Am Tag nach dem Kerwa-Zoff ist im Hause Schramm noch immer keine Ruhe eingekehrt. Ihr Mann Steven, berichtet Ehefrau Jessica am Telefon, sei auf den Wirsberger Sternekoch Alexander Herrmann weiterhin äußerst schlecht zu sprechen. "Steven ist nicht nur enttäuscht, er ist stinksauer." Bezeichnend aus Sicht der Familie sei, dass sich der Promi aus dem Markt im Landkreis Kulmbach noch nicht persönlich entschuldigt habe. "Sein Management will sich bei uns melden. Das sagt doch alles."


Schausteller als "Zombie" bezeichnet


Herrmann hatte mit einem selbst gedrehten Video am Kirchweihsonntag den Stein ins Rollen gebracht. In dem Clip schlendert der Sternekoch am Morgen über den verregneten Wirsberger Marktplatz vor seinem Hotel und macht sich über die angeblich in die Jahre gekommenen Kirchweih-Fahrgeschäfte lustig. In dem zweiminütigen Clip, der mittlerweile aus dem Netz genommen wurde, spricht Herrmann außerdem von einem "Trauerspiel" und sagt unter anderem: "Das hier ist Walking Dead live". Zudem bezeichnet er den Schausteller als "Zombie".

Hollywood Produktion in Wirsberg! #walkingdead #kerwa ??

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Am Ende des Videos betont Herrmann noch, dass Humor Freiraum brauche. Er werde für das Video sicherlich "total zurecht Schimpfe bekommen". Wenn er mit dem Inhalt jemanden tief im Herzen getroffen habe, könne dieser sich aber sicher sein: "Es ist mir wurscht".


Schausteller will "Zeichen setzen"


Das Video wurde auch von dem betroffenen Schausteller Steven Schramm angeschaut. Kurzerhand machte der Rehauer am Nachmittag erbost seine Fahrgeschäfte auf dem Marktplatz dicht. An den geschlossenen Buden ist noch am Montag auf einem Hinweisschild zu lesen: "Bedankt euch bei Alexander Herrmann! Wir sind auf Zombie Suche".

Das Video, begründet Jessica Schramm, sei des Guten zu viel gewesen. Ihr Mann würde viel Herblut in seine Arbeit stecken. "Er wollte auch ein Zeichen setzen", sagt Schramm, die sich einen Seitenhieb nicht verkneifen kann. "Nur, weil Alexander Herrmann ein berühmter Fernsehkoch ist, kann er sich nicht alles rausnehmen."


Ersatzkarussel am Montag

Schon am Sonntag hatte Alexander Herrmann zurückgerudert und versucht, die Wogen zu glätten. Über sein Management ließ er erklären, dass es dem Sternekoch fern läge, mit dem Satirevideo andere Menschen zu verletzen. Zudem wurde ein Statement im Internet veröffentlicht. In dem Text, der in Herrmanns Namen geschrieben aber von einem "Mitarbeiter" des Posthotels unterzeichnet ist, wird auf die "humorvolle Sichtweise" des Wirsbergers verwiesen und sich bei den Schaustellern entschuldigt.

Zugleich warf der Verfasser dem Schausteller aber auch mangelndes Verantwortungsgefühl gegenüber seinen Gästen vor. "Beschweren kann er sich bei mir, aber meine Person jetzt so vorzuschieben...nicht OK!" heißt es in dem Text. Hermann kündigte am Sonntag zudem an, ein Ersatzkarussell zu organisieren, damit die Kinder am letzten Kerwatag ihre Gutscheine für Freifahrten einlösen können. Allerdings war bis zum frühen Montagnachmittag auf dem Marktplatz kein Fahrgeschäft aufgebaut.


Anwohner sind enttäuscht


Vor Ort passt die Stimmung irgendwie ins Bild. Die Schausteller-Wägen stehen verbarrikadiert herum, dass Kirchweih ist, merkt man nur an den tempobeschränkenden Verkehrsschildern. "Das ist schade, bald ist in Wirsberg gar nichts mehr los", sagt Renate Günther, die am Marktplatz wohnt und sich mit ihrem Mann an der Straße postiert hat, um die Vorbeifahrt der Schürzenjäger zu sehen. Gesprächsthema sei natürlich der Vortag. "Meine Kinder sind mit den Enkeln extra aus dem Bayreuther Raum hergefahren, um zur Kerwa zu gehen und Karussell zu fahren", berichtet Günther. Doch aus dem Familiennachmittag wurde nichts. "Die Kinder hatten sich gefreut - und haben dann geheult."

Die Anwohnerin findet das Video von Alexander Hermann unnötig. "Wenn die Fahrgeschäfte vom Ansehen her nicht in Ordnung sind, dann soll man Hilfestellung geben." Sie habe keine schlechten Erfahrungen mit den Schaustellern gemacht. "Sie haben die Kinder wenigstens noch auf das Karussell setzen lassen, das hat sie ein wenig beruhigt."


Nie mehr auf die Wirsberger Kerwa?


Für die Schaustellerfamilie aus Rehau hat sich das Thema Wirsberger Kerwa trotzdem vorerst erledigt - und zwar nicht nur für das laufende Jahr. Der Wirsberger Bürgermeister, berichtet Jessica Schramm, habe zwar am Montag "gebettelt, dass wir nächstes Jahr wieder kommen". Doch aktuell habe man kein Interesse.

Dass der Abbruch am Sonntag richtig war, hätten viele Gespräche vor Ort bestätigt. Mütter von enttäuschten Kindern, berichtet Jessica Schramm, wären am liebsten in das Posthotel gestürmt, um sich zu beschweren. "Herr Herrmann sollte sich in Zukunft vielleicht genauer überlegen, welche Videos er veröffentlich."