Bayreuth
Eishockey

Tigers-Fans boykottieren DEL2-Team

Aufruhr bei den Anhängern: Mitglieder der Fangruppe "Mainkurve" kündigen an, die Unterstützung der Mannschaft vorerst auf Eis legen zu wollen.
Artikel einbetten Artikel drucken
Das Verhältnis war schon länger frostig - aber nun ist in Sachen Streit zwischen Teilen der Fans und der Führung der Tigers-GmbH eine echte Eiszeit eingetreten. Wenn die Bayreuther Eishockey-Cracks am 17. September zu Hause das erste Heimspiel ihrer zweiten DEL2-Saison gegen Rießersee austragen, dann müssen sie das wohl ohne einen Teil ihrer treuesten (und lautstärksten) Anhänger tun. Die Mitglieder des "Mainkurve"-Blocks, eine etwa 50 Personen umfassende Gruppierung, die 2008 gegründet wurde, haben in einem Online-Brief einen Boykott angekündigt. Statt Profi-Eishockey zu sehen, wolle man stattdessen die neugegründete EHC-Mannschaft in der Bezirksliga unterstützen. Als Hauptgrund für diesen Aufsehen erregenden Schritt wird das Auftreten des Ehepaars Margrit und Matthias Wendel genannt, die der Tigers-GmbH als Geschäftsführer vorstehen. Ihr Verhalten ähnele, so heißt es, eher dem Gebaren eines Glamour- und Königspaares. "Man bekommt den Eindruck, dass hier die handelnden Personen eine Art neuen Verein erschaffen wollen - mit dem Unterschied, dass dieser Verein eine Firma ist, die allem Anschein nach nur als Spielzeug dieser Personen dient." Die GmbH werde von Leuten geführt, "die sich in der Vergangenheit weder durch ihre Glaubwürdigkeit noch durch ihr buchhalterisches Können hervorgetan haben, vom menschlichen Verhalten ganz zu schweigen".
Die Fans sprechen dabei zum einen an auf Diskrepanzen zwischen den Zahlen, die die GmbH vorlegt und jenen, wie sie von den Vertretern des EHC-Stammvereins ausgegeben wurden. Noch im Mai hatte es den Anschein, als stünde der Club durch Fehlkalkulationen und einem Finanzloch in sechstelliger Höhe vor der Insolvenz. Verwirrung stifteten demnach unter anderem angebliche Nachforderungen der Rentenversicherung sowie der Berufsgenossenschaft. Zudem habe die kalkulierte der Zahl der Zuschauer nie ausgereicht, um die benötigten Nettoeinnahmen zu erzielen, hieß es seitens des Vorstandes. Diese Missverständnisse wurden später zusammen mit den Eheleuten Wendel ausgeräumt, die Lizenz für die DEL 2 schließlich erteilt.
Aktuell missfällt den Fans, dass in einer Art Alleinherrschafts-Manier das neue, grau-weiße Tigers-Logo (siehe oben) ausgegeben wurde ("Bayreuth ist Gelb-Schwarz und so wird es auch immer bleiben!"). Unmut erregt zudem der Fakt, dass die Bande über dem Tor, hinterm dem die Gruppierung steht, ab sofort nicht mehr für Fan-Banner genutzt werden könne. "Die Anordnung, sämtliche Fahnen, Spruchbänder etc. bei jedem Spiel am Eingang komplett ausbreiten und auf ihren (darauf geschriebenen) Inhalt überprüfen zu lassen, ist nicht nur vollkommen übertrieben, sondern auch ein klares Indiz, dass eine freie Meinungsäußerung oder gar kritische Aussagen in unserem kleinen Königreich nicht geduldet sind", heißt es weiter.


"An den Haaren herbeigezogen"

Die Aufregungen um das Ehepaar Wendel sind nicht neu im Bayreuther Eishockey. Persönliche Attacken von Anhängern gegen Margrit Wendel hatten im November 2016 zum Rücktritt der Eheleute geführt. Später kehrten die beiden an die Spitze der GmbH zurück, nachdem es besagte Aussprache mit Vertretern des Hauptvereins gegeben hatte. Den Eishockeysport in Bayreuth haben die beiden in den Vorjahren mit Geldern aus Privatvermögen unterstützt.
Die aktuellen Vorhaltungen der Fangruppe "Mainkurve" wertet Matthias Wendel als unverständlich. "Wir saßen mit Verantwortlichen der Fangruppen noch vor wenigen Wochen zusammen - und das in einem sehr konstruktiven Miteinander, wie mir schien. Warum kam damals keine Kritik, sondern erst jetzt und auf diese Weise?", fragt der frühere Mainleuser.
Profi-Eishockey in der DEL2 zu bieten, erfordere Herangehensweisen, "die manchem Fan unverständlich erscheinen mögen. Doch nur so lässt sich eine GmbH in dieser Liga führen und letztlich das sportliche Niveau halten - und zwar auf einer gesunden wirtschaftlichen Basis". Entsprechend sei die Geschäftsführung bestrebt, weitere Sponsoren mit ins Boot zu holen. "Wir haben bereits ein sehr gutes Netz geknüpft. Das besagte Areal hinter dem Tor wäre eine geeignete Werbefläche. Aber: Es stimmt nicht, was in dem Schreiben der Fans steht: Diese Fläche ist eben nicht für Werbezwecke verkauft worden. Wir versuchen, hier den Anhängern entgegenzukommen."


Positives Ergebnis

Auch Gerüchte über Schuldenberge verweist Wendel ins Reich der Fabel. "Ich kenne die Zahlen. Die GmbH hat den Verein schuldenfrei gestellt. Wir haben mit einem positiven Ergebnis von 16 000 Euro abgeschlossen."
Verwandte Artikel
Verwandte Fotoserien
Noch keine Kommentare
Sie sind nicht angemeldet.
Sie müssen angemeldet sein, um Kommentieren zu können!
registrieren