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Jubiläum

Musiker pflegen die Freundschaft

Seit 50 Jahren sind Kulmbach und Lüneburg miteinander verbunden - und das nicht nur offiziell, sondern auch ganz privat. Am Wochenende wird das gefeiert.
Beim Besuch der Stadtkapelle Kulmbach im Jahr 2014 in Lüneburg hat es zwischen der Flötistin Anna Schmitt vom  Stadtorchester Lüneburg und dem Schlagzeuger Sebastian Kremer von der Stadtkapelle Kulmbach gefunkt. Im vergangenen Jahr wurde das Paar in Burgkunstadt getraut.privat
 
von DAGMAR BESAND
Städtepartnerschaften und -freundschaften leben von persönlichen Beziehungen. Wo sie fehlen, bleibt die Urkunde nur ein Dokument unter vielen. Dass es dagegen fantastisch läuft, wenn die Chemie zwischen den Beteiligten stimmt zeigt das Beispiel Kulmbach-Lüneburg.
Die Beziehungen zwischen den beiden Städten sind älter als alle anderen offiziellen Partnerschaften, Patenschaften und Freundschaften der Stadt: Erste Kontakte zwischen den damaligen Oberbürgermeistern Wilhelm Murrmann und Alfred Trebchen ergaben sich 1965 auf einer Tagung des Deutschen Städtetages in Nürnberg und wurden im Juni 1967 bei der Hauptversammlung des Deutschen Städtetages in Bremen vertieft. Beide Seiten verbanden schon damals viele Gemeinsamkeiten: So wurde in der Lüneburger Brauerei Kulmbacher Malz verarbeitet, in beiden Städten gab es eine Kopie der Ebstorfer Weltkarte. Die Prinzessin Sophie von Braunschweig-Lüneburg-Celle heiratete 1579 den Kulmbacher Markgrafen Georg-Friedrich.
Ob das damals eine Heirat aus Liebe war? Wir wissen es nicht. Bei einem anderen Paar dagegen ist das dagegen eine klare Sache: Beim Besuch der Stadtkapelle Kulmbach im Jahr 2014 in Lüneburg hat es zwischen der Flötistin Anna Schmitt vom Stadtorchester Lüneburg und dem Schlagzeuger Sebastian Kremer von der Stadtkapelle Kulmbach gefunkt. Im vergangenen Jahr wurde das Paar in Burgkunstadt getraut, und das junge Paar musiziert jetzt gemeinsam in der Stadtkapelle. Musik verbindet.
Beide freuen sich auf das bevorstehende Wochenende, wenn die Musiker der zwei Orchester wieder gemeinsam auf der Bühne stehen.
"Über die Jahre sind zwischen unseren Vereinen viele gute Freundschaften entstanden", sagt Dirigent Thomas Besand, der sich ausgezeichnet mit seinem Lüneburger Kollegen Volker Masemann versteht. "Wir haben früher schon immer regelmäßige Vereinsausflüge nach Lüneburg gemacht, sind dort auch aufgetreten, zum Beispiel bei den Stadtfesten." Besonders eng sind die Bande seit dem Jahr 2010. Der Kulmbacher Stadtkapellen-Vorsitzende Roland Jonak und der Lüneburger Vorsitzende Matthias Böke sorgen dafür, dass der Kontakt nicht abreißt und immer wieder wechselseitige Besuche organisiert werden. Wie sehr die beiden Ensembles sich einander verbunden fühlen, zeigt ein Unglücksfall im Jahr 2013: Am 17. Januar brannte das Lüneburger Vereinsheim ab, in dem der Verein die Nachwuchsausbildung durchführt. Noten und ein Teil der Instrumente wurden zerstört. Die Kulmbacher wollten helfen, organisierten zu Ostern spontan ein Benefizkonzert, bei dem auch die Lüneburger mitwirkten, und schenkten dem befreundeten Verein nicht nur den Erlös aus den Eintrittsgeldern, sondern zusätzlich auch noch ein fast neuwertiges Schlagzeug.
Bei der Sportlergala am Freitagabend in der Stadthalle treten die Musiker als Gemeinschaftsorchester auf und umrahmen mit einigen Musikstücken den in die Veranstaltung integrierten Festakt zum Freundschaftsjubiläum. Etwa 50 Musiker spielen unter der Leitung beider Dirigenten.
Ihr ganzes Können zeigt die gemischte Musikertruppe dann am Samstagvormittag bei einem Platzkonzert vor dem Kulmbacher Rathaus. Beginn ist um 9.45 Uhr, der Eintritt ist frei. "Wir bleiben unserem Motto treu und spielen eine Stunde lang Stücke von klassisch bis modern", sagt Dirigent Thomas Besand. Kompositionen von Richard Wagner sind ebenso dabei wie ein Potpourri bekannter spanischer Melodien und bekannte Märsche.
Zeit zum Proben haben die Musiker vorab nicht, "aber unsere Repertoires haben eine ansehnliche Schnittmenge, und wir haben ja schon öfter gemeinsam musiziert", sagt der Kulmbacher Orchesterchef. "Wir freuen uns schon sehr auf das Konzert und viele Zuhörer."
Nicht nur zwischen aktiven Vereinen, zu denen auch die Feuerwehr und die Marinekameradschaft gehören, sondern auch auf der politischen Ebene läuft es rund in der Städtefreundschaft. Im Lauf der Jahre wurden der Erfahrungs- und Informationsaustausch und hier vor allem die Zusammenarbeit von Ratsgremien und Verwaltung beider Städte intensiviert, denn Kulmbach und Lüneburg haben annährend gleiche kommunale Strukturen und Herausforderungen.
Auf die Jubiläumsfeierlichkeiten freut sich auch der Kulmbacher Oberbürgermeister Henry Schramm: "Lüneburg und Kulmbach verbindet seit nunmehr fünf Jahrzehnten ein starkes freundschaftliches Band. Durch viele persönliche Kontakte ist aus dem Pflänzchen der Städtefreundschaft längst ein starker Baum der gegenseitigen Wertschätzung und der langjährigen Freundschaften zwischen Menschen entstanden. Ich freue mich sehr, dass diese besondere Beziehung zur schönen Stadt Lüneburg durch zahlreiche Vereine, Institution und Organisationen nach wie vor so lebendig ist."
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