Kasendorf
Fußball-Landesliga Nordost

SSV Kasendorf: Die kurze Ära Werzer ist beendet

Der SSV Kasendorf hat sich nach nur 14 Spielen von Trainer Michael Werzer getrennt. EInen Nachfolger hat das Schlusslicht der Fußball-Landesliga noch nicht.
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Michael Werzer braucht sich über die Kasendorfer Mannschaft nicht mehr den Kopf zu zerbrechen. Das 0:5 gegen die SpVgg Selbitz war sein letztes Spiel als Trainer des SSV.  Foto: Monika Limmer
Michael Werzer braucht sich über die Kasendorfer Mannschaft nicht mehr den Kopf zu zerbrechen. Das 0:5 gegen die SpVgg Selbitz war sein letztes Spiel als Trainer des SSV. Foto: Monika Limmer
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Nur drei Monate und 14 Punktspiele durfte Michael Werzer seinen Traum vom Trainer in der Fußball-Landesliga leben - jetzt hat ihn der SSV Kasendorf schon wieder von seinen Aufgaben entbunden. "Es bestand Handlungsbedarf. Es war kein Zug mehr in der Mannschaft, warum auch immer", erklärt SSV-Vorsitzender Volker Täuber die Beweggründe des Vereins. So bedauerlich die Trennung von Werzer für ihn auch sei, so Täuber, sei sie doch unausweichlich gewesen, denn: " Die Mannschaft braucht jetzt einen neuen Schub."

Einen Nachfolger gibt es aber noch nicht. Am Samstag im rich tungsweisenden Kellerduell beim FC Vorwärts Röslau (14.) wird Co-Trainer Christoph Wächter die Verantwortung tragen. Gestern Abend vor dem Training informierten die Kasendorfer Verantwortlichen die Spieler. Und die nimmt Volker Täuber nun mehr denn je in die Pflicht: "Jetzt ist die Mannschaft gefordert!"


Miserables Torverhältnis

Drei Spiele vor Saisonhalbzeit in der Fußball-Landesliga Nordost trägt der SSV mit nur acht Zählern die Rote Laterne. Der erste der drei Relegationsplätze ist jedoch nur zwei Zähler entfernt, die Nichtabstiegszone sechs. Das Hauptproblem der Kasendorfer in der neuen Saison ist die hohe Anzahl von Gegentoren. 14:45 lautet die schwarze Bilanz. In acht Partien kassierte der SSV mindestens vier Treffer, drei Mal fünf und mehr.

Die deftigste Klatsche gab es für die Kasendorfer gleich zum Auftakt - das 1:7 beim Baiersdorfer SV war ein echter Schock für Michael Werzer, der nach eigener Aussage die folgenden Nächte bis zum 1:1 gegen den FSV Bayreuth schlecht schlafen konnte. "Wir haben im Sommer mit Torwart Eck, Verteidiger Taschner und den Mittelfeldspielern Geldner und Dippold eine ganze Achse verloren", gibt Werzer zu bedenken.

Geschlagene neun Spieltage dauerte es, bis der SSV den ersten Saisonsieg feiern durfte. Ausgerechnet im Derby beim TSV Neudrossenfeld glückte den Kasendorfern ein 2:0-Coup. Der SSV schickte gleich einen 3:0-Sieg gegen Dergahspor Nürnberg hinterher und schien die Kurve gekriegt zu haben. Doch denkste. Es blieben bislang die einzigen beiden Siege.


Erschreckend schwach

Zuletzt gab es auch noch zwei bittere Pleiten in Kellerduellen beim ASV Veitsbronn-Siegelsdorf (2:4) und gegen die SpVgg Selbitz (0:5). Die erschreckend schwache Leistung der SSV-Kicker gegen Selbitz hat letztlich die Kasendorfer Verantwortlichen zum Handeln bewegt. Vorsitzender Volker Täuber sagt: "Wir sind uns bewusst, dass die Landesliga für den SSV das Limit ist. Und es ist auch klar, dass man mal absteigen kann - so lange man gekämpft und alles gegeben hat. Aber mit solchen Leistungen wie gegen Selbitz ist es schwierig."

Damit spielt Täuber vor allem die desaströse Abwehrleistung an. Was ihn besonders ärgert: Dass die Mannschaft "drei mal das gleiche Gegentor nach einer Standardsituation" kassiert hat. "Da muss man sich schon fragen..."

Drei Tage nach dem Heimdebakel baten die SSV-Verantwortlichen ihren Trainer zum Krisengespräch. Michael Werzer verrät: "Es war ein offenes Gespräch. Dabei hat sich herausgestellt, dass das hundertprozentige Vertrauen mir gegenüber, den Karren aus dem Dreck herauszuziehen, nicht mehr gegeben war." Nachdem beide Seiten noch einmal eine Nacht drüber schliefen, kamen sie gestern überein, sich zu trennen.


Nicht alle zogen mit

Michael Werzer ist natürlich enttäuscht, dass seine Zeit beim SSV so schnell wieder beendet ist. Gleichzeitig fühle er sich aber auch "etwas befreit". Denn der 39-Jährige ehemalige Torhüter gesteht: "Es war zuletzt ein Kampf gegen Windmühlen. Es gab ein paar Spieler in der Mannschaft, die nicht mit mir mitziehen wollen und bei denen ich ein Akzeptanzproblem hatte. So gab es ständig Unruhe." Einige hätten ihn auch ständig mit seinem Vorgänger Markus Taschner verglichen. Werzer: "Ich bin aber kein Taschner-Klon."

Die Dissonanzen sind auch Volker Täuber nicht verborgen geblieben. Der Vorsitzende bestätigt: "Es gab ein paar Unstimmigkeiten, die Chemie zwischen einigen Beteiligten hat nicht mehr gepasst." Michael Werzer kann er aber menschlich überhaupt nichts vorwerfen.
Gedanken über einen Nachfolger habe man sich beim SSV bis zur Trennung nicht gemacht. "Das ist nicht unser Stil", sagt Täuber. Die Qualität des Kaders hält er aber für ausreichend, um doch noch den Klassenerhalt zu schaffen. "Aber jetzt müssen die Kasendorfer Tugenden Einsatzwillen und Zusammenhalt wieder in den Vordergrund rücken." Auch Werzer ist auf die Reaktion der Truppe gespannt: "Jetzt hat die Mannschaft keine Ausreden mehr."
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