Kulmbach
Wahlkreis Kulmbach/Lichtenfels

Stimmen zur Bundestagswahl 2017: CSU-Freude, SPD-Enttäuschung und FDP zurück

Die Kreisvorsitzenden von CSU, SPD, FDP und Freien Wählern äußerten sich am Wahlabend über das Ergebnis der Stimmabgabe im Wahlkreis Kulmbach.
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Von himmelhochjauchzend bis zu Tode betrübt - zwar nicht ganz so krass, aber so ähnlich lassen sich die Stimmungen bei den Kreisvorsitzenden der beiden großen Parteien beschreiben. Henry Schramm (CSU) sprach angesichts des Bayerntrends von einem herausragenden persönlichen Ergebnis für MdB Emmi Zeulner, die in etwa die gleiche Prozentzahl erzielte wie vor vier Jahren. "Es zeigt, dass ihre Arbeit von den Menschen gewürdigt wird. Sie ist fleißig, engagiert, hat die wichtigen Themen besetzt und letztlich auch Erfolge erzielt, zum Beispiel die Umgehung für Kauerndorf", so der Kulmbacher Oberbürgermeister. Aber auch für kleine Anliegen der Bürger habe sie sich stets Zeit genommen. "Und das erwarten die Menschen auch."

Erschrocken zeigte sich Schramm über die Stimmenzahl für die AfD, die auch im Wahlkreis Kulmbach drittstärkste Kraft geworden ist. "Ich hätte nicht erwartet, dass so viele Menschen auf die Parolen dieser Partei hereinfallen." Die CSU müsse deshalb durch gute, konsequente Arbeit erreichen, dass sich dieser Trend in Zukunft wieder umkehre.
Als positiv stellte Schramm die hohe Wahlbeteiligung heraus: "Das ist ein gutes Zeichen für die Demokratie."

Inge Aures (SPD) hatte beim Anruf der BR gerade Thomas Bauskes Wahlparty verlassen, die sie selbst mit Anführungs- und Schlusszeichen versah. "Dass es für die SPD eine schwierige Wahl werden würde, habe sich ja bereits abgezeichnet. Thomas Bauske war ein sehr eifriger Kandidat, aber ein Einzelner kann halt gegen den Trend nichts ausrichten", so die Kreisvorsitzende und Landtagsvizepräsidentin, die ihre Enttäuschung nicht verhehlte.

Auf die Stimmenverluste, von denen alle der bislang drei größten Parteien betroffen seien, müsse man reagieren, stellte Aures fest, die sich über die Aussage von Kanzlerkandidat Martin Schulz freute, der gestern Abend die Große Koalition für beendet erklärt hatte. "Die SPD hatte in dieser Koalition nichts gewonnen. Wir hatten viele gute Ideen, die aber teilweise blockiert wurden." Dass die AfD so "brutal" an Stimmen gewann, hätte sie nicht erwartet, sagte Aures. Es seien zwar viele Protestwähler dabei, aber auch viele Menschen, die die Meinung dieser Partei teilen. Aures: "Ich bin gespannt, was das jetzt im Bundestag wird."



"Man nimmt die FDP wieder wahr"

"Wir waren nicht mehr im Bundestag, insofern ist es ein großartiger Erfolg." Hoch erfreut kommentierte FDP-Kreisvorsitzender Thomas Nagel gestern Abend die Rückkehr der Liberalen ins Parlament und deren Ergebnis auf Kreisebene. Alle Kandidaten, gerade auch Stefan Wolf, hätten einen Wahlkampf mit großem Engagement und viel Herzblut geführt. Der Stimmenzuwachs im Vergleich zur Wahl vor vier Jahren - Nagel hob besonders das Ergebnis von über acht Prozent in Bamberg-Land hervor - zeige, dass die FDP wieder wahrgenommen werde. Dieses zurückgewonnene Vertrauen gelte es nun zu rechtfertigen, auch mit Blick auf die Landtagswahl im nächsten Jahr. "Ich bin wahnsinnig stolz", so Nagel, der sich freute, dass mit Thomas Hacker allem Anschein nach ein oberfränkischer Bewerber im Bundestag vertreten sein wird.


Konzentration auf Landtagswahl

Für die Freien Wähler stellte deren Kreisvorsitzender Rainer Ludwig fest: "Bayern ist nicht Deutschland, und unter diesem Aspekt ist das Ergebnis von Klaus Georg Purucker beachtlich. Dieser habe sich zwar fünf Prozent plus vorgenommen, was offenbar aber etwas zu euphorisch und auch nicht erreichbar gewesen sei. Auf Bundesebene sei das Ergebnis unbefriedigend, räumte Ludwig ein, weshalb sich die Freien Wähler mehr auf die im kommenden Jahr anstehende Landtagswahl konzentrieren würden.

Die Kreisvorsitzende der Grünen, Dagmar Keis-Lechner, war bis Redaktionsschluss nicht erreichbar.
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