Lichtenfels
Gericht

76-jähriger Coburger onaniert vor Kindern: "Ich will mich am liebsten wegbeamen"

Der 76-Jährige soll sich mehrmals vor Kinder entblößt haben, er wurde wegen sexuellen Missbrauchs und exhibitionistischen Verhaltens angeklagt.
Artikel einbetten Artikel drucken
Der 76-Jährige soll sich mehrmals vor Kinder entblößt haben, er wurde wegen sexuellen Missbrauchs und exhibitionistischen Verhaltens angeklagt. Symbolbild: Tobias Kindermann
Der 76-Jährige soll sich mehrmals vor Kinder entblößt haben, er wurde wegen sexuellen Missbrauchs und exhibitionistischen Verhaltens angeklagt. Symbolbild: Tobias Kindermann
"Ich will mich am liebsten wegbeamen, möchte nicht mehr leben", so ein 76-jähriger Mann vor Gericht in einem Moment formulierter Reue. Doch war sie echt? Richter Stefan Jäger und Staatsanwältin Franziska Winkler gaben am Dienstag während der Verhandlung mehrmals zu verstehen, dass sie sich nicht sicher waren, wie sie den wegen sexuellem Missbrauch und exhibitionistischem Verhalten angeklagten Senior einschätzen sollten.

An sich wirkte der angeklagte Mann beladen - schwer sehbehindert und ein Geheimnis hütend, von dem seine Frau nichts wissen sollte. Dass er den Dienstag im Amtsgericht auf der Anklagebank zubrachte, suchte der Coburger eigenen Worten zufolge vor ihr zu verheimlichen. Doch eigenen Worten zufolge begreife er selbst auch nicht, was ihn zu mehreren Zeitpunkten zwischen April und Juni 2017 am Bahnhof von Bad Staffelstein geritten habe.


"Empfunden habe ich dabei nichts"


Fünfmal, so die Anklageschrift, soll er sich vor Schulkindern sein Glied aus der Hose geholt haben, mitunter masturbierend. "Ich bin zutiefst beschämt und zutiefst getroffen", kommentierte der Mann die Anklage und beteuerte, "nichts Böses im Schilde gehabt" zu haben. Doch wie immer er auch sein Tun zu erklären versuchte, es geriet immer an einen toten Punkt. "Ich bin nicht in dem Bewusstsein da hingegangen, um (dabei) gesehen zu werden", so der Beschuldigte. Und weiter, auf möglichen Lustgewinn eingehend: "Empfunden habe ich dabei nichts, funktionieren tut nichts - ich bin 76, nicht 36."

Doch was genau war es, was den Senior dazu brachte, sich so merkwürdig zu benehmen? Diese Frage wurde gestellt, eine Antwort, die das Eingeständnis einer Neigung beinhaltete, kam nicht. Dafür das volle Geständnis, sich wirklich entblößt zu haben. Mit diesem Entgegenkommen wollte der Beschuldigte auch eine Beweisaufnahme abwenden, bei denen Augenzeugen des Geschehens, in diesem Falle vornehmlich Kinder, hätten aussagen müssen. "Ne, das machen wir nicht. Das möchte ich ihnen ersparen", versicherte der Beschuldigte kurz nach Prozesseröffnung resolut.


Opfer müssen nicht aussagen


Kinder sollten dann tatsächlich nicht aussagen, jedoch eine Polizeibeamtin, bei denen diese Kinder wiederum einstmals Angaben zum Geschehen gemacht hatten. "Die Mutter von einem Kind erstattete (...) eine Anzeige, weil ihre Tochter Opfer von einem Exhibitionisten geworden ist - mehrfach", sagte die Beamtin sich erinnernd.

Was so ins Rollen kam, waren auch die Schilderungen von Kindern darüber, wie oft so etwas passiert sei. Einmal, im Oktober, habe ein Kind eine ihm widerwärtige Szene am Bahnhof beobachtet und die 110 gewählt. Eintreffende Streifen aus Lichtenfels und Bad Staffelstein konnten den Rentner dadurch zeitnah am Bahnhof festnehmen. "Wieso gerade vor Kindern?", suchte Richter Jäger zu ergründen, indem er den Angeschuldigten direkt darauf ansprach. Doch abermals erhielt er vom Angeklagten die Aussage, wonach sich dieser selbst nicht verstünde. "Was mich ein bisschen beunruhigt, ist, dass es vier, fünf Fälle gewesen sind", betonte Jäger sein Befremden und fand darin in Staatsanwältin Winkler eine Gleichgesinnte.

"Richtig schwer tue ich mich in der Strafzumessung", sollte sie in ihrem Plädoyer zudem anmerken. Eigentlich nämlich begänne der Haftrahmen für derlei ab drei Monaten. Eben weil nicht von einem Kavaliersdelikt gesprochen werden könne. Aber in Anbetracht der Gesamtumstände wie das schlechte Sehen müsse man den Strafrahmen wohl in Richtung Geldstrafe verlassen: 4800 Euro. Das Urteil gegen den 76-Jährigen, der bislang noch kaum Eintrag in seinem Führungszeugnis hatte, sollte auf Höhe von 3600 Euro ergehen. Das Urteil wird er vor seiner schwerkranken Frau zu hüten haben, so der Mann. Auf den Bahnhof nach Bad Staffelstein wolle er zudem auch nicht mehr gehen.
Verwandte Artikel
Noch keine Kommentare

Für diesen Artikel wurde die Kommentarfunktion deaktiviert.