Region // Lichtenfels
"Die Kuh entscheidet selbst"
Der Bauernverband geht neue Wege: Eine große Imagekampagne soll jetzt das Bild des Landwirtes in der Öffentlichkeit verbessern. Wir sprachen mit Hans Rebelein über Ziele, Perspektiven und die erhoffte Wirkung.
Landwirtschaft ist alles andere als alte Wagenräder und Holzpflüge. Dieses nostalgische Bild will der Bayerische Bauernverband (BBV) nun mit einer Imagekampagne erneuern. Wir sprachen mit dem Geschäftsführer des Bauernverbandes Coburg und Lichtenfels, Hans Rebelein, über die Umsetzung der Kampagne, Nachwuchs-Landwirte und selbstbestimmte Kühe.
FT: Wie wird das Berufsbild Landwirt derzeit in der Öffentlichkeit wahrgenommen?
Hans Rebelein: Es hat vor nicht allzu langer Zeit Umfragen zur Wertschätzung von Berufen in der Öffentlichkeit gegeben, da schafften es die Landwirte auf den dritten Platz. Man kann also sagen, es ist ein sehr positives Bild. Das glauben die Landwirte zwar oft selbst nicht, aber es ist tatsächlich so. Ich denke das liegt daran, dass viele Leute ihren regionalen Bauern vertrauen. Das sieht man schon daran, dass regionale Produkte beliebter sind als Bio-Produkte. Die Menschen trauen den Landwirten in ihrer Umgebung, in der Region einfach zu, dass sie bestmögliche Qualität liefern.
Wenn das Bild schon so positiv ist, weshalb dann eine Imagekampagne?
Es gibt nichts, was man nicht noch verbessern könnte. Wir möchten vor allem das Moderne der Landwirtschaft herausstellen, denn oft wird nur das Nostalgische gesehen. Doch früher war eben nicht alles besser. Heute wäre es beispielsweise gar nicht mehr zulässig, Tiere so zu halten wie noch vor 50 oder 80 Jahren. Es gab keine Fenster in den Ställen und die Decken waren niedrig. Nach heutigen Standards haben die Tiere Luft und Licht und können sich so weit wie möglich frei bewegen.
Was spielt neben neuen Haltungsformen noch eine Rolle bei der modernen Landwirtschaft?
Zwei weitere, große Punkte bei der Viehhaltung sind die Fütterung und die Melktechniken. Das Futter können wir heute gezielt dem Bedarf des Tieres anpassen. Wir wissen, welche Mineralstoffe und Vitamine es braucht. Außerdem haben wir durch neue Techniken eine hochwertige Silage, die besser für die Tiere geeignet ist. Und nur eine gesunde Kuh ist auch eine leistungfähige Kuh.
Die Melktechniken entsprechen modernen Hygienestandards - denn darauf wird heute viel Wert gelegt. Das sind Welten im Vergleich zu früher. Wenn man die Milch wie damals produzieren würde, dürfte man sie sicher nicht verkaufen. Auch beim Melkvorgang selbst hilft moderne Technik. Heute übernehmen Melkroboter die Arbeit, die vorher von Hand erledigt werden musste. Das ist vor allem der Größe der Betriebe geschuldet.
Ist das nicht unangenehm für die Kühe?
Nein. Zwar müssen sie sich erst daran gewöhnen, aber nach einer Zeit gehen sie sogar freiwillig hinein. Der Vorteil für die Kuh ist: Sie entscheidet selbst, wann sie gemolken wird.
Zurück zur Kampagne: Wie wird sie umgesetzt?
Wir bieten Werbespots im Internet an. Unser Motto lautet "Landwirtschaft von heute für morgen". Außerdem wird es eine große Plakataktion in ganz Bayern geben. Eine gesonderte Informationsveranstaltung oder dergleichen wird es aber nicht geben.
Welche Wirkung erhoffen Sie sich?
Das wir es von der Wertschätzung von Platz 3 auf Platz 1 schaffen. Natürlich ist das ein hohes Ziel, aber es muss unser Anspruch sein. Wichtig ist jetzt vor allem, dass uns unsere rund 10 000 Ehrenamtlichen unterstützen. Dann kann die Kampagne trotz der geringen Mittel ein voller Erfolg werden.
Wir müssen natürlich auch zusehen, dass wir die jungen Leute an den Beruf binden. Allein im Landkreis Lichtenfels brauchen wir jährlich mindestens 15 Hofnachfolger, die man nicht immer so leicht findet. Meistens sind es noch Familienbetriebe, doch in jüngster Zeit gibt es auch immer mehr Quereinsteiger. An der Berufsschule ist es zum Teil schon ein Drittel - viel mehr als noch vor wenigen Jahren. Aber die bleiben natürlich nicht alle in der Landwirtschaft.
Von wem stammt das Konzept?
Wir haben kein Medienbüro beauftragt, da das mit hohen Kosten verbunden wäre. Stattdessen haben Mitarbeiter des Bauernverbandes das ganze ausgetüftelt. Bis zum Ende des Jahres können die Menschen die Ergebnisse ja dann überall bestaunen.
















