Trebgast
Gemeinderat

Hochwasserschutz wird teuer für Trebgast

Wer soll das bezahlen ...? Das Hochwasserschutz-Konzept reißt ein tiefes Loch in die Haushaltskasse der Gemeinde Trebgast.
Artikel einbetten
Von links und rechts ergossen sich am 20. Juni 2013 nach einem Starkregen die Wassermassen in Sturzbächen den Hang herunter und hinterließen am Waizendorfer Dorfplatz eine Geröll- und Schlammlawine.Dieter Hübner
Von links und rechts ergossen sich am 20. Juni 2013 nach einem Starkregen die Wassermassen in Sturzbächen den Hang herunter und hinterließen am Waizendorfer Dorfplatz eine Geröll- und Schlammlawine.Dieter Hübner
Im November 2013 beschloss der Gemeinderat als Folge der Starkregenfälle im Juni, zusammen mit der Gemeinde Ködnitz ein gemeinsames Hochwasser- und Rückhaltekonzept für die Seitengewässer des Weißen Mains in Auftrag zu geben. Die Vorstellung des Ergebnisses durch das Ingenieurbüro Winkler und Partner GmbH in Stuttgart wird den Räten nicht gefallen haben. Denn der Schutz vor künftigen Schäden, wie sie vor allem in Waizendorf als Folge dieser Regenfälle aufgetreten sind, wird teuer.
Armin Binder, Bereichsleiter für Hydrologie und Hydraulik bei Gewässern, erläuterte, welche Berechnungsmodelle als Grundlage für die ermittelten Werte herangezogen wurden. Dazu gehört die Vermessung der Gewässer nach dem hydrologischen Modell. Dabei spielen verschiedene Faktoren - wieviel Wasser fließt wie schnell ab, sowie geologische Parameter, wie Gefälle und Flächennutzung - eine wesentliche Rolle. Daraus ergibt sich das hydraulische Modell, das die Überschwemmungsgebiete sichtbar macht. Bemessungsgrenze für die Erstellung des sich daran anschließenden Hochwasserschutz-Konzepts ist in der Regel ein 100-jähriges Hochwasser. Untersucht wurden in den Bereichen Waizendorf, Feulnerbach und Berliner Straße die Zuflüsse zu Gewässern wie dem Weißen Main. Eines machte Binder gleich deutlich: "Sobald wir in den Bereich ,Hangwasser' kommen, bewegen wir uns abseits jeder Förderungsmöglichkeit."
Für Waizendorf hat das Ingenieurbüro folgende Fakten ermittelt: Die Verrohrungen der beiden Zuläufe von Nordwesten und Westen her sind ausreichend groß dimensioniert. Empfohlen wird hier eine Optimierung der Verrohrungseinläufe durch Schutzgitter, um Verstopfungen durch Laub und Schmutz zu verhindern. Anders schaut es bei der Verrohrung durch den Ort aus. Um die bei einem 100-jährigen Hochwasser geforderte Menge abfließen zu lassen, kommen zwei Möglichkeiten in Frage. Austausch der Verrohrung auf einer Länge von 140 Meter, Kosten etwa 250 000 Euro. Oder ein Rückhaltebecken, Kosten etwa 340 000 Euro.
In Feuln wäre die Topografie im oberen Bereich des Feulnerbachs für ein Rückhaltebecken günstig, Kosten etwa 240 000 Euro. Beim Austausch der Verrohrung plus Gewässerausbau auf einer Länge von 222 Meter ermittelte das Büro Kosten von knapp 800 000 Euro.
In der Berliner Straße gibt es Probleme mit dem Straßenbauamt bei den ersten Überlegungen, die eine Durchleitung des Wassers unter der Staatsstraße auf die andere Seite vorsahen. Das Bauvolumen würde dort derzeit 100 000 Euro betragen. Der Bauausschuss war sich bei einer Ortsbesichtigung am 25. Juli darüber einig, dass dies bei einem Kosten-Nutzen-Vergleich nicht gerechtfertigt ist. Ein Ingenieurbüro soll jetzt prüfen, ob eine Verbesserung des Kanals im Bereich der inneren Berliner Straße Richtung Feuerwehrhaus eine Entlastung bringen kann.

Der Bürgermeister machte noch einmal deutlich, dass es vorrangige Aufgabe sei, das abschüssige Wasser zu bändigen. "In Waizendorf werden wir dran bleiben müssen, und in Feuln überlegen, welche Haushaltsmittel zur Verfügung stehen. Wenn wir Geld in die Hand nehmen, muss es auch funktionieren."
"Egal, was Sie auch machen: Auf den Weißen Main hat das alles keinen Einfluss", war der Schlusskommentar von Armin Binder.


Entwicklungskonzept

Nach der Verabschiedung eines integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzepts (ISEK) sucht der Gemeinderat nach Möglichkeiten, diesem "Papiertiger" Leben einzuhauchen. "Wir möchten hier auch vorankommen und haben uns Gedanken gemacht, wie wir die Ideen aus dem ISEK umsetzen können", sagte Bürgermeister Werner Diersch (SPD/WG). "Um entsprechende Vorhaben realisieren zu können, ist es notwendig, einen Maßnahmenkatalog aufzulegen." Hilfestellung soll dabei das Planungsbüro Quaas aus Weimar geben.
Ein Schlüsselprojekt aus ISEK ist das Thema "individuelle Ortsbilder bewahren und entwickeln". Daraus resultierte die Ausweisung eines "Sanierungsgebiets Ortskern Trebgast", das bereits auf den Weg gebracht wurde. Dazu gehört die "Erstellung einer Gestaltungsfibel" im Rahmen der Beratung einer Ortsbildpflege.
Ingo und Jacqueline Quaas stellten den möglichen Ablauf vor: Analyse des Ortsbildes, Erarbeitung einer Gestaltungsfibel (Ortsentwicklung und Ortsstruktur, Ortsbausteine), über die dann abgestimmt werden kann. Vorgesehener Zeitraum: November 2107 bis April 2018. "Gedacht ist hier eher an kleinere Maßnahmen, die in der Summe ein stimmiges Bild ergeben", gab Ingo Quaas die Richtung vor. Die Gemeinde kann dann bestimmte Kriterien festlegen, um in Abhängigkeit von der Haushaltssituation solche Maßnahmen zu unterstützen, die zu einem besonderen Ortsbild beitragen.


Baugesuche

Die VG Trebgast beantragte eine Nutzungsänderung im Dachgeschoss des Rathauses. Dort sollen statt der bisherigen Wohnung vier Büros entstehen. Katrin Hartl will ein Stallgebäude mit Holzlege zu einer barrierefreien Wohnung umbauen. Herbert und Rudolf Bauer legten einen Tekturplan vor: Die bestehende Waschhalle soll um einen weiteren Waschplatz ergänzt werden. Allen Bauvorhaben erteilte das Gremium das gemeindliche Einvernehmen.


Bauausschuss

Im Rahmen der Dorferneuerung sind in Lindau beiderseits der Durchgangsstraße beim Dorfhaus Spielgeräte aufgestellt worden, so dass damit gerechnet werden muss, dass an dieser Stelle Kinder von einer Seite auf die queren. Bei einer Verkehrsschau soll geklärt werden, ob eine Abstufung der Straße erfolgen kann. Auch beim Dauerthema "Feulner Brücke" soll eine Verkehrsschau darüber Aufschluss geben, wie eine endgültige Lösung für den neuralgischen Punkt - der Auffahrt zur Brücke aus Richtung Trebgast - aussehen kann.


Keine kommunale E-Ladesäule in Trebgast

E-Ladesäulen stehen derzeit überall auf der Agenda. Der Trebgaster Gemeinderat hatte sich schon im März letzten Jahres damit beschäftigt, eine Einrichtung mangels eines geeigneten Standorts aber verworfen. Jetzt brachte der Bürgermeister dafür die Bahnhofstraße ins Gespräch. Zugrunde lag ein Angebot des Bayernwerks, für 8600 Euro die Ladesäule zu installieren und den Netzanschluss herzustellen. Nach Abzug der Förderung würde der Eigenanteil der Gemeinde 5200 Euro plus jährliche Betriebskosten von 828 Euro betragen. Aber auch dieses Mal stieß er bei seinen Räten auf wenig Gegenliebe. Die Kommentare dazu: "Wenn die Gemeinde selbst ein Elektroauto hätte, würde ich es noch einsehen. So sehe ich aber überhaupt keinen Nutzen für uns", sagte zweiter Bürgermeister Albert Kolb (SPD/WG). Helmut Küfner (SPD/WG) gab zu bedenken: "Die Technologie verändert sich so schnell. Vielleicht wird es in vier Jahren ganz andere Möglichkeiten geben." "Wir befinden uns gerade in einer Übergangszeit. Wenn sich das E-Auto durchsetzt, werden die Tankstellen die ersten sein, die Strom anbieten", war Werner Köstner (SPD/WG) überzeugt. "Außerdem wissen wir noch nicht, wie wir die Bahnhofstraße künftig gestalten wollen. Vielleicht ist uns die Ladesäule dann im Weg." Günter Teufel (CSI/NWG) würde die einmalige Einrichtung noch mittragen, nicht aber die laufenden Kosten. Der Bürgermeister konnte die Argumente nicht von der Hand weisen. Der Antrag wurde einstimmig abgelehnt.


KEENO ist kein Thema

Auch der nächste Antrag des Bürgermeisters fand keine Zustimmung des Gremiums. Diersch plädierte dafür, dem geplanten "Kommunalen Energie-Effizienz-Netzwerk Oberfranken" (KEENO) beizutreten, mit dem die Energieagentur Oberfranken im vierten Quartal 2017 an den Start gehen will. Im Fokus steht dabei die Beobachtung von kommunalen Gebäuden in Bezug auf die Energiekosten. Der Eigenanteil der Gemeinde für diese geförderte Beratungsleistung würde 6876 Euro betragen. Am Beispiel des Feuerwehrhauses zeigte Emil Lauterbach (CSU/NWG) auf, dass man selbst viel zur Einsparung beitragen kann. "Wir schreiben regelmäßig unsere Zählerstände auf und achten konsequent darauf, dass nach einem Schulungsabend die Heizung zurückgedreht wird. Durch die zusätzliche Aufzeichnung der im Gebäude durchgeführten Veranstaltungen wissen wir auch, warum wir dann mal 500 kW/h mehr verbraucht haben. Was nützt es mir, wenn mir jemand sagt, ich habe im Vergleich zum Vorjahr mehr verbraucht."


Maßnahmen-Mix verabschiedet

Mit dem Eingang einer Förderzusage im Rahmen des Städtebauförderungsprogramms beabsichtigt die Gemeinde, Anfang 2018 einen Maßnahmen-Mix mit Kosten von 50 000 Euro umzusetzen. Für 24 000 Euro soll die Lücke der Beleuchtung am Bahnweg in Richtung Sportanlagen erfolgen. Die Beleuchtung des Kirchenensembles ist mit rund 20 000 Euro veranschlagt. Der Grillplatz am Badesee soll mit 10 000 Euro aufgewertet werden.
Verwandte Artikel
Verwandte Fotoserien
Noch keine Kommentare
Sie sind nicht angemeldet.
Sie müssen angemeldet sein, um Kommentieren zu können!
registrieren