Kulmbach
Angemerkt

Spagat zwischen Recht und Empathie

Die Abschiebung der 13-jährigen Ofeliya Guliyeva und ihrer Mutter nach Aserbaidschan bewegt die Menschen in der Region - aber auch in der Redaktion.
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Eine Abschiebung, die rechtens ist, aber eine Familie auseinander reißt: Das Thema Ofeliya wird in Kulmbach heiß diskutiert.  Foto: Christian Charisius/dpa
Eine Abschiebung, die rechtens ist, aber eine Familie auseinander reißt: Das Thema Ofeliya wird in Kulmbach heiß diskutiert. Foto: Christian Charisius/dpa
Flüchtlinge. Das ist 2017 laut Infratest Dimap das für die Deutschen "zu lösende Problem" Nummer eins. Aber: Wenn es um das "persönlich wichtigste" Problem geht, landen die Flüchtlinge in einer Forsa-Umfrage abgeschlagen auf Platz vier - hinter Sicherheit, Gerechtigkeit und Arbeitsplätze. Ein Widerspruch? Kein Widerspruch. Das Thema betrifft direkt eher weniger als mehr, wie ein Blick auf die Zahl der Asylbewerber in unserer Region beweist: In Oberfranken beispielsweise ist die Zahl der Neuaufnahmen weiter rückläufig, hat sich seit 2015 mehr als halbiert. Aktuell leben rund 7500 Asylbewerber im Regierungsbezirk, davon die Hälfte in Gemeinschaftsunterkünften oder der zentralen Aufnahmeeinrichtung in Bamberg. Persönlich betroffen? Davon können wohl die wenigsten sprechen.
Nüchterne Fakten hier, das Persönliche da: Die Abschiebung der kleinen Ofeliya hat auch die Redaktion dieser Zeitung nachdenklich gemacht. Selten wurde so lange bei der Morgenkonferenz diskutiert - wie umgehen mit dem bewegenden Thema? Ein Pro & Contra mit "völlig richtig" gegen "moralisch unvertretbar"? Klare Kante zeigen... unmöglich in diesem diffizilen Fall. Es blieb bei der kommentierenden Einordnung ("Endlich her mit der Quote").
Populär bleibt das Thema, auf Facebook bei inFranken.de wird rege diskutiert. Die Mehrheit wägt ab, so wie die Redaktion. Eine bemerkenswerte Zahl an Kommentaren tut das nicht: Wir mussten sie aufgrund rassistischer oder beleidigender Inhalte löschen.
Ob Flüchtlinge nun noch Thema Nummer eins sind oder nicht: Der Fall der kleinen Ofeliya zeigt, dass es die Menschen bewegt. Und leider auch diejenigen auf den Plan ruft, denen die persönliche Betroffenheit ebenso fehlt wie jegliche Empathie.
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