Jetzt wird geredet in Wirsberg. Zwei Tage nach dem Zoff bei der Michaeli-Kerwa ist der Pulverdampf verzogen, und die Beteiligten suchen das Gespräch. Man ist um Schadensbegrenzung bemüht. Auch Alexander Herrmann. Der Wirsberger Sternekoch hatte - wie berichtet - mit seinem Facebook-Video den Eklat provoziert.


Herabwürdigung und Verhöhnung

Was ist passiert? Der 46-jährige TV-Promi regte sich am Sonntag über die Buden der Schausteller, Schiffschaukel und Kinderkarussell auf dem Wirsberger Marktplatz auf. Direkt vor seinem Post-Hotel. Er lief frühmorgens über das Gelände und produzierte ein Video, das auf seiner Facebook-Seite zu sehen war. Hier lästert er gegen den Kerwarummel und bezeichnet die Schaustellerfamilie Schramm aus Rehau als "Walking Dead" (lebende Leichen/in Anlehnung an eine US-Serie) und "Zombies". Eine Herabwürdigung und Verhöhnung.

So geprügelt, packten die Schausteller ihre Siebensachen zusammen. "Das muss man sich nicht bieten lassen", meinte Jessica Schramm. Auch nicht von einem Sternekoch.


"Weniger ist manchmal mehr"

Herrmanns Humor ("Satirevideo") ist seitdem Gesprächsthema Nummer eins in Wirsberg und im Landkreis Kulmbach. Beim gestrigen Treffen der "Schürzenjäger" zum Abschluss der Kerwa begrüßte Alleinunterhalter Philipp Simon Goletz die Teilnehmer zum "ersten Zombie-Frühschoppen in Wirsberg". Und Stammtischpräsident Karl-Heinz Krüger richtete eine Kurzbotschaft an den bekannten Landsmann: "Weniger ist manchmal mehr!"

Einzig Bürgermeister Hermann Anselstetter (SPD) wollte nicht reden. "Kein Kommentar dazu", sagte er auf Anfrage von inFranken.de (siehe Kommentar unten). Er ließ sich dann doch entlocken, "dass es jetzt in dem Bereich läuft, wo man so was bespricht". Etwas sehr kryptisch. Wer oder was ist damit gemeint? "Die Beteiligten", sagte Anselstetter und meinte noch, dies sei "erfreulich", und es gebe "gute Perspektiven".

Im Gegensatz zum Wirsberger Bürgermeister war sein Stellvertreter gesprächiger. "Alexander Herrmann hat völlig den falschen Ton getroffen", sagte Karl-Heinz Opel (Freie Wähler). Die Aktion sei "arg überzogen" gewesen. Statt über die sozialen Netzwerke hätte er direkt mit den Schaustellern oder mit der Gemeinde reden sollen.


Hatte er einen schlechten Tag?

Er, so der 2. Bürgermeister, könne sich nicht vorstellen, was Alexander Herrmann ("vielleicht hatte er einen schlechten Tag") bewogen hat. Getroffen habe er damit auch die Wirsberger Kinder, die Freikarten bekommen und sich auf eine Karussellfahrt gefreut hätten. Außerdem dürfe der Hotelier und Fernsehkoch nicht vergessen, "dass sich bei seinen Events auf dem Marktplatz auch keiner aufregt und er sein Geschäft machen kann".

Herrmann ruderte schon am Sonntag halbwegs zurück und nahm das Video aus dem Netz. Inzwischen gibt es auch einen Kontakt zu den Schaustellern. "Ja", sagte Jessica Schramm (29), eine frühere Wirsbergerin, "der Manager von Alexander Herrmann hat sich bei uns gemeldet. Er will einen Termin mit uns ausmachen." Ob das Treffen zustandekommt? "Wir sind dazu bereit, wir sind die Letzten, die da nicht mitmachen. Das hätten wir uns gleich gewünscht, dass Alexander Herrmann mit uns spricht."


An vernünftiger Lösung interessiert

Beim Management des Wirsberger Sternekochs in Hamburg wusste man noch nicht, wann die Aussprache stattfinden soll. Auch nicht, ob es eine Entschuldigung geben wird. Herr Herrmann sei jedenfalls daran interessiert, "eine vernünftige Lösung zu finden". Danach will man die Öffentlichkeit informieren - denn das Interesse an der Affäre sei enorm. "Bei uns hat in den letzten Tagen das Telefon sturmgeklingelt."


KOMMENTAR: Warum so einsilbig?

So wortkarg kennt man den Wirsberger Bürgermeister sonst nicht. Ob im Gemeinderat, im Kreistag oder bei öffentlichen Auftritten - Hermann Anselstetter ist nicht gerade als einsilbig bekannt. Im Gegenteil.

Dieses Mal hätte er etwas sagen dürfen, sogar: sollen. Aber er wollte nicht. Man kann Verständnis dafür haben, dass sich der Bürgermeister bei der Kerwaaffäre nicht die Finger verbrennen will. Schließlich geht es um den größten Werbeträger für seine Gemeinde. Alexander Herrmann trägt den Namen des kleinen Luftkurorts hinaus in die Welt.

Aber Anselstetter vergisst hier geflissentlich: Er ist nicht als Privatmann gefragt worden und auch nicht zur Gaudi der Redaktion. Die Wirsberger Bürger haben ein Recht zu erfahren, wie die Gemeinde - überdies Veranstalter der Kirchweih - auf die Vorfälle zu reagieren gedenkt. Zumal die Angelegenheit von Anfang an öffentlich war. Als erfahrener Kommunalpolitiker, der er ist, hätte er es besser wissen müssen.