„Wie ticken Jugendliche?“ Peter Martin Thomas referiert über Lebenswelten von Jugendlichen

 
von Innovative_Sozialarbeit (Leserbeitrag)

In der voll besetzten Turnhalle des Bamberger Jugendzentrums hielt der renommierte Diplompädagoge Peter Martin Thomas einen Vortrag mit dem Titel „Wie ticken Jugendliche?“ Eingeladen dazu hatte der Jugendhilfeträger iSo – Innovative Sozialarbeit. Die interessierte Zuhörerschaft erfuhr viel Wissenswertes über die soziokulturelle Verfassung der jungen Generation zwischen 14 und 17 Jahren in Deutschland. Dabei zog Thomas das Publikum mit gleichermaßen unterhaltsamen wie fundierten Ausführungen in seinen Bann. Immer dabei: ein positiver und sympathischer Blickwinkel auf die ganz unterschiedlichen Jugendgruppierungen.

Egal ob Sozialpädagoge, Lehrer, Ausbilder oder „einfach“ Eltern – die zahlreich erschienenen Gäste im Bamberger Jugendzentrum haben seit dem Fachvortrag vom Donnerstag, 9. März, auf jeden Fall eine andere Sichtweise auf „ihre Sprösslinge“ und die Jugend allgemein. Der Co-Autor der Sinus-Jugendstudien 2012 und 2016, Peter Martin Thomas, hat der Zuhörerschaft in einem sehr kundigen, gleichzeitig aber auch kurzweiligen Vortrag vor Augen geführt, was die Jugend hier in Deutschland für Ziele hat, welche Ideale sie leitet, wie sie sich definiert und wohin sie geht.

Die Ressource ‚Jugend‘
Dabei machte Thomas klar, dass die Jugend Deutschlands wichtigste Ressource darstellt. Insofern kann man ihr gar nicht genug Bedeutung schenken. Die Sinus-Jugendstudie vom letzten Jahr fasst alle wichtigen Aspekte zu diesem Thema deshalb gebündelt zusammen. Bei dieser handelt es um eine qualitative, offene und alltagsnahe Untersuchung der hiesigen Jugend und Jugendkultur, nicht um problemzentrierte Blickwinkel. Die sympathische Art des Redners und sein einnehmender Vortragsstil ließen schon von Beginn an keinen Zweifel: Egal, welche Gruppierung er gerade vorstellte, immer wohnen dieser positive Aspekte inne.

Jugendliche bringen etwas unsere Gesellschaft ein, auch wenn das manchmal von der Öffentlichkeit nicht wahrgenommen wird. Darum ist es wichtig, den Blick aus der Perspektive der Jugendlichen selbst und aus dem Kontext der Zeit heraus zu sehen. Denn viele Werte und Anschauungen haben sich in den vergangenen Jahren – beispielsweise seit der Jugendzeit des Referenten, der in den Siebzigern und Achtzigern aufwuchs – bis jetzt erheblich verändert. Insofern ist der Hintergrund, dass „die Jugendlichen in einer Welt aufwachsen, die nicht ganz berechenbar ist“, so Thomas, etwas Grundlegendes hinsichtlich des Verständnisses, wie die Jugend tickt. Das Erstaunliche: Weil unsere Welt so schnell veränderlich und damit auch unsicher geworden ist, haben viele Jugendliche heutzutage eine große Sehnsucht nach Harmonie und Sicherheit. Mehr Bildung und der positive Wandel weg von hierarchischen Strukturen in Elternhaus und Schule tragen außerdem dazu bei, dass es derzeit viel leichter ist, angepasst und normal zu sein und auch sein zu dürfen. „Deswegen sind die Jugendlichen aber nicht unkritischer oder unpolitischer“, stellt Thomas klar.

Verschiedene Lebenswelt-Modelle

Thomas unterscheidet sieben unterschiedliche Jugend-Gruppen. Da gibt es, um drei Sparten herauszugreifen, die Konservativ-Bürgerlichen, die familien- und heimatorientierte Bodenständigkeit mit Traditionsbewusstsein und Verantwortungsethik koppeln oder die sogenannten Expeditiven, die erfolgs- und lifestyleorientierte Networker sind, immer auf der Suche nach neuen Grenzen und unkonventionellen Erfahrungen. Die größte Gruppe dazwischen bilden die Adaptiv-Pragmatischen, der leistungs- und familienorientierte moderne Mainstream mit hoher Anpassungsbereitschaft.

Ein anschaulicher Vortrag mit viel Resonanz

Thomas, der sich zu Recht auf seiner eigenen Homepage Redner und Zuhörer nennt, gliedert seinen Vortrag wohltuend strukturiert und verständlich. Nach einer allgemeinen Beschreibung der Werte, die die einzelnen Welten teilen, lässt er die Jugendlichen selbst über ihre Werte und Zukunftswünsche mittels Aufnahmen sprechen. Der Zuschauer darf einen virtuellen Blick in die Jugendzimmer werfen. Viel Anklang fand der darauffolgende Musikzusammenschnitt. So ging ein Raunen durch die Reihen der Zuhörer, dass zum Beispiel die konservativ-bürgerlichen Jugendlichen eher Schlager favorisieren. Manch einer im Publikum entdeckte auch Songs, die er bereits in seiner Jugend gehört hatte und die Jugendliche scheinbar immer noch mögen. Kulturelle Orientierung, Freizeitverhalten oder Vergemeinschaftung bildeten weitere Kriterien.

Sorgenkind sind die Prekären

Einziges Sorgenkind der sieben Lebenswelten ist, laut Thomas, die Gruppe der Prekären, derjenigen Jugendlichen, die sich um Orientierung und Teilhabe bemühen. Die sozial Benachteiligten mit schwierigen Startvoraussetzungen und Durchbeißermentalität sind meist resigniert und perspektivlos. Aussagen wie die eines 16-Jährigen untermauern das: „Ich kümmere mich nicht so viel um die Gesellschaft, denn die kümmert sich ja auch nicht so um mich.“ Thomas mahnt an dieser Stelle: „Alle Lebenswelten haben etwas Sympathisches, nur die Prekären machen uns Sorge. Um die müssen wir uns mehr kümmern.“

Deutschlands bunte, positive Jugend
Das Fazit des Abends: Jugendliche sind unterschiedlich und in dieser Unterschiedlichkeit vielfältig. Ihre verschiedenen Sicht- und Lebensweisen sowie Werte und Interessen bereichern die Gesellschaft beziehungsweise können dort, wo das noch nicht erkannt wird, zukünftig die Gesellschaft und Arbeitswelt bereichern. Dieses Ergebnis sollte allen, die mit Jugendlichen zu tun haben, Mut machen. Mut auch in der Hinsicht, die Potenziale von Jugendlichen zu entdecken, die nicht auf den ersten Blick gesellschaftskonform scheint. Denn oft schlummert im Verborgenen unheimlich viel Kraft und Kreativität.

Infos und Fotos:
Die SINUS-Jugendstudie "Wie ticken Jugendliche 2016?" ist in digitaler Form erstmals als Open Access verfügbar. Download unter: http://www.wie-ticken-jugendliche.de/home.html

Auskünfte zum Thema:
iSo – Innovative Sozialarbeit, Matthias Gensner
Geisfelder Straße 14, 96050 Bamberg
Tel.: 0951/917758-10, Fax: 917758-99, E-Mail: matthias.gensner@iso-ev.de

Artikel:

Helke Jacob – Kommunikation/PR bei iSo
Geisfelder Straße 14, 96050 Bamberg
Tel.: 0951/917758-11, Fax: 917758-99, E-Mail: helke.jacob@iso-ev.de
 



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