Latein hat ein verstaubtes Image? Nicht am Kulmbacher Caspar-Vischer-Gymnasium. Dort haben es sich die 15 Teilnehmer des P-Seminars Latein unter der Leitung von Anja Braune zur Aufgabe gemacht, rund 50 geladene Gäste auf eine aktive Zeitreise ins antike Rom zu entführen.


Festlich gedeckte Tische


In den Räumlichkeiten der Tanzschule Barbic empfingen die in Togen gekleideten Schüler die neugierigen Gäste, die an festlich gedeckten Tischen Platz nehmen durften, um ein reichhaltiges Mahl nach römischer Inspiration zu genießen.

Max Weise, Florian Wermbter, Ben Eber und Christo Lekkas hatten sich für die Aufgabe des Kochens entschieden und überraschten die Besucher mit einem Dreigängemenü, als Hauptgang gab es einen Wildschweineintopf. "Wir haben zu Hause probegekocht, damit heute auch alles gut klappt", sagte Florian Wermbter, der mit seinen Mitschülern selbst die Rezepte ausgesucht, verfeinert und nachgekocht hat. Dabei haben sie an Gewürzen nur das verwendet, was es damals schon gab.


Einblick in den rämischen Alltag


Das P-Seminar wollte möglichst viele Einblicke in den römischen Alltag vermitteln, insbesondere in den Umgang mit der Liebe und den Stellenwert der Frauen. Kurzweilig und aufschlussreich präsentierten sie spannendes Wissen in Form von schauspielerischen Szenen, etwa über den berühmten Dichter Ovid, den "Bad Boy der Dichtkunst" jener Zeit, wie Gastgeberin Neaira alias Anna Eber ihn bezeichnete.

"Sein Werk ist anstößig und provokant, doch hören sie selbst", sagte sie und überließ Manuel Pöhlmann die Bühne. Er rezitierte auf amüsante Weise aus Ovids Werk "Ars Amatoria", zu Deutsch "Liebeskunst", und klärte die anwesenden Herren darüber auf, wie man im alten Rom eine Partnerin finden konnte. Die etwa 120 Seiten starke "Ars Amatoria" mit ihren vielen schlüpfrigen Sprüchen hat er gelesen und seinen Text selbst erarbeitet.

Auf die Frage, weshalb er sich für dieses P-Seminar entschieden habe, antwortete Pöhlmann: "Mich hat vor allem interessiert, was die Römer von Liebe und Sexualität hielten, das P-Seminar hat Geschichte lebendig gemacht."


Doofe Sprüche an den Wänden


Bei ihren Recherchen sind die Schülerinnen und Schüler auch auf allerlei Überraschungen gestoßen. "Im alten Rom gab es schon Graffitis, doofe Sprüche an die Wände geschrieben, ganz genau wie heutzutage", sagte Anna Eber. Als Neaira verkörperte sie das reale Schicksal eines jungen Mädchens im alten Korinth, das im Alter von zehn Jahren in ein Bordell verkauft wurde. "Es war damals gesellschaftlich vollkommen akzeptiert, dass Männer sich dort vergnügten, denn die Aufgabe der Frauen zu Hause war es, Kinder zu gebären."

Die junge Neaira, die an ihrem zehnten Geburtstag ihren ersten Freier bediente, stieg in der Hierarchie auf, wurde zur Edelhure und konnte irgendwann nach Rom fliehen, wo sie ihren Ehemann Stephanus kennenlernte. Rom, das in der Antike zahlreiche Vergnügungsviertel beherbergte, von denen selbst heute noch Spuren zu finden sind.


Phallussymbole als Wegweiser


"In Straßenpflastersteine waren beispielsweise Phallussymbole geritzt, die als Wegweiser dienten", erzählte Anna Eber. Auch mit dem äußeren Erscheinungsbild haben sich die Seminarteilnehmer beschäftigt und Togen teils selbst geschneidert, teils Kostüme aus dem Kostümverleih organisiert. "Wir haben uns auch nach dem damaligen Vorbild geschminkt", sagte Deborah Kemnitzer, die in dem Schauspiel die Julia mimte. Natürlich nicht mit den ursprünglichen Materialien, denn geschminkt wurden damals die Augen mit Kohlestift, die Wimpern wurden mit Asche dunkel gefärbt, auf das Gesicht wurden Kreide und rotes Puder aufgetragen.

Der römische Abend des P-Seminars war unterhaltsam und ideenreich. "Wir haben viel über die Rolle der Frau in der römischen Gesellschaft erfahren", bilanzierte Schulleiterin Ulrike Endres am Ende der Veranstaltung.

Auch Seminarleiterin Anja Braune zeigte sich von der Leistung der Seminarteilnehmer angetan: "Jeder von euch hat sehr viele Stärken und Talente, es war eine Freude, diesen Abend mit euch zu gestalten."