Untersteinach
Gedenken

Untersteinachs große Katastrophe

Wenn am 10. August um 12 Uhr im Ort die Kirchenglocken läuten, ist dies eine Erinnerung an den verheerenden Brand im Jahr 1706.
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Pfarrer Wolfgang Oertel überreichte den Mitgliedern der Feuerwehr die Attribute, die einst auf dem Untersteinacher Kirchturm waren: ein Hahn und eine Sonne. Foto: Sonny Adam
Pfarrer Wolfgang Oertel überreichte den Mitgliedern der Feuerwehr die Attribute, die einst auf dem Untersteinacher Kirchturm waren: ein Hahn und eine Sonne. Foto: Sonny Adam
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Mit virtuosen Orgelklängen, die das Gotteshaus der Untersteinacher St.-Oswald-Kirche zum Tosen brachten, eröffnete Heiner Beyer den legendären Brandgottesdienst. Schon zum 268. Mal wurde er in diesem Jahr gefeiert. Der spezielle Gottesdienst, der immer am 10. August um die Mittagszeit zelebriert wird, erinnert an eine verheerende Brandkatastrophe im Jahr 1706, erläuterte Pfarrer Wolfgang Oertel. Dieter Geyer von der Feuerwehr Untersteinach verlas die Chronik, erinnerte an den Dreißigjährigen Krieg, an die Belagerung durch Wallenstein, an die Plünderung Untersteinachs. Immer wieder musste der Ort schwere Zeiten durchmachen. Die Pest wütete.


Feuer durch spielende Buben

Nahezu völlig zerstört wurde Untersteinach am 10. August 1706. Damals spielten zwei Jungs in einer Scheune mit einer Büchse. Sie schossen, das Stroh fing Feuer - und im Nu stand der Schuppen in Flammen. Die Bauern waren auf dem Feld, ungehindert breitete sich das Feuer aus. Der gesamte Ort, das Pfarrhaus, das Schulhaus und auch der Kirchturm wurden ein Opfer der Flammen. Nur zwei Häuser und das Schiff der Kirche blieben verschont. Bei dem verheerenden Brand kamen auch Menschen ums Leben: drei Erwachsene und ein Kind.
Doch die Untersteinacher bauten ihren Ort wieder auf - auch den Kirchturm. Und seit 1749 findet regelmäßig eine Buß- und Bittpredigt statt. Denn so hatten es sich die Spender, die für den Wiederaufbau des Kirchturmes Geld gegeben hatten, gewünscht.

Die Brandkatastrophe 1706 war übrigens nicht die einzige ihrer Art. 1932 legte ein Feuerteufel an zwei Stellen im Ort Feuer. Wieder wurde ein großer Teil des Ortes ein Raub der Flammen.

Untersteinach indes hat bereits 1707 das abgebrannte Pfarrhaus wiedererrichtet, auch der Kirchturm wurde neu aufgebaut. "Im Jahr 1717 war die Turmspitze fertig", erinnerte der Pfarrer und zeigte die Insignien, die einst auf dem Turm angebracht waren: ein Hahn und eine Sonne. Die Symbole sollen die Untersteinacher erinnern, dass sie bei Tag und bei Nacht auf Gott vertrauen sollten und Gott nicht verleugnen sollten (deshalb das Sinnbild des Hahnes).

Beim Brandgottesdienst war die St.-Oswald-Kirche trotz der ungewöhnlichen Tageszeit gut gefüllt. Auch die Feuerwehr Untersteinach war präsent. Pfarrer Wolfgang Oertel wies auf das Epitaph im vorderen Bereich der Kirche hin. Eine Gedenktafel ist dem letzten Spross aus dem Hause Varell gewidmet, eine weitere Tafel erinnert an den böhmischen Adeligen Leo Wilhelm von Rziczan. Bernhard Herrmann hat die Inschrift entziffert und aus dem Lateinischen übersetzt. Die deutsche Bedeutung hängt nun in einem Bilderrahmen neben dem Epitaph. Das bedeutet die Inschrift:

Dem besten, größten und höchsten Herrn. Mächtig ist die Hoffnung auf ein Fortleben. Von altehrwürdigem Geschlecht seiner böhmischen Ahnen abstammend ruht hier Leo Wilhelm von Rziczan nach Abfolge eines düsteren Schicksals. Er selbst ist Fürst von Beztahov gewesen. Den anmutigen Lauf der Moldau benetzt er mit Wasser. Aber als ein verhängnisvolles Übel und die wütende Enyo (griechische Göttin des blutigen Nahkampfes) den Saum des unglücklichen Böhmerlandes erschüttert hat, gelangte er nach Arzberg: Von dort nach der Variskischen Hauptstadt an der Saale, die den Tüchtigen gewogen ist. Und bald nach Ölschnitz: und wieder zurück zur früheren Hauptstadt an der Saale. Von dort kam er nach Kulmbach, wo sein Onkel Wilhelm lebte. Hier, nach Gottes Willen, ist Ruhe in dieser bedrückenden Verbannung eingetreten und der Geist vom erschöpften Körper abberufen worden: Aber das war noch nicht das Ende der Verbannung: Vielmehr wird der Leichnam aus der Stadt zu eben diesem Gotteshaus hergefahren: Indessen war das Dorf eine Brandstätte, verbrannt von wüsten Nachbarn. Jesus, mach die beschädigten Häuser wieder heil: Schaffe dem Ergrauten wieder einen neuen Körper.

Um die Grabtafel verläuft folgende Inschrift: "Im Jahr 1663, 4. Mai, hat der großartige, vorzügliche Herr, Herr Wilhelm Leo Baron von Rziczan, Herr von Beztahov und Drahonice sein sechsjähriges Exil im Lebensalter von 58 Jahren mit einem glücklichen Tod in Kulmbach beschlossen. Hierher ist er gefahren worden, und begraben worden, in der Hoffnung auf eine zukünftige, sehr gewisse Auferstehung durch Christus."
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