Trebgast
Musik

"Wo Du nicht bist, Herr Organist..."

Beim 7. Deutschen Orgeltag boten sich ungewohnte Einblicke ins Innere der "Königin der Instrumente".
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Wie sieht es eigentlich im Inneren einer Orgel aus? Besonders die Kindern wagten neugierig sonst ungeahnte Einblicke.  Foto: Dieter Hübner
Wie sieht es eigentlich im Inneren einer Orgel aus? Besonders die Kindern wagten neugierig sonst ungeahnte Einblicke. Foto: Dieter Hübner
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Was ist eigentich ein Register? Was ein Orgelprospekt oder ein Manual? Wie viele Pfeifen hat eine Orgel? Wie wird sie gestimmt und wie funktioniert sie überhaupt?
Antworten auf diese Fragen bekamen die Besucher des 7. Deutschen Orgeltages in der Trebgaster Johanneskirche. Und zwar von kompetenter Seite: Kirchenmusikdirektor Hans Schmidt-Mannheim, 15 Jahre lang Leiter der Kirchenmusikschule Bayreuth, und Kirchenmusiker Thomas Grünke, Organist der Trebgaster Markgrafenkirche, informierten die Besucher mit vielen weiteren interessanten Einzelheiten über die "Königin der Instrumente".


1300 Pfeifen

Zum Beispiel: Was ist das Wichtigste an einer Orgel? Ein Spruch von früher gibt darüber Auskunft: "Wo Du nicht bist, Herr Organist, da schweigen alle Pfeifen." Oder: Wie würde man einem Eskimo eine Orgel beschreiben? Ein großer Kasten, in dem sich viele Pfeifen befinden. In der Trebgaster Orgel sind es etwa 1300.
Doch das würde der Trebgaster Orgel natürlich in keiner Weise gerecht werden. "Sie sehen hier ein wunderbares Instrument mit einem fantastischen Gehäuse. Fachleute wissen, dass die Orgelbauer Schüler aus der Silbermann-Sippe waren", schwärmte der Kirchenmusikdirektor.


Neubau 1978

Der letzte Neubau erfolgte 1978 durch den renommierten Gerhard Schmid aus Kaufbeuren, der damaligen Nummer 1 unter Deutschlands Orgelbauern. Schmidt-Mannheim machte den Wert der Orgel an einem Beispiel deutlich: "Wenn man sie heute in dieser Form bauen würde, müsste man pro Register mit 30 000 Euro rechnen. Bei der Trebgaster Orgel würden das 700 000 Euro bedeuten.
Die Länge der Pfeife wird in "Fuß" (etwa 30 Zentimeter) gemessen. Sie bestimmt ihren Ton: Je länger die Pfeife, desto tiefer der Ton. Der Orgelbauer muss nicht jede Pfeife einzeln stimmen. Mit dem Register "Oktav 4" stimmt er die ganze Orgel ein. Kaum zu glauben, mit wie wenig Druck nach dem Gesetz der "kommunizierenden Röhre" eine Orgel angeblasen wird.
Auch die praktische Vorführung kam nicht zu kurz. Bei einem Präludium von Vincent Lübeck, einem Zeitgenossen von Johann Sebastian Bach, war die Orgel in ihrem vollen barocken Klang zu hören. Bei dem Stück "Ich ruf zu Dir, Herr Jesu Christ", mit dem Johann Sebastian Bach in seinem Orgelbüchlein demonstriert, wie viele Möglichkeiten es für ein Choralvorspiel gibt, zeigte Thomas Grünke, wie wichtig das Spiel mit der Pedale ist.


Ein Experiment

Am Ende ein Experiment: Was passiert, wenn bei der Orgel, beim Spiel vom leisesten Register bis zur vollen Stärke ausgereizt, plötzlich der Motor ausgeschaltet wird? Die Besucher erlebten es hautnah: Das Instrument starb langsam ab.
Einblicke in das Innere dieses königlichen Instruments bot sich den Besuchern am Ende dieses Orgeltages, der parallel zum Tag des Denkmals bundesweit abgehalten wurde.
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