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In Wonsees gibt es einen Schatz im Verborgenen

Wehrkirche, Pferdestall und kunsthistorischer Kulturschatz: Was es mit der Kirche St.Laurentius in Wonsees auf sich hat.
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Ein Blick in die St.-Laurentius-Kirche in Wonsees Foto: Adriana Lochner
Ein Blick in die St.-Laurentius-Kirche in Wonsees Foto: Adriana Lochner
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Ihr Ruf eilt ihr voraus. Bereits während seiner Vikarszeit in Herzogenaurach hatte Pfarrer Daniel Städtler von der Wonseeser St.-Laurentius-Kirche gehört. "Ein geschichtsbegeisterter Kollege hat mir davon erzählt. Da musst du dich unbedingt bewerben, hat er gesagt", so der 29-Jährige.


Ganz viele Fragen


Umso größer war die Freude, als er die Pfarrstelle Anfang des Jahres tatsächlich bekommen hat. In der Kirche ist er zuvor noch nie gewesen. Städtler erinnert sich an seine ersten Eindrücke. "Sie ist ein verborgener Schatz", schwärmt er. Wer das Gotteshaus betrete, habe sofort ganz viele Fragen.
Die Emporen - verziert mit schlichten, bäuerlichen Blumenmustern - passen nicht zum prunkvollen, detailverliebten Altar. In den Stilmix gesellt sich auch die majestätische Orgel, die hinten auf der Empore thront. "Hinter allem verbirgt sich eine Geschichte. Je mehr man erfährt, umso spannender wird es", sagt der Pfarrer, der sich schon kurz nach seinem Amtsantritt auf eine kunsthistorische Entdeckungsreise begeben hat.

Schwierig war das nicht, denn St. Laurentius hatte bereits in der Vergangenheit begeisterte Fans, etwa den ehemaligen Wonseeser Pfarrer Heinrich Krämer. Dieser recherchierte emsig von Anfang der 1970er bis Ende der 1990er Jahre sämtliche Details zur Kirchengeschichte. Das Resultat: mehrere Aktenschränke bis zum oberen Rand gefüllt mit Bildern und Unterlagen, die teilweise 200 Jahre zurückreichen.


Einst ein Rückzugsort


Doch was hat es mit St. Laurentius auf sich? Erstmals urkundlich erwähnt wurde die Kirche 1108, im Hochmittelalter, der Zeit der Ritter und Kreuzzüge. Der Standort auf dem Hügel, Vorratskeller sowie die in Teilen erhaltene sechseckige und 1,5 Meter dicke Einfassungsmauer deuten darauf hin, dass sie den Anwohnern als Rückzugsort im Kriegsfall diente, als sogenannte Wehrkirche.

Benannt wurde sie nach dem Heiligen Laurentius, einem römischen Diakon, der der Legende nach als Märtyrer auf dem Grillrost hingerichtet wurde. Im Mittelalter rief man den Heiligen bei allen möglichen Hautkrankheiten an, vor allem bei der Pest. "Die Zahl der Laurentiuskirchen in der Gegend spricht dafür, dass hier einst die Pest stark wütete", so Städtler.


Ab 1530 evangelisch


Bis dato war die Kirche katholisch. Dann kam die Zeit Martin Luthers. Am 10. August 1530 wurde das Wonseeser Gotteshaus evangelisch. 1618 brach der Dreißigjährige Krieg aus. Auf ihrem Durchzug waren die Truppen des katholischen Kaisers nicht zimperlich. "Der Krieg ernährt den Krieg" hieß die Devise. Sie nahmen alles mit, was sie brauchen konnten. Wonsees wurde mehrfach geplündert und niedergebrannt. Die St.-Laurentius-Kirche entging diesem Schicksal, indem sie sich nützlich machte, und zwar als Pferdestall. Die kaiserlichen Offiziere übernachteten im Pfarrhaus und ließen sich vom damaligen Pfarrer bewirten.

Doch dann geschah die Tragödie. Kaiserliche Truppen unter Graf Wolff von Mansfeld kamen im Herbst 1627 nach Wonsees und konfiszieren Vieh und Pferde. Als das Reiterregiment im Frühjahr 1628 zurückkehrte, glaubte der Plötzmüller Paul Pfändner, sein Pferd wiederzuerkennen und rief zum Widerstand. Gegen die geübten Soldaten hatten die Aufständischen jedoch keine Chance, 15 Männer aus Zedersitz wurden getötet.


Der "Zedersitzer Mord"



Das Massengrab befindet sich neben dem Kirchturm in Wonsees. Die genaue Stelle ist unbekannt. Allerdings steht vor dem Kircheneingang ein Denkmal, das an den "Zedersitzer Mord" erinnert.
Im 17. und 18. Jahrhundert nahmen sich die Bayreuther Markgrafen den vom Krieg gezeichneten Kirchen an. 1727 bis 1729 bekam die St. Laurentius einen neuen, doch relativ schlichten Kanzelaltar. Ab 1770 wurden zahlreiche aufwendig gearbeitete Figuren nachgerüstet. Im Vergleich zum Altar eher schlicht gehalten ist die Orgel. Sie wurde 1856 erbaut und stammt aus der Werkstatt des Bayreuthers Ludwig Weineck. "Auch wenn sie äußerlich nicht so aussieht, steht sie mit ihrem Klang keiner der großen Barockorgeln nach", schwärmt Pfarrer Daniel Städtler.

Der Geisltiche will weiterhin in den Archiven forschen und seine Funde im Internet präsentieren auf der Website. Für einen Einzelnen wird es allerdings schwierig werden, den gesamten historischen Schatz zu heben. "Ich würde mich über Menschen freuen, die sich ebenfalls für historische Aufzeichnungen begeistern und mich bei der Arbeit unterstützen."
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