Wannbach findet keine Nachtruhe!

 
von griningers (Leserbeitrag)

Leserbeitrag: Wannbach findet keine Nachtruhe
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von Grininger Peter Wannbach 195 91362 Pretzfeld

Dieser Leserbeitrag wurde von mir per E-Mail/Briefeinwurf an den evangelischen Kirchenrat Wannbach geschickt, schon mit der Absicht der Öffentlichkeit gezeigt zu werden.
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An Hr. Haag und den Kirchenrat in Wannbach
Hr. Haag: Evangelischer Pfarrer für Wannbach;
Kirchenrat: Bernd Richter, Katrin Wölfel, Hermann Grünsteudel, Hannelore Sickmann, Jürgen Dietsch, Roswitha Grodd
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Ich hatte bei Hr. Haag und beim evangelischen Kirchenrat Wannbach Schutz gesucht, Schutz meiner Nachtruhe.
Eigentlich wollte ich generell den Schalldruck durch die Kirchenglocken gemindert haben.
Deshalb habe ich im Gespräch mit Hr. Haag auch um Schalldämmung, die ich bezahlen würde, in meine Richtung und um Nachtruhe gebeten.
Auf die Schalldämmung wurde leider gar nicht mehr eingegangen.
Es wurde dann eine Probe-Nachtruhe für April/Mai/Juni/Juli entschieden, dafür bedanke ich mich.
Ich durfte erleben wie schön es nachts in Wannbach sein könnte, welche wunderbare Nachtruhe, so etwas natürliches und reines.
In dieser Zeit der Nachtruhe, seit Anfang April bis heute, konnte ich wieder menschenwürdig schlafen.
Ohne (immer mehr schmerzende) Gehörstöpsel und bei dieser Hitze sogar mit offenem Fenster.
Der Kirchenrat hat jetzt entschieden, dass ab dem 1. August zwischen 22:00 Uhr und 06:00 Uhr die Glocken wieder schlagen - keine Nachtruhe mehr.
Stimmt nicht ganz, Frau Wölfel hatte für Nachtruhe gestimmt. Ich bedanke mich dafür bei ihr.
Ich erwarte, dass jeder vom Kirchenrat seine Entscheidung begründet.
Damit ich nicht in Vergessenheit gerade werde ich von Zeit zu Zeit die öffentlichen Kirchenratsitzungen besuchen.
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H.Haag hat in seiner Mail an mich eine Zusammenfassung erstellt, dessen was bewertet wurde und zur Endscheidungsfindung geführt hat.
Ich kopiere hier aus der Mail :

Die Gründe, warum das Gremium mehrheitlich so beschlossen hat kann ich Ihnen auch nennen, es waren doch viele Menschen, die das Fehlen des nächtlichen Glockenschlags bemerkt und vermisst haben, die sind auch deutlich vernehmbar auf Mitglieder des Kirchenvorstandes zugegangen und haben sich beschwert, dass die Glocken nicht mehr schlagen.
Einzelne Stimmen haben es so begründet: wenn ich nicht schlafen kann oder nicht schlafen zu können meine, dann höre ich auf die Glocken und - oh Wunder - oft merke ich dann, ich habe doch 90 Minuten geschlafen, weil es schon so spät ist, wie der Glockenschlag sagt.
Andere haben begründet - gut oberfränkisch: Die Glocken haben schon immer geschlagen, das ist halt mal so, ich habe mich daran gewöhnt und ich liebe es, das gehört zu meinem Dorf dazu.
Und wieder andere haben etwas aggressiv-defensiv argumentiert: Wir können doch nicht unsere Tradition wegen eines Menschen aufgeben, wo kommen wir denn da hin, dann kommt der nächste und stört sich am Läuten Sonntags zum Gottesdienst um 8:45 Uhr und der Nächste, der stört sich am 12 Uhr-Läuten, nein, da darf die Kirche nicht nachgeben, sonst darf sie am Ende gar nicht mehr Läuten.
Wohlgemerkt, das waren die Meinungen und Argumentationslinien, die Mitgliedern des Kirchenvorstands nahegebracht wurden.
Ich weiß und schätze, dass Sie in Ihrer Argumentation persönlich Ihr Empfinden und Leiden unter dem Glockenschlag in der Nacht mir und anderen nachvollziehbar gemacht haben. Das wurde auch in der Sitzung so ausgesprochen und gewürdigt.
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Hier die Sicht von meiner Seite aus gesehen:

Ich habe 1990 in Wannbach ein Haus gebaut und sah auch die Kirche. Ich sah, dass auch andere Menschen hier leben können und war der Meinung, dass kann ich auch. Jahrzehntelange Versuche mich an den Glockenschalldruck in Wannbach zu gewöhnen, dann zu erdulden und zu ertragen hat nicht funktioniert.Ich musste lernen, dass alle Menschen zwar gleich viel wert sind, aber das nicht alle Menschen gleich sind und das sollte man respektieren. Man sollte auch respektieren, dass sie nicht gleich werden können, auch wenn sie es noch so sehr möchten.Es gibt eben kleine und große Menschen und es gibt Menschen wie mich, die nicht so leicht einschlafen können bzw. nicht so tief schlafen und auch auf diese sollte Rücksicht genommen werden.

So ziemlich alles was man für Lärmdämmung bezahlbar tun kann habe ich mittlerweile gemacht. Schlafen ist für mich seit vielen Jahren in Wannbach nur möglich mit Gehörstöpseln und Fenster geschlossen. Ich hatte viele Versuche mit den verschiedensten Gehörstöpseln, aber ich vertrage diese immer schlechter und das wurde und ist eine Quälerei für mich, unter der ich immer mehr leide.

Wie ich Hr. Haag auch schon geschrieben hatte ist es ein Unterschied, ob man die Glocken von weiter weg hört, man von einem Gebäude oder von einer Kirchturmecke abgeschirmt wird, oder ob man wie ich - und andere - voll und ungeschützt, nahe und direkt im Schalltrichter lebt und schläft, sodass jeder Glocken-Schlag – eben auch nachts – zwangsweise meine Aufmerksamkeit auf sich zieht.

Ich beschreibe es hier ausführlicher, damit auch für Außenstehende das Thema aufgezeigt wird. In Wannbach wird mein ganzes Leben -Tag und Nacht - von Glocken-Stundenschlägen dominiert. Stundenschlag bedeutet alle 15-Minuten - Tag und Nacht - 1x / 2x / 3x / 4x und zur vollen Stunde noch die Anzahl der Stunde extra hinterher. Um 12:00 Uhr nachts bedeutet das 16x Glockenschlagen mit abklingenden Nachhall im Abstand von ca.3 Sekunden (4x die eine Glocke + 12x die andere Glocke), die erste Glocken steht der zweiten im Schalldruck nicht viel nach.

Und dass in der heutigen Zeit, wo Gottseitdank eigentlich auf alles Rücksicht genommen wird, was Schutz braucht, wo auf Menschen, Tiere, Hautfarbe , Herkunft, Glaube, Größe, Geschlecht , Nichtraucher, Behinderungen, usw. usw. dankenswerter Weise Rücksicht genommen wird. Es sind aber immer die Schwachen und die welche leiden, auf die Rücksicht genommen wird, die geschützt werden, so ist es auch richtig.

Wenn wir wegziehen würden, wäre das zwar eine Möglichkeit zu diesem Thema, doch ich habe immer noch die Hoffnung, dass sich eine andere Lösung ergibt.

Das es auch anders als in Wannbach geht, sieht man z.B. in Wichsenstein und in Gößweinstein. Dort waren die Meinungen zur Nachtruhe auch nicht alle gleich, aber dort hat man die Tradition des Brauchtums Glockenschlagen und Glockenläuten stark eingeschränkt. Man hat Läutzeiten verschoben und eine komplette Nachtruhe ist entschieden worden. Ohne auf sein Recht zu pochen oder auf Brauchtum und Liebe zu Glocken in der Nacht zu verweisen.

Glocken gibt es schon immer, der Brauchtum Stundenschlagen ist neu. Erst seit es den Elektromotor gibt. Seit der Nutzung von Elektrizität und der Erfindung der Motorkraft ergab sich die Möglichkeit die Glocken in jeder Form ausgiebigst zu gebrauchen, wie hier in Wannbach. In dieser ersten Zeit der 100 Jahre seit es Motorkraft gibt, war es bestimmt für die Bevölkerung nützlich, dass sie die Uhrzeit kostenlos und großflächig mitgeteilt bekommen haben. In dieser Zeit hatte es sich als Brauchtum entwickelt. Da man davon ausgehen darf dass jetzt jeder Uhren und Wecker besitzt ist dieses Art der Zeitangabe nicht mehr erforderlich.

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Die Internetseiten der Kirchengemeinde Wannbach sind vorbildlich und wer sie noch nicht gelesen hat, dem empfehle ich es sehr. Und der Aushang im Glaskasten bei der Kirche in Wannbach ist ebenso empfehlenswert zu lesen. Ich steige seit 27 Jahren jeden Arbeitstag dort bei der Kirche aus dem Bus und lese regelmäßig die aktuellen Aushänge im Glaskasten. Dort ist überzeugend und glaubhaft geschrieben „Gottes Worte mehr zu achten wie die der Menschen“, von Nächstenliebe, von Barmherzigkeit, usw. usw. Die Glocken oben im Turm und unten die Aushänge im Glaskasten. Es passte zusammen, die Aushänge zeigten mir den Weg wie mir geholfen werden könnte. Das gab bei mir letztlich den Anstoß, dass ich mich Hr. Haag und dem Kirchenrat anvertraut hatte. Dass der Kirchenrat jetzt doch wieder gegen Nachtruhe entschieden hat, brachte mich wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Aus mit den Träumereien. Und dass nicht das geringste Entgegenkommen gezeigt wurde, hat mir gezeigt, wie weit weg von der Realität ich mit meiner Einschätzung bin. Darauf war ich nicht vorbereitet. Ich bin tief berührt und überwältig von den vielen Glockenliebhabern in Wannbach und ihrem sosehr tiefverwurzelten Heimat-und Brauchtumssinn. Dass es dann sogar noch ohne jede Ausnahme auch in der Nacht sein muss, was soll ich da in die Waagschale legen können was das alles ausgleicht.

Vor verhungern, verdursten, erfrieren zu schützen ist heutzutage nicht mehr so oft eine Gelegenheit bei uns, eine christliche Tat zu tun. Diese Grundbedürfnisse sind hier bei uns in Deutschland für alle ganz selbstverständlich zu bekommen und abgedeckt. Auch das Grundbedürfnis schlafen ist für die meisten hier bei uns in Deutschland ganz selbstverständlich zu bekommen, wenn man müde ist, legt man sich ins Bett und schläft. Ich habe auch ein Bett und wenn ich müde bin lege ich mich hinein. Und ich könnte schlafen, wenn da nicht die extremen Stundenschläge wären. Glauben und Beten sind Angelegenheiten der Stille und der Besonnenheit. Das Geschenk der Ruhe wäre eine zeitgemäße christliche Tat. Für eine gute Tat ist es nie zu spät.
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Es ist die Situation wie bei einem Schiffsbrüchigen auf seinem Rettungsfloss im weiten Meer. Er sieht am Horizont ein Kreuzfahrtschiff und bekommt Hoffnung auf Rettung. Er zündet sein Rettungsfeuerchen an und versucht auf sich aufmerksam zu machen, aber er wird nicht gesehen und das Schiff ist fast wieder hinter dem Horizont verschwunden. Nun tut er alles um sein Feuerchen besser qualmen zu lassen und hofft dass er noch eine Chance hat gerettet zu werden.
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Jetzt bringe ich das Thema in die Öffentlichkeit.

Ob das was ändern wird weiß ich nicht, aber ich denke es wird mir helfen, diese Situation besser zu erdulden - zu erleiden, zu ertragen. Ist es so viel verlangt wenn man menschenwürdig schlafen will?

Ich wünsche allen Zufriedenheit, Glück, und Ruhe
Peter Grininger


Von Grininger Peter, Wannbach 195 91362 Pretzfeld



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