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Hopfen und Malz

Was passiert am Trebgaster Berg?

In der Brauerei Haberstumpf steht das Sudwerk still. Hans Wernlein, der "Bräu", spricht von einer Bierpause und sieht einen Silberstreif am Horizont.
Ausgerührt: In dieser Sudpfanne wird wohl kein geschrotetes Malz mehr zum Erhitzen gebracht. Hans Wernlein, der "Bräu", spricht von einer Sudpause und unternimmt alles, damit sein Lebenswerk nicht untergeht.  Fotos: Helmut Geiger
 
Von Helmut Geiger

Es kriselt am Trebgaster Berg: In der Brauerei Haberstumpf steht das Sudwerk still. Derzeit wird kein Bier mehr gebraut. Hans Wernlein, der "Bräu", spricht von einer Sud- oder Bierpause. Von einem endgültige Aus will er (noch) nichts wissen. Er sieht einen Silberstreif am Horizont, um sein Lebenswerk zu retten. Wie soll es weitergehen in der Traditionsbrauerei, die ihren Ursprung auf das Jahr 1531 zurückführt?

Rückblende: Natürlich hat Haberstumpf - wie viele kleinere Braustätten - seit geraumer Zeit mit strukturellen Veränderungen zu kämpfen. Zunächst verlor die Brauerei bedeutende Lieferungen in die Kantinen der Großbetriebe wie die Eisenbahn Neuenmarkt oder einige Baugeschäfte. Alkoholische Getränke durften nicht mehr ausgeschenkt werden.


Fehlender Rückhalt

Dann begann in den achtziger Jahren das Sterben der Gastwirtschaften. Wichtige, werbewirksame und erlösbringende Absatzstätten schlossen ihre Pforten. Und die nun entstehende Ersatzgastronomie in den Vereinsheimen ignorierte zum Teil Wernleins Brauerei. Kein Wunder, erhielt man doch finanzielle Unterstützung vom vollautomatischen Brauriesen aus der Kreisstadt. Haberstumpf-Biere am Trebgaster Badesee, auf der Naturbühne, bei vielen Vereinen, Wirtshäusern und Sommerfesten? Fehlanzeige!

Der Rückhalt im Ort für das einheimische Bier fehlt weitgehend. Dabei war der "Bräu" immer ein aktives Mitglied des Trebgaster Gemeinwesens. 24 Jahre im Gemeinderat ("mit Ecken und Kanten") vertreten, ausgezeichnet mit der Goldenen Bürgermedaille.
Nichtsdestsotrotz hat die Familie Wernlein die Hände nicht in den Schoß gelegt. Hans Wernlein verlegte sich auf Innovationen im Spezialbierbereich. Das "Zwickl", das erste seiner Art weit und breit, genoss allgemeine Anerkennung. Mit Bio-Bieren wollte man in eine Marktnische vorstoßen, und die Bockbiere stießen in der Saison auf großen Zuspruch.


Ab nach Schottland

Schließlich suchte die Nachfolgerin in der Haberstumpf-Dynastie, Braumeisterin Yvonne Wernlein, ihr Heil in der Eröffnung der "Bräuschänke" auf dem Brauereigelände. Das neue Lokal erhielt jedoch erst den erhofften Zuspruch, als man die rustikalen Wirtsräume an einen mediterranen Pächter vermietete. All das veranlasste die Braumeisterin, ihre Zelte in Trebgast abzubrechen und sich in Schottland eine neue Existenz aufzubauen. Vor einer Woche hat sie dort den ersten Sud angesetzt.

Gegenüber der BR zeigt sich Bürgermeister Werner Diersch überrascht. Er kenne "noch keine offizielle Verlautbarung", wisse also nichts Offizielles. Die Einstellung des Brauereibetriebes sei zu bedauern. Man werde die Braustätte vermissen. Haberstumpf habe das Leben im Ort über Jahrhunderte begleitet. Froh zeigte sich Diersch, dass die Pizzeria in der ehemaligen "Bräuschänke" weitergeführt wird. Yvonne Wernlein bescheinigte er, "ein Superbier" gebraut zu haben.

Aber vielleicht wird ja bald wieder gebraut am Trebgaster Berg. Hans Wernlein will nicht aufgeben. Daran arbeitet er. Das jetzige 50-Hektoliter-Sudwerk sei zu groß, sagt er. Bei der Ausstoßmenge werde das Bier zu alt.


Spezialsudwerk kostet Geld

Eine 20-Hektoliter-Anlage muss her. Dem "Bräu" schwebt ein vollautomatisches Kleinsudwerk vor, um Spezialbiere brauen zu können. Man braucht auch neues Leergut. Das kostet Geld. So sucht Wernlein nach Enthusiasten, die ein handwerklich gebrautes Bier zu schätzen wissen. "Wir sind mit einem Investor im Gespräch", sagt er. Parallel dazu gehen die Verhandlungen mit einem jungen Braumeister, der in Trebgast einsteigen soll, in der Endphase.

Wernlein rechnet damit, dass in sechs bis acht Wochen die Renaissance der Brauerei Haberstumpf eingeläutet werden kann. Er ist überzeugt, dass die Spezialbiere - 2000 bis 4000 Hektoliter im Jahr sollen es sein - außerhalb des Heimatraumes mehr Anerkennung als in Trebgast finden werden.
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