Kulmbach
Extremsport

Ab der zweiten Etappe vorn

270 Kilometer mit 15 556 Höhenmetern durch die Alpen - und das im Lauftempo. Der Thurnauer Christoph Lauterbach hat den Transalpine-Run gewonnen.
Artikel einbetten
Glücklich im Ziel: Christoph Lauterbach (rechts) und Benjamin Bublak lassen sich nach dem Gesamtsieg beim Transalpine-Run feiern. Foto: Andi Frank
Glücklich im Ziel: Christoph Lauterbach (rechts) und Benjamin Bublak lassen sich nach dem Gesamtsieg beim Transalpine-Run feiern. Foto: Andi Frank
+1 Bild
Sulden/Thurnau Nur noch wenige Kilometer liegen vor dem Thurnauer Christoph Lauterbach und seinem Teampartner Benjamin Bublak (Kufstein). Glücksgefühle kommen auf. Jetzt wissen die beiden, dass sich die Strapazen gelohnt haben. Fast 270 Kilometer sind sie in den vergangenen sieben Tagen gelaufen, haben in den Alpen 15 556 Höhenmeter gemeistert, Regen, Nebel, Temperaturschwankungen und Schnee getrotzt - und sind dabei schneller als jedes andere Zweierteam. Dann kommt die Ziellinie: Lauterbach/Bublak jubeln, sie haben den Transalpine-Run gewonnen.

"Der Zieleinlauf war der emotionalste Moment", sagt Lauterbach (SGB Stadtsteinach). "Das Privileg, diesen Lauf auch noch gewinnen zu dürfen, hat die Freude sicherlich nochmals potenziert." Dass er mit seinem Laufpartner sehr gute Chancen hat, den Alpenlauf mit Start in Fischen (Allgäu) und Ziel im italienischen Sulden zu gewinnen, zeichnet sich schon auf den ersten beiden der sieben Etappen ab. Auf dem ersten Abschnitt holen Lauterbach/Bublak Platz zwei, übernehmen nach dem zweiten Tag die Gesamtführung und geben diese nicht mehr ab. Jede einzelne Etappe beenden sie mit einem Podestplatz.

"Von einem Einbruch oder problematischen Momenten sind wir glücklicherweise verschont geblieben", sagt der 26-jährige Thurnauer. Nur der sechste Abschnitt sei zäh gewesen, es habe "etwas der Fluss gefehlt". Doch in ihrer Spezialdisziplin, dem schnellen Abstieg, holen Lauterbach/Bublak immer wieder Zeitrückstände auf. Der Blick geht dabei meist auf die Strecke, um auf den teils unwegsamen Trails nicht aus dem Tritt zu kommen.


Schmerzen gehören dazu

Das Naturerlebnis in den Alpen saugt Lauterbach aber dennoch in sich auf. Bewusst hebt er immer wieder den Kopf, betrachtet die Landschaft und die Umgebung, genießt die Aussicht: "Die gewonnenen Eindrücke sind die verlorenen Sekunden definitiv wert", sagt Lauterbach und stimmt ein Loblied auf den Laufsport an. "Laufen ist so wenig, puristisch und simpel, aber letztendlich dann doch so viel."

Mit dem Laufen verbinde er Entspannung, Freiheit, Unbeschwertheit, Zufriedenheit, Naturverbundenheit und Freude. Das lasse ihn auch die Qualen vergessen, die er während der kräftezehrenden Etappen durchleiden muss. "Wie die vielen schönen Momente gehören auch Schmerzen dazu. Sie sorgen für die abschließende Zufriedenheit, und ohne sie wäre das Laufen nur halb so schön."

Und beim Transalpine-Lauf ist eine Besonderheit, dass die Durchhänger nicht allein überwunden werden müssen. Nur wenn beide Läufer eines Teams gemeinsam die Etappe beenden, werden sie gewertet. Die Zusammenarbeit zwischen den Laufpartnern ist ein entscheidender Faktor. Sie müssen annähernd den gleichen Leistungsstand haben, sich gegenseitig unterstützen und motivieren.

Aus Sicht Lauterbachs ist es das Wichtigste, auf die jeweilige Situation des Partners Rücksicht zu nehmen, die eigenen Interessen hinten anzustellen und Kritik zu vermeiden. "Zerstrittenheit und Unzufriedenheit in den Teams sind nicht selten ein Aufgabegrund." Aber natürlich führen auch Verletzungen und Krankheiten dazu, dass nur 454 von 584 gestarteten Athleten beim Transalpine-Run das Ziel in Italien erreichen.


Fast 30 Stunden unterwegs

Mit der Gesamtzeit von 29:44:03 Stunden setzt das Duo aus Thurnau und Kufstein die klare Bestzeit. In der Kategorie Men haben die zweitplatzierten Stephan Hugenschmidt (Radolfzell)/Matthias Dippacher (Rettenberg) einen Rückstand von 1:14:52 Stunden. In der Gesamtwertung über alle Klassen hinweg kommen die Masters-Starter Florian Holzinger (Surberg)/Stefan Holzner (Bad Reichenhall), mit ihrer Zeit von 30:16:11 Stunden, Lauterbach/Bublak am nächsten.

In Feierlaune sind danach alle Teilnehmer. "Man hat sieben Tage, in die man voller Ungewissheit gestartet ist, erfolgreich überstanden. Da ist die legendäre Finisher-Party Pflicht", sagt Lauterbach und beweist bei der Feier bis in die Morgenstunden noch ein letztes Mal beim Transalpine-Run seine Ausdauer.
Verwandte Artikel
Noch keine Kommentare
Sie sind nicht angemeldet.
Sie müssen angemeldet sein, um Kommentieren zu können!
registrieren