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Natur

Was klappert denn da im Wald?

Michael Volkmar hat in Kulmbach einen seltenen Strauch entdeckt, der vor Jahrhunderten in unserer Region heimisch war: die "Gemeine Pimpernuss".
Michael Volkmar ist fasziniert von der Pimpernuss. Die Rarität hat der gelernte Landschaftsgärtner in Kulmbach an zwei Standorten entdeckt: auf der Plassenburg und am Rehberg. Foto: Dagmar Besand
 
von DAGMAR BESAND
Manchmal findet man etwas Schönes ohne gesucht zu haben. So erging es Michael Volkmar aus Kulmbach. Beim Gassigehen mit seinem Hund entdeckte der 46-Jährige am Rehberg ein Exemplar der seltenen Pimpernuss. "Zwei Jahre zuvor war mir das gleiche Gehölz schon in der Nähe der Plassenburg aufgefallen."

Der gelernte Landschaftsgärtner hielt daraufhin beim Spazierengehen immer besonders die Augen offen. Wächst die Rarität noch an anderen Orten?

Am Burgberg hat er inzwischen vier und am Rehberg zwei Pflanzen entdeckt. "Die Pimpernuss ist ein sommergrüner Strauch, der bei uns unter Naturschutz steht", sagt der 46-Jährige. "Sie gilt als einheimisch, weil sie vor der letzten Eiszeit in Bayern vorkam." Eiszeit und andere Klimaverschiebungen haben allerdings den Strauch mit den markanten Kapselfrüchten in Deutschland weitgehend verdrängt, nur im Süden Bayerns und Teilen Baden Württembergs ist er noch häufiger anzutreffen, in Österreich und auf dem Balkan ist er stärker verbreitet.

"Bei uns ist die Pimpernuss eine Rarität", bestätigt Friedhelm Haun, Kreisfachberater für Gartenbau und Landschaftspflege am Kulmbacher Landratsamt. Die Pflanze sei unbedingt schützenswert.

Wie kommt der Strauch zu seinem ungewöhnlichen Namen? "Pimpern" hatte nicht immer den Wortsinn, den es heute umgangssprachlich hat. Es kommt aus dem Althochdeutschen und bedeutet "klappern". Den Namen verdankt das Gehölz seinen Früchten, erläutert Friedhelm Haun. Es handelt sich um eine grünliche Kapselfrucht mit Samennüssen im Innern, die sich lösen, wenn sie reif sind. Wenn der Wind durch die Äste streift, klappern sie. Deswegen ist für die Pimpernuss auch die Bezeichnung Klappernuss gebräuchlich.

Michael Volkmar ist nicht der Erste, der die seltene Pflanze in Kulmbach als solche erkannt hat, weiß Friedhelm Haun. "1977 hat der Botaniker Walter Welß aus Erlangen für seine Diplomarbeit eine Kartierung aller Pflanzen im Bereich des Burgbergs durchgeführt und dabei ein Exemplar an der Südseite des Burgbergs gefunden und beschrieben."

Dass es nun auch am Rehberg Exemplare gibt, war dem Kreisfachberater bislang unbekannt. Es freut ihn aber: "Bei der Pimpernuss handelt es sich um ein wertvolles Gewächs, vor allem wenn es sich schon um ältere Bestände der Art Staphylea pinnata, der Gemeinen Pimpernuss, handelt." Diese ist hierzulande so selten, dass sie auf der Roten Liste der gefährdeten Arten steht.

Als Zierpflanze wird in Baumschulen häufig noch eine Hybride verkauft, die Kolchische Pimpernuss (Staphylea colchica). Diese Neuzüchtung fällt nicht unter die schützenswerten Bestände.

Michael Volkmars Fund sei indessen "absolut erhaltenswert". Damit die Pflanzen nicht aus Unkenntnis gerodet werden (am Rehberg sind an einem Strauch die Spuren eines unbedachten Radikalschnitts unübersehbar), hat sich Volkmar an die Untere Naturschutzbehörde am Landratsamt gewandt, und den Fund der Pinnata-Variätät mitgeteilt.
Pimpernuss-Fan Volkmar, der sich eine Pinnata inzwischen auch in den eigenen Garten gepflanzt hat, hat ein wenig nachgeforscht und herausgefunden, dass Staphylea Pinnata wohl schon Ende des 16.Jahrhunderts im Bereich der Plassenburg angepflanzt wurde. "Spannend für Kulmbach finde ich die Frage, ob sich der Bestand seit 500 Jahren hier gehalten hat, oder in neuerer Zeit von einem Pflanzenfreund angesiedelt wurde."

Der 46-Jährigen fasziniert die Geschichte und die Vielseitigkeit der Klappernuss. "Ich bin stolz auf meine Entdeckung. Eine seltene Pflanze zu finden ist für mich gleichbedeutend damit, einen Schatz zu heben, vielleicht sogar noch besser. Zweitens besitzt die Pimpernuss einen hohen Zierwert und gehört in jeden Garten."

Aus der Blüte im Frühjahr bilden sich die bizarren Samenkapseln. Eine schöne Herbstfärbung schließt sich an, um den Blick dann wieder auf die Fruchtstände freizugeben, die noch bis weit in den Winter am Strauch verbleiben. "Als ökologisch denkender Gärtner bin ich zu froh über diese hübsche einheimische Alternative zu Forsythie und Co."

Die Pimpernuss ist aber nicht nur zur Zierde geeignet. Die Nüsschen sind essbar und erinnern geschmacklich an Pistazien. Man kann sie kandieren oder rösten - oder Likör daraus machen, wie es im Bayerischen Wald praktiziert wird. Beliebt ist der Trunk nicht nur, weil er gut schmeckt. Der Pimpernuss wird eine aphrodisierende Wirkung nachgesagt.

Auch eine kulturhistorische Bedeutung hat Michael Volkmar entdeckt: Der Legende nach, soll einem nie das Geld ausgehen wenn man eines der Nüsschen im Geldbeutel hat.



Infos für Gartenfreunde


Wer sich eine einheimische Pimpernuss in den Garten pflanzen will, dem ist Michael Volkmar gerne beim Bestellen der richtigen Art behilflich. Die Pinnata-Art ist nicht überall zu haben.


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