Kulmbach
Jeder gegen jeden (2)

Was tun gegen Bürokratisierung?

Vor der Bundestagswahl am 24. September haben wir die Kandidaten im Wahlkreis Kulmbach zum verbalen Schlagabtausch geladen.
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Thomas Müller (ÖDP) fordert Stefan Wolf (FDP) heraus.

Die Regeln unserer Serie "Jeder gegen Jeden" zur Bundestagswahl sind denkbar einfach: Jeder Kandidat darf jedem anderen Kandidaten eine Frage stellen. Nach der Antwort des Befragten hat der Fragesteller noch die Möglichkeit, darauf zu reagieren. Heute fragt ÖDP-Kandidat Thomas Müller FDP-Bewerber Stefan Wolf, was er gegen die zunehmende Kommerzialisierung und Bürokratisierung im Gesund-
heitswesen unternehmen will.

Thomas Müller: Was wollen Sie gegen die zunehmende Kommerzialisierung und Bürokratisierung im Gesund
heitswesen unternehmen - und wie wollen Sie es wieder "menschlicher" gestalten?

Stefan Wolf: Mit dieser Thematik rennen Sie bei mir natürlich offene Türen ein! Das Problem im Gesundheitssystem ist, dass Ärzten, Apothekern und Psychotherapeuten von der Gesetzeslage massiv Steine in den Weg gelegt werden.

Die Budgetierung bewirkt, dass der Arzt nicht das verschreiben darf, was er für medizinisch-therapeutisch für richtig hält, sondern was im Budget vorgesehen ist - ergo nimmt ein Arzt natürlich lieber einen Privatpatienten an, bei dem er einfacher und unbürokratischer abrechnen kann als bei einem Kassenpatienten. Apotheker haben keine Möglichkeit, über Preisbildung, Beratungskosten oder Angebotspaletten zu wählen und sind im Konkurrenzdruck mit digitalen Angeboten derzeit vollkommen unterlegen.

Kliniken werden vom Staat seit Jahren unterbezahlt - und dies wirkt sich bis heute im Personalschlüssel aus. Mit Regressen übt man Druck auf Ärzte aus, um die Patienten zu steuern und dies bei höchsten Dokumentationsaufwänden mit "Qualitätsmanagements".

Daher lautet meine Antwort: Unser Gesundheitssystem müssen wir wieder vom Kopf auf die Füße stellen! Abschaffung der Budgetierung und Einführung eines adäquaten Honorierungssystems, Abschaffung der Bedarfsplanung, Abschaffung der Regressforderungen, mehr Gestaltungsfreiheiten im örtlichen Apothekensektor, Verschlankung der Sozialgesetzbücher, Reduzierung der Dokumentation bei der Pflege, mehr finanzielle Mittel im Krankenhaussektor, übergreifende Zusammenarbeit zwischen ambulanten und stationären Einrichtungen für den ländlichen Raum, Stärkung der ambulanten Versorgung im ländlichen Raum.

Lästige Bürokratien und unnötige Beschränkungen schaden nicht nur dem Versorger, sondern vor allem den Versorgten! Unser Ziel ist daher klar: Der Patient muss in den Mittelpunkt von Gesundheit!

Thomas Müller: Richtig ist, dass wieder mehr Zeit und Geld für die Bedürfnisse des einzelnen Patienten aufgewandt werden müssen als für Bürokratie und Budgets.

Was meinen Sie mit "mehr Gestaltungsfreiheiten im Apothekensektor"? Eine freie Preisbildung führt zu mehr Kommerzialisierung und damit letztlich zu weniger Qualität. Die individuelle Qualität, zum Beispiel bei der Beratung, ist aber der größte Trumpf gegenüber digitalen Angeboten. Deshalb müssen die Arzneimittelpreise einheitlich sein.

Hinweis der Redaktion: Argumente und Thesen stammen vom jeweiligen Kandidaten und sind redaktionell weder gegenrecherchiert noch in irgendeiner Weise bearbeitet.
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