Umwelt

Bad Staffelstein im Kampf gegen das Hochwasser

Die Deichsanierung in Wiesen ist beschlossen. Der Zeitplan für die Rückhaltebecken steht auch.
Der Hochwasserdamm bei Wiesen entspricht nicht mehr den Anforderungen. Die Stadt beschloss nun die Sanierung inklusive Errichtung einer Spundwand. Foto: Mario Deller
 
von MARIO DELLER
Hochwasserschutz war das zentrale Thema für das Stadtgebiet, das in der jüngsten Stadtratssitzung behandelt wurde. Um wichtige und wegweisende Projekte umzusetzen oder per Beschluss die Voraussetzungen dafür zu schaffen, gab der Stadtrat in seiner fast dreistündigen, aber stets sachlich und konstruktiv verlaufenden Sitzung richtig Vollgas.

Der derzeitige Damm bei Wiesen böte keinen Schutz vor einem sogenannten Hundertjährigen Hochwasser. Er erfüllt nicht die Kriterien des Standards HQ100.

Als Grundlage für die Entscheidung pro oder contra Deichsanierung in Wiesen nannten Matthias Trau und Richard Lieb vom Wasserwirtschaftsamt Kronach die bestehenden Defizite beim Namen. Beim Pferdegehöft etwa ist der Damm bis zu 70 Zentimeter zu niedrig im Falle eines Hundertjährigen Hochwassers.


Kein Zugang für Helfer

Außerdem fehle dem bestehenden Hochwasserschutz bei Wiesen ein durchgehender Deichhinterweg, damit Einsatzfahrzeuge das Areal im Notfall gut erreichen können. Im Übrigen ist der Deich auch nicht überströmungssicher.

Die Gesamtkosten der von den Vertretern erläuterten Maßnahme beliefen sich inklusive Grunderwerb und Ingenieurleistungen auf rund 870 000 Euro. Darin inbegriffen wäre auch der Bau einer den Damm sichernden und verstärkenden Spundwand. Die Stadt hätte sich an der sogenannten Erhöhung des Schutzgrads hälftig zu beteiligen, müsste demnach letztlich 100 000 Euro tragen.

"Das ist eine einmalige Chance für Wiesen", befürwortete Bürgermeister Kohmann das Projekt genauso wie Hans Bramann (Freie Wähler), der seit 45 Jahren in Wiesen wohnt. Einstimmig votierte das Gremium dann für die Deichsanierung.

Die Realisierung der Maßnahme steht unter dem Vorbehalt der haushaltsrechtlichen Genehmigung durch den Freistaat Bayern sowie der wasserrechtlichen Genehmigung. Sollte alles klappen, sei ein Bauabschluss bis Ende 2017 möglich, sagte Richard Lieb.


Schritt für Schritt

Überhaupt nahmen sich die Stadtvertreter an diesem Abend ausgiebig des Themas Hochwasserschutz an. Zum einen berichteten die Vertreter über die endgültigen Kosten des 2011 fertiggestellten Hochwasser-Bauabschnitts 12, der für die Stadt mit einem Kostenanteil von rund 3,8 Millionen Euro bei einer Gesamtinvestitionssumme von 11,6 Millionen Euro zu Buche schlägt.

Sobald der Innerortsausbau fertig ist, ist der Grundschutz gewährleistet, also die Absicherung bei einem Hochwasser, das statistisch alle 20 Jahre eintritt. Um im Stadtgebiet gegen ein Hundertjähriges Hochwasser gewappnet zu sei, ist nun die Errichtung eines geeigneten Rückhaltebeckens vorgesehen.

Im November vergangenen Jahres hatte der Stadtrat per Beschluss die Maßnahme auf den Weg gebracht, was eine Beteiligung von 35 Prozent an den Kosten bedeutet. Nun erläuterten die Vertreter des Wasserwirtschaftsamts die einzelnen Schritte zur Realisierung des Hochwasserrückhalts.

Auf einer an Lauterbach, Döberten und Döritz geplanten Vermessung basierend wird ein digitales Geländemodell erstellt, anschließend ein Niederschlagsabflussmodell entwickelt. Die Erkenntnisse bilden die Grundlage für mögliche Standorte, unter denen sich dann der Stadtrat für einen entscheiden muss.


Entscheidung in einem Jahr

Die Festlegung derjenigen Variante, die ausgeführt wird, ist für Oktober 2017 veranschlagt, die Vergabe der Planungsleistungen für April 2018. Das Planfeststellungsverfahren könne wohl frühestens 2019 beginnen.
"Da muss man aber schon dranbleiben, um das zu erreichen", unterstrich Lieb. Der 35-prozentige Kostenanteil der Stadt an Ingenieurleistungen (400 000 Euro) und Bauleistungen (rund sechs Millionen Euro) beläuft sich auf 2,24 Millionen Euro. Angesichts der langen Dauer des Verfahrens sei dies aber nur eine grobe Schätzung, betonten die Fachleute, die im Übrigen darauf hinwiesen, dass die Maßnahme wohl relativ hoch in der Prioritätenliste der Regierung angesiedelt sei.

Zum Thema Hochwasserschutz ergänzte Bürgermeister Kohmann, im Bereich Hirtengraben in Nedensdorf wurde das Ingenieurbüro nun beauftragt, das wasserrechtliche Verfahren einzuleiten.
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