Ziegelhütten
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Nach Beißattacke gegen Neunjährigen: Polizei beschlagnahmt Kulmbacher Rottweiler

Nach dem Angriff auf das Kind ordnet die Stadt die Sicherstellung von"Max" und "Alfons" an, "weil nichts gefruchtet hat". Der Hundehalter will klagen.
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Die Rottweiler "Max" (links) und "Alfons" haben vor drei Monaten in Ziegelhütten einen neunjährigen Jungen gebissen und schwer verletzt. Jetzt sind die beiden Hunde dem Halter weggenommen worden. Foto: privat
Die Rottweiler "Max" (links) und "Alfons" haben vor drei Monaten in Ziegelhütten einen neunjährigen Jungen gebissen und schwer verletzt. Jetzt sind die beiden Hunde dem Halter weggenommen worden. Foto: privat
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Es war ein Polizeieinsatz wie bei der Festnahme eines Schwerverbrechers: Nach Augenzeugenberichten fuhren am Montag vier Polizeiautos in der Ziegelhüttener Straße vor. Etwa 20 Beamte - darunter mehrere Diensthundeführer - stiegen aus und nahmen die zwei Rottweiler "Alfons" und "Max" mit,die vor drei Monaten einen neunjährigen Buben schwer verletzt hatten. Sie wurden ins Tierheim Bayreuth gebracht.


Mit Durchsuchungsbeschluss

Um das Grundstück des Hundehalters betreten zu dürfen, hatten die Polizisten einen richterlichen Durchsuchungsbeschluss dabei. Der Zugriff erfolgte auf Anordnung der Stadt Kulmbach. Den Halter hatte man vorher nicht informiert, damit er die Hunde nicht wegbringen und verstecken konnte.

Damit ist die Situation in Ziegelhütten weiter eskaliert, die im Mai öffentlich bekannt wurde. Es dürfte aber nicht der Schlusspunkt sein. Denn erstens läuft gegen den Hundehalter wegen der Beißattacke ein Strafverfahren. Und zweitens kündigte Rechtsanwalt Alexander Schmidtgall an, dass sich sein Mandant gegen die Wegnahme der Hunde wehren und klagen wird.


"Junge leidet immer noch"

Was ist im Mai passiert? Durch ein offenstehendes Hoftor gelangten die Hunde damals auf die Straße. Ein Neunjähriger, der an jenem Samstag dort vorbeilief, wurde von den Rottweilern verfolgt und mehrmals gebissen. Nach Angaben der Stadt Kulmbach waren die Verletzungen - vor allem am Kopf - schwerwiegender als zunächst angenommen. "Der Junge leidet immer noch an einer posttraumatischen Belastungsstörung", erklärte die Juristin der Stadt, Diana Edelmann.

Anwalt Schmidtgall kritisiert die Aktion des Ordnungsamts ohne Anhörung seines Mandanten: "Da läuft eine Hexenjagd." Er vermutet, "dass die Stadt unter enormem Druck von den Anwohnern steht".


"Eine Enteignung"

Schmidtgall betont, dass die Hunde laut Gutachter "absolut harmlos" sind. Sein Mandant habe freiwillig einen Wesenstest durchführen lassen. Dabei seien die Rottweiler vergleichbaren Situationen mit Kindern ausgesetzt worden. Außerdem habe die Polizei gleich nach dem Vorfall im Mai die Tiere angeschaut: "Die hätten die Hunde sofort mitgenommen und eingeschläfert, wenn sie gefährlich gewesen wären." Die Stadt stütze sich dagegen auf ein Gutachten nach Aktenlage. "Das ist eine Enteignung", so der Anwalt.
Nach Angaben von Oberrechtsrätin Edelmann hat es mit dem betreffenden Hundehalter schon mehrfach Ärger gegeben - wegen seiner früheren Rottweiler "Ed" und "Fred", die unter anderm ein Polizeiauto attackiert und die Reifen zerbissen hätten, sowie wegen der sichergestellten Tiere, die andere Hunde und deren Halter gebissen hätten. Außerdem habe sich der Mann nach dem Vorfall im Mai nicht an die Auflagen des Ordnungsamts gehalten, einen zweiten Zaun innerhalb des Grundstücks zu bauen und den Außenzaun zu ertüchtigen. Stattdessen habe er gegen die Stadt geklagt.

"Wenn gar nichts mehr hilft, dann müssen wir zum äußersten Mittel greifen. Wir mussten handeln zum Schutz der Leute, die dort in Ziegelhütten wohnen", so die Juristin. Es sei nicht mehr zu verantworten gewesen, die Hunde bei ihrem Halter zu belassen, dessen Grundstück in unmittelbarer Nachbarschaft zu zwei Schulen, Kinderhort, Kindergarten, Bolzplatz und VfB-Sportplatz liegt. Denn der zugezogene Hundesachverständige habe "ein immenses Gefahrenpotenzial" festgestellt.


Mensch als Beute

Laut Edelmann ist es dabei völlig belanglos, ob die Hunde angeschaut wurden oder nicht: "Uns liegen die Zeugenaussagen aus dem Strafverfahren vor. Daraus konnte der Gutachter sehr gut erkennen, dass ein fehlgeleitetes Jagdverhalten vorliegt. Dass der Mensch als Beute angesehen wird, darf nicht sein, hat sich hier aber verfestigt. Wenn jemand, der Angst vor Hunden hat, wegrennt, ist es der Auslöser für diese Rottweiler, die Beute zu hetzen, bis sie leblos am Boden liegt. So etwas kann man in einer Testsituation gar nicht nachstellen."


10.000 Euro Zwangsgeld


Da beim Halter "keinerlei Einsicht" vorhanden sei, hat die Stadt ein generelles Hundehaltungsverbot verhängt. Bei Zuwiderhandlung drohen 10.000 Euro Zwangsgeld.
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