Ebern

Windkraft ist gut, aber nicht am Tonberg bei Kirchlauter und Ebern

Stellen Sie sich vor, jemandem wird eine Portion Macht in die Hand gegeben. Eine feine Sache, wenn man damit richtig, das heißt verantwortungsvoll, umzugehen weiß. Wenn zum Beispiel der Stadtrat entscheiden darf, ob ein Windpark gebaut werden soll...
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Stellen Sie sich vor, jemandem wird eine Portion Macht in die Hand gegeben. Eine feine Sache, wenn man damit richtig, das heißt verantwortungsvoll, umzugehen weiß. Wenn zum Beispiel der Stadtrat entscheiden darf, ob ein Windpark gebaut werden soll.

„Ja, den wollen wir, den bauen wir“, jubeln die Stadträte. Warum? Weil man ihnen die Macht übertragen hat, so etwas Schönes und Nützliches auf die Beine zu stellen. Worüber sie sich vielleicht nicht bewusst sind: sie handeln dann so, wie es sich der Machtspender (der 10-H-Gesetzgeber) gewünscht hat.

Es kann nun jeder darüber nachdenken, weshalb sich das der „10-H-Gesetzgeber“ wünscht, aber diesen Gedankenschritt möchte ich überspringen, weil es wenig zu unserer Sache beiträgt. Es geht darum, den Bau von Windparks in den Wäldern der Umgebung kritisch zu sehen.

Warum kritisch? – Ja, warum denn positiv? Es gibt überhaupt keinen Anlass zur Freude, Wälder, die wenigstens noch halbwegs intakt sind, als Baugebiete auszuweisen. Windkraft ja, Windräder in Ordnung. Wenn sie im Wald stehen sollen plus (!) den Bewohnern zu nah auf die Pelle rücken, dann muss es schon schwerwiegende, zwingende Gründe geben, diesen Total-Eingriff vorzunehmen.

Der heiße Sommer, Kohlendioxid und blabla, ja das alles sind ernstzunehmende Argumente für den Ausbau der sogenannten regenerativen Energiequellen. Dazu kommt: die Thematik ist zu komplex als dass der Austausch einiger Pro- und Contra-Argumente ihr gerecht werden könnte.

Außerdem: wo soll eine solche Debatte geführt werden? Auf Bundesebene oder lokal vor Ort? Man kann in jedem Dorf darüber diskutieren, natürlich. Aber wir werden uns eingestehen müssen, das übersteigt auf Dauer unsere Kräfte. Deshalb kommt hier das besondere Verantwortungsbewusstsein des Stadtrates Ebern zum Tragen.

Er ist weder für das materielle Wohlergehen des Projektträgers noch für sonstige finanzielle Nutznießer verantwortlich. Er trägt allein Verantwortung für alle Bürgerinnen und Bürger der Stadt und allfällig betroffene Nachbarn.

Es geht um den Schutz vor gesundheitlichen Beeinträchtigungen und um die direkte Behütung der Natur. Die im Übrigen durch das Landschaftsschutzgebiet schon vor Veränderung beschirmt ist, es sei denn der Stadtrat pfuschte hinein und beantragte Gegenteiliges.

Der Stadtrat sollte sich gegen eine Fehlentscheidung gut verwahren. Einmal getroffen, könnten die Folgen kaum mehr revidiert werden. Der (langfristige) Schaden würde größer als der (kurzfristige) Nutzen sein. Das erkannten die sieben Stadträte richtig, die für die erneute Behandlung des Themas im Stadtrat plädierten.

Doch die von Machern der Stadt lancierte Veröffentlichung im Mitteilungsblatt (vom 7. Oktober 2016) lässt ahnen: die maßgeblichen Fürsprecher des geplanten Windparks am Tonberg im Bürgerwald werden kaum gewillt sein, ihre Meinung zu ändern. Man befürchtet: dazu gehört auch der Eberner Bürgermeister.

Muss das so bleiben? Nein. Sollen doch die verantwortlichen Projektierer in Hassfurt ruhig schimpfen, sie mögen Gift und Galle spucken. Wenn sich die Mehrheit im Stadtrat Ebern auf den Standpunkt stellt, Windkraft ist gut, aber nicht am Tonberg im Bürgerwald, dann darf das so sein.

Und Nein und nochmals Nein: Wer den Nutzen aus einem Projekt zieht, der taugt nicht als Dozent für eine Aufklärungsveranstaltung der Stadt. Er darf sich vorstellen, er darf gehört werden, aber keinesfalls mehr. Propagandisten gehören in die Werbung, aber nicht in die Volkshochschule und nicht in die Frauengrundhalle. Dort müssen unabhängige Kräfte ran, die das Thema von allen Seiten distanziert beleuchten können.

So möge der Stadtrat zum Wohle von Mensch und Natur vor Ort entscheiden. Für das große Ganze ist er jedoch nicht zuständig. Dafür gibt es Regierungen, die gefälligst kluge Umweltpolitik zu betreiben haben. Dies ist nicht die Aufgabe der kleinen Stadt- und Gemeinderäte. Nichtmal, wenn es gewisse Kräfte aus München oder Hassfurt wünschen.
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