Kulmbach
Entdeckertour 54

Wehe, in Kulmbach waren die Brötchen zu klein

Im finsteren Bürgerloch in der Kulmbacher Spitalgasse landete neben Gaunern auch schon mal ein Bäcker.
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Eingang zum Bürgerloch in der Spitalgasse. Foto: Erich Olbrich
Eingang zum Bürgerloch in der Spitalgasse. Foto: Erich Olbrich
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In der Folge 53 befassten wir uns mit dem Torzwinger zur Fischergasse. Hier befindet sich auch das sogenannte Bürgerloch, das dereinst zur öffentlichen Demütigung eines Delinquenten diente.Weitere Ehrenstrafen waren zum Beispiel der Pranger, der Eselsritt oder der Lästerstein.


Haareraufen und Messerwerfen


Strafbare Handlungen, die der niederen Gerichtsbarkeit unterlagen und deshalb vom Rat der Stadt Kulmbach "gebüßt" wurden, waren unter anderem Messerzücken und Messerwerfen, kleinere Schmähreden, Haareraufen und das Verursachen eines Peuderling, also einer kleinen Wunde oder Beule. Aber auch Bäcker, die zu kleine Brötchen gebacken hatten, oder Frauen, die es mit der Treue nicht so ernst nahmen, wurden hier eingesperrt.

Oft ging mit der Verurteilung auch die "Ehrbarkeit" verloren, das heißt die gesellschaftlichen Rechte wurden abgesprochen.


Teils drakonische Strafen


Handwerker, die mit solchen Strafen belegt wurden, büßten nach dem Ehrenkodex der Zünfte häufig ihre Zunft-Zugehörigkeit ein. Damit wurde ihnen auch die materielle Lebensgrundlage entzogen. Das Rechtssystem des Mittelalters kannte zwei Rechtsprinzipien, die nebeneinander bestanden, obwohl sie aus völlig unterschiedlichen Traditionen stammten: das kanonische und damit kirchliche Recht sowie das weltliche Recht. In beiden gab es für gleiche Verstöße gegen geltende Gesetze unterschiedliche Strafen.

Generell ist festzuhalten, dass die gesamte Epoche zwar kein rechtsfreier Raum, jedoch zum Teil sehr weit von unserem heutigen Rechtsverständnis entfernt war. Dies wird vor allem deutlich an zum Teil drakonischen Strafen sowie auch durch ein extrem hohes Strafmaß. Beides erscheint aus unserem modernen Blickwinkel geradezu unmenschlich.


Verbannung ins Exil


Freiheitsentzug wurde erst im 16. Jahrhundert als mögliche Strafe angewandt. Eine abgewandelte Form der Freiheitsstrafe war zuvor die Verbannung ins Exil, etwa in ein Kloster. Oder man durfte ein bestimmtes Territorium für einen festgelegten Zeitraum nicht mehr betreten.

Freiheitsstrafen spielten insgesamt - wie auch Geldstrafen - in der Rechtsprechung des Mittelalters eine geringe Rolle. Wurden Geldstrafen verhängt, so dienten diese der Genugtuung des Geschädigten, heute mit dem Schadensersatz vergleichbar. Zum Beispiel wurde das unerlaubte Sammeln von Brennholz mit einer solchen Strafe belegt und musste an den Besitzer des Waldes gezahlt werden.


Mörder übernahm der Henker


Mord, Vergewaltigung, Raub oder Brandstiftung wurden als Kriminalverbrechen mit dem Tod bestraft. Aber auch eine Anklage wegen Zauberei konnte mit einem Todesurteil enden. War es früher die Sache des Klägers, dieses Urteil zu vollstrecken, übernahm das später der Henker.

Der Vollzug eines Urteils war im Mittelalter ein öffentliches Spektakel und es fanden sich viele Zuschauer dazu ein. Hierzulande wurde der Galgen gewählt, um die Todesstrafe zu vollstrecken. Häufig entschieden die Richter als Strafmaßnahme aber auch das Ausstechen oder Blenden der Augen. Gerade das Verstümmeln einzelner Körperteile war beliebt. So wurde etwa einem Räuber die Hand abgehauen, bei kleineren Diebstählen begnügte man sich auch mit dem Abschneiden von Fingern oder Zehen.

Auch in unserer Gegend war das Abschneiden von Nase, Ohren oder der Zunge eine gängige Bestrafung.


Tod am Galgen


Stand in Kulmbach der Galgen früher noch am alten Fußweg nach Bayreuth im Bereich des Rehbergs, wurde der letzte davon am Galgenberg unterhalb der Tilsiter Straße errichtet. Nach Untersuchungen von Hans Edelmann wurde der Weg von der Stadt zum Galgen als "armes Sündergässlein" bezeichnet. Heute ist dies die Luitpoldstraße. Die zum Tode Verurteilten wurden mit dem "Schinderkarren" zum Richtplatz gefahren. Dabei läutete das "Armesünderglöckchen" der Nikolaikirche. Nicht alle Hinrichtungen fanden hier statt, gelegentlich waltete der Henker auf dem Marktplatz seines Amtes. Man sah dies als beste Möglichkeit zur Abschreckung an.

Die letzte Hinrichtung am Galgenberg wurde 1811 an der zum Tode verurteilten Giftmischerin Anna Zwanziger vollzogen. Erst 1814 wurde der Galgen durch den Rentamtmann Weltrich abgebrochen und anschließend das Holz meistbietend verkauft.

Die Todesstrafe existierte zwar immer noch, aber nach dem Anschluss Kulmbachs an Bayern, vollzog man sie dann im Gerichtshof in Bayreuth.
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