Kulmbach
Tarifverhandlungen

Im Kulmbacher Einzelhandel wird gestreikt

Beschäftigte von Kaufland und Real legen am Montag die Arbeit nieder. Auch bei Kaufland Lichtenfels beteiligen sich die Verkäuferinnen am Arbeitskampf.
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Im Einzelhandel wird gestreikt: Ein Euro mehr Stundenlohn lautet eine zentrale Forderung. Foto: fovito/fotolia.com
Im Einzelhandel wird gestreikt: Ein Euro mehr Stundenlohn lautet eine zentrale Forderung. Foto: fovito/fotolia.com
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Im deutschen Einzelhandel wurde am Montag der Arbeitskampf fortgesetzt. Dabei traten auch Arbeitnehmer in Kulmbach in den Ausstand. Bestreikt wurden die Kaufland-Filiale im "Fritz"-Einkaufszentrum und der Real-Markt in der Albert-Ruckdeschel-Straße. Verstärkung bekamen die Kulmbacher aus Lichtenfels, wo Kaufland-Beschäftigte die Arbeit niederlegten.


Weitere Aktionen denkbar

Von den Mitarbeitern bei Kaufland im "Fritz" hatten sich am Montag 28 von 48 Angestellten am Ausstand beteiligt, teilt Mandy Mücke mit, Mitglied bei der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di und selber Beschäftigte bei Kaufland. Und sie ergänzt: "Wir arbeiten am Dienstag wieder regulär." Allerdings seien weitere Aktionen dieser Art denkbar, sollten sich die Verhandlungen weiterhin derart schleppend gestalten.

Von den Mitarbeitern im Kaufland, die am Montag wie gehabt ihrer Arbeit nachgingen, wollte sich keiner zur aktuellen Situation äußern. Im Markt selber bemerkte man nichts von der Streikaktion. "Ich wusste nicht, dass hier gestreikt wird", sagte eine Kundin überrascht. Sie habe auch an der Kasse nicht ungewöhnlich lange angestanden.


Konzern: flexible Dienstpläne

Aus der Konzernzentrale hieß es, das fehlende Personal in einer Streikphase werde über flexibel gehandhabte Dienstpläne aufgefangen. In der Regel würden beispielsweise Teilzeitkräfte so eingeteilt, dass die fehlenden Mitarbeiter ausgeglichen werden könnten. Andere Möglichkeit: Angestellte, die freie Tage haben, müssten diese auf einen späteren Zeitpunkt verschieben.

"Es war nicht der erste Streik in Kulmbach. Die Tarifverhandlungen laufen seit Ende Mai", sagte der zuständig Bezirkssekretär Paul Lehmann von der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di. "Wir kämpfen für einen besseren Tarifvertrag."


Ein Euro mehr Stundenlohn

Eine der zentralen Forderungen der Gewerkschaft: ein Euro mehr Stundenlohn. "Der Spitzenverdienst einer Verkäuferin in Vollzeit und in der Endstufe liegt bei 2500 Euro brutto - aber das muss man erst mal erreichen. Die Berufsanfänger bekommen unter zehn Euro, also knapp über Mindestlohn", so Lehmann.

Das Hauptproblem sei aber, dass immer mehr Beschäftigte Teilzeitverträge haben. "Die Leute brauchen dann einen zweiten Job. Vollzeit im Einzelhandel ist wie ein Lotto-Sechser." Dies bedeute, "dass von den bundesweit 3,4 Millionen Beschäftigten im Einzelhandel in Deutschland 70 Prozent in der Altersarmut landen werden".

Zweite zentrale Forderung ist Lehmann zufolge die Allgemeinverbindlichkeitserklärung des Tarifvertrags. "Denn derzeit sind nur noch 30 Prozent in der Tarifbindung."


Angebot der Arbeitgeber wäre Reallohnverlust

Die nächste Verhandlungsrunde, so der Ver.di-Sprecher weiter, findet am 8. August statt. "Was die Arbeitgeber bisher vorgelegt haben, reicht nicht aus. Das Angebot würde einen Reallohnverlust bedeuten", sagte er.

Zusammen mit den Lichtenfelser Kollegen streikten gestern in Kulmbach 35 Verkäuferinnen und Verkäufer bei Kaufland und Real. Was die Arbeitsniederlegung bei der Real-Filiale angeht, hieß es seitens der Geschäftsführung: Es gibt keine Stellungnahme zum Thema Streik.
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