Christa Steiger (SPD) darüber freut, dass sich der Lebensraum und die Lebenswelt der behinderten Mitbürger weiterentwickelten. "Ihr seid in Weismain immer willkommen", begrüßt stellvertretende Bürgermeisterin Gabriele Huber die Heimbewohner.
Architekt Friedrich Haindl überreicht Schubert symbolisch einen Schlüssel. Bei der Wahl des Grundstückes, das rund einen Kilometer östlich vom Stadtkern in einem Wohngebiet liegt und früher der Brauerfamilie Püls gehört hatte, habe der Faktor Normalität eine Rolle gespielt. Das Grundstück ist Ruhepol und Ausgangspunkt zur Teilhaben am Leben in der Gesellschaft. Bei einem Rundgang durch das Gebäude erfahren die Besucher dann viel Wissenswertes über die Einrichtung. stö






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