Kulmbach
Kunstausstellung

Van-Gogh-Fälscher wird in Kulmbach ausgestellt

Er gilt als mutmaßlicher Urheber von 30 gefälschten Vincent-van-Gogh-Gemälden. Sein Name wird deshalb mit dem wohl größten Kunstfälscherskandal aller Zeiten in den 30-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts verbunden: Die Rede ist von Hans Wacker, einem Künstler, dem vom 9. bis 30. November eine Ausstellung im Badhaus gewidmet ist.
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Michael Voigt sowie    Klaus und Friederike Köstner (von links)  mit zwei Hafenansichten mit Fischerbooten. Das obere Bild ist mit Jan Tenhagen signiert, das untere mit Hans Wacker. Beide Bilder sind zwischen 1910 und 1920 entstanden.    Foto: Rainer Unger
Michael Voigt sowie Klaus und Friederike Köstner (von links) mit zwei Hafenansichten mit Fischerbooten. Das obere Bild ist mit Jan Tenhagen signiert, das untere mit Hans Wacker. Beide Bilder sind zwischen 1910 und 1920 entstanden. Foto: Rainer Unger
Der Kulmbacher Kunstverein, der zu der Ausstellung ins Badhaus einlädt, wartet mit einer kleinen Sensation auf. Wurden die Maler Hans Wacker und Jan Tenhagen in der Kunstwelt bisher als zwei eigenständige Künstler geführt, so belegt die überregional bedeutsame Präsentation "Hans Wacker = Jan Tenhagen = Vincent van Gogh? - Das Lebenswerk eines Malers", dass Jan Tenhagen ein Pseudonym Hans Wackers ist, das dieser während seiner Schaffenszeit in Holland in den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts benutzt hat.

Die rund 50 Öl-Gemälde, Aquarelle und Grafiken, die zum Teil noch nie öffentlich gezeigt wurden und nun im Badhaus zu sehen sind, stammen vom Kulmbacher Ehepaar Friederike und Klaus Köstner sowie von Michael Voigt aus Neusalza-Spremberg, die schon viele Jahre Wacker-Gemälde sammeln. Die Privatsammler aus der Bierstadt und Sachsen haben sich im Anschluss an eine Hans-Wacker-Ausstellung im Düsseldorfer Stadtmuseum 2008 kennengelernt. Ein Skizzenbuch, das Klaus Köstner vor rund 20 Jahren mehr zufällig in einem Auktionshaus erworben hatte, hat beim Kulmbacher Ehepaar das Interesse am Künstler geweckt. "Der Malstil und die qualitativ hochwertigen Arbeiten in dem Buch haben uns begeistert," erinnert sich Friederike Köstner. In der Folge legten sich die Kunstliebhaber eine Sammlung zu.

Etlliche Übereinstimmungen


Dass das Skizzenbuch einen sensationellen Inhalt bereithielt, entdeckten das Ehepaar Köstner und Michael Voigt, als sie es vor drei Jahren genauer unter die Lupe nahmen: "Mehrere Skizzen waren sowohl mit Hans Wacker als auch mit Jan Tenhagen unterschrieben", sagt Klaus Köstner. Er mutmaßte völlig zu Recht, dass es sich bei Wacker und Tenhagen um dieselbe Person handelt. Bei Vergleichen von Bildern beider Maler entdeckten sie etliche Ähnlichkeiten und Übereinstimmungen.

Der 1868 in Düsseldorf geborene Hans Wacker ist vor allem durch seine impressionistisch gestalteten Landschaften, Schiffs-, Fischer- und Seebilder bekannt, die laut Klaus Köstner "eine hohe Konturensicherheit und ein exquisites Kolorit auszeichnen". Weit bekannter wurde er durch seine Verwicklung in den Prozess, in dem sein Sohn Otto zu Beginn der 30er Jahre in Berlin wegen des Verkaufs von rund 30 gefälschten von-Gogh-Gemälden verurteilt wurde. "Hans Wacker gilt als mutmaßlicher Urheber der Fälschungen, die so perfekt ausgeführt waren, dass ihre Echtheit durch Gutachten der führenden Kunstexperten bestätigt worden war. Wacker stritt die Urheberschaft der Bilder jedoch ab", sagt der Kulmbacher Klaus Köstner.

Ein Raum des Badhauses widmet sich gänzlich diesem Aspekt. Beispielhaft wird dargestellt, wie sich Wacker schrittweise seinem Vorbild näherte, bis er schließlich dessen Malstil überzeugend imitieren konnte.

Das Selbstporträt


"Die wenigen noch erhaltenen sogenannten Wacker-Fälschungen sind heute begehrt und erzielen hohe Preise. Michael Voigt ist es gelungen, zumindest die Reproduktion eines Gemäldes mit dem Motiv des Sämanns zu erwerben. Sie wird neben der Repro eines entsprechenden Gemäldes van Goghs hängen", teilt Klaus Köstner mit. Im Eingangsbereich, der sich mit der Familie des Malers beschäftigt, dokumentiert ein Selbstporträt von Hans Wacker aus dem Jahr 1926, "wie weit er sich seinem Vorbild van Gogh angenähert hat."

Der Hauptraum der Ausstellung ist den Seemotiven vorbehalten. Ins Auge stechen zwei großformatige Bilder von Hafenansichten mit Fischerbooten im Vordergrund, die unterschiedlich mit Hans Wacker beziehungsweise Jan Tenhagen signiert sind, jedoch mit Sicherheit vom gleichen Künstler stammen, wie Klaus Köstner urteilt.


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