Arbeitsgemeinschaft Mantrailing widmet sich der Suche nach Leichen

 
von 117861 (Leserbeitrag)

Kronach (bu) Sie stehen auf Methan- und auf Ammoniakverbindungen. Und bei Schwefelwasserstoffen in der Luft flippen sie vor Freude geradewegs aus: Die Hunde der Arbeitsgemeinschaft Mantrailing aus Kronach und Umgebung. Methan, Ammoniak und Schwefelwasserstoffe sind nur einige gasförmige Verbindungen, die entstehen, wenn menschliche Überreste verwesen. Vor gut zwei Jahren hat die Arbeitsgemeinschaft Mantrailing das Projekt "Human Remains Detection Dog" gegründet und bildet seitdem einige ausgewählte Hunde aus dem Verein zu Leichenspürhunden aus.

Das Projekt "Human Remains Detection Dog" ist auf Anregung der Internationlen Rettungshundeorganisation (IRO) mit Sitz in Salzburg (Österreich) entstanden, deren Mitglied die Arbeitsgemeinschaft Mantrailing von Anfang an ist. "Rettungshunde werden dazu ausgebildet, lebende Personen zu finden und jene Menschen zu ignorieren, die ein Unglück nicht überlebt haben", so Manfred Burdich von der Arbeitsgemeinschaft. "Das ist natürlich sinnvoll, denn zunächst geht es darum, Leben zu retten. Aber auch die Toten haben ein Recht, in Würde geborgen und nicht - etwa nach einem Hauseinsturz - vom Abräumbagger in Stücke gerissen zu werden". Ein Jahr lang hat die Arbeitsgemeinschaft Mantrailing ein Ausbildungskonzept erarbeitet und seit einem Jahr läuft bereits die Ausbildung. Trainiert wird an echtem Geruch menschlicher Leichen - nicht an synthetischen Ersatzstoffen, um die Hunde nicht fehl zu prägen. Woher der Geruch bezogen wird, ist Geschäftsgeheimnis. Bei diesem Projekt geht es einzig um die Unterstützung bei Katastropheneinsätzen. Denn die Suche nach menschlichen Leichen ist keine "Rettung" sondern Hilfe zur Bergung von Opfern. "Der Bereich "Forensik" ist und bleibt Aufgabe der Polizei", verdeutlicht Burdich", wir sind keine Hobbykriminalisten!"

Neben der Ausbildung der Hunde - diese müssen auf einem Gelände, dass der Größe eines Fußballplatzes entspricht - einen menschlichen, etwa reiskorngroßen Geruchsartikel (der auch noch eingegraben sein kann) aufspüren und anzeigen, ist auch das Training der Hundeführer Teil des Projektes. Denn Hundeführer, die im Bereich der Leichensuche tätig sind, setzen sich einer enormen psychischen Belastung aus. Und obwohl fast alle teilnehmenden Hundeführer auch im beruflichen Umfeld häufig mit Leben, Sterben und Tod zu tun haben, darf die Belastung im Einsatzfalle nicht unterschätzt werden. Deswegen kann der Verein jederzeit auf professionelle psychologsiche Unterstützung aus den eigene Reihen zurück greifen.

Mit dem Projekt "Human Remains Detection Dog" setzt die Arbeitsgemeinschaft Mantrailing erneut Maßstäbe. "Als wir mit der Ausbildung und dem Einsatz von Mantrailern (speziellen Personenspürhunden) begonnen haben, waren wir die ersten und einzigen im Bereich der Integrierten Leitstelle (ILS) Coburg. Mit der Ausbildung und dem Einsatz von Leichenspürhunden sind wir wieder die ersten - nicht nur im genannten Leitstellenbereich- sondern weit darüber hinaus".

Finanziert wird dieses Projekt - also sowohl die Ausbildung, als auch die späteren Einsätze - ausschließlich durch Mitgliedsbeiträge und Spenden. Die Arbeitsgemeinschaft Mantrailing erhält keinerlei Zuschüsse von staatlicher Seite, wie dies bei anderen Organisationen üblich ist. Auch auf groß angelegtes Sponsoring wird verzichtet, damit die Unabhängigkeit gewahrt bleibt. Und dennoch sind die Sucheinsätze der Arbeitsgemeinschaft Mantrailing immer und zu jeder Zeit kostenfrei. Und zwar ganz egal, ob ein vermisster Mensch, ein entlaufendes Tier und ein tödlich Verunglückter gesucht wird.

Denn gerade für den Realeinsatz haben die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Mantrailing einen eigenen Ethikgrundsatz entwickelt, denn hinter jedem Einsatz verstecken sich menschliche Schicksale. Da wird ein Mensch vermisst - das Ungewisse dabei nagt an allen Beteiligten und hinterlässt tiefe Spuren. Die Angehörigen treibt die Angst und die Sorge nach dem vermissten und geliebten Menschen umher. Und oftmals werden die Verunglückten nur tot gefunden. Die Angehörigen, die freiwilligen und ehrenamtlichen Helfer, die professionellen Einsatzkräfte von Polizei und Rettungsdiensten - alle stellen sich die selbe Frage: "Haben wir alles richtig gemacht?"

Im Ethikgrundsatz der Arbeitsgemeinschaft Mantrailing - Rettungshundestaffel & Therapiehundezentrum heißt es wörtlich: "Der Respekt vor den Opfern und den Angehörigen verbietet uns, mit unseren Einsätzen zu werben und Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben. Wir wissen, was unsere Hunde zu leisten vermögen. Die Möglichkeit zu helfen ist uns Ansporn genug. Sensationslust auf Kosten der Hilfe suchenden Menschen lehnen wir ab. Dies entspricht nicht unseren Moralvorstellungen."

Dieser Ethikgrundsatz empfiehlt sich, anderen Hilfsorganisationen als Vorbild zu dienen.

FOTO: Das Foto zeigt Katrin Porzel (Steinwiesen) mit Magyar Viszlar „Sepp“. Weitere Projektteilnehmer sind: Simone Gerstmayer mit Appenzeller Sennenhund "Spike" (Kronach), Manfred Burdich mit Berner Sennenhund „Barney“ (Kronach), Sabine Kuhla-Lichenheldt mit Mischling "Nana" (Steinwiesen), Alexandra Schulte mit Labrador Retriever "Chen Po" (Neudrossenfeld), Frank Schulte mit Deutsch-Drahthaar "Kliff" (Neudrossenfeld) und Helmut Winter mit Malinois "Wolfi" (Schwanstetten).



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