Kulmbach
Entdeckertour 37

Fünf Glatzköpfe beim Friseur

Am Waaf'n-Brunnen in der Kulmbacher Fritz-Hornschuch-Straße schieden sich einst die Geister. Heute gehört die 1979 enthüllte Steinplastik zum Stadtbild.
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Einst umstritten, gehört der Waaf'n-Brunnen in der Fritz-Horschuch-Straße heute längst zum Kulmbacher Stadtbild dazu. Foto: Erich Olbrich
Einst umstritten, gehört der Waaf'n-Brunnen in der Fritz-Horschuch-Straße heute längst zum Kulmbacher Stadtbild dazu. Foto: Erich Olbrich
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Am Waaf'n-Brunnen schieden sich einst die Geister. Dem einen gefielen die Figuren, andere bezeichneten sie als die "Stadtgespenster". Auch folgende Aussage eines Kulmbachers ist überliefert: "Die seh'n aus wie fünf Glatzköpfe beim Friseur."


Eröffnung kurz vor der Bierwoche


Besagter Waaf'n-Brunnen steht vor der "Milchbar" an der Ecke Kressenstein/ Fritz- Hornschuh-Straße. Die Enthüllung der Steinplastik erfolgte am 28. Juli 1979, kurz vor der Bierwoche, durch Oberbürgermeister Erich Stammberger.

Dieser sprach bei der Eröffnung deutliche Worte zu den unterschiedlichen Meinungen: "Es gibt auch Stimmen, die von einer Geldverschwendung sprechen, aber bitte überlegen wir doch, dass wir in unserer Zeitperiode auch die Verpflichtung haben, etwas für das attraktive Stadtbild und überhaupt für Kunstwerke zu tun."


"Dem Bürger Freude bringen"


Und der OB fuhr fort: "Es muss Einrichtungen in unserer Stadt geben, die jedem Bürger und Besucher Freude bringen und bei denen nicht die nüchterne Nachrechnung über wirtschaftliche Rentabilität ausschlaggebend ist."

Besonders dem Stadtbaudirektor Carl Siegl, der das gestaltungsmäßige Konzept entwickelt hatte, dankte Stammberger für seine Arbeit.

Ursprünglich sollten die von der bekannten Kulmbacher Künstlerin Ursula Wolf gefertigten Pläne des Brunnens in Bronze umgesetzt werden, aber man entschied sich für massiven Granit. Ursula Wolf wollte dabei einen besonderen spezifischen Akzent setzen. Gezeigt werden sollte eine Gruppe, die das Gespräch sucht und aufeinander zugeht.


Steinmetze aus Flossenbürg am Werk


Der Bildhauer Erich Hiemisch hat die Modelle gefertigt und die Steinmetzarbeiten zusammen mit fünf Kollegen aus Flossenbürg ausgeführt. Er war in der Materialwahl sehr korrekt und bestand darauf, dass im Granitbruch Flossenbürg die gesamte Brunnenanlage aus einem Block gesprengt wurde, um Farbverschiedenheiten der einzelnen Becken zu vermeiden.

Professor Wolfgang Protzner wertete es als ein besonderes Zeichen, dass der Brunnen am 20. Juli, dem Tag des Attentates auf Adolf Hitler, in Kulmbach angeliefert wurde. Liegt doch der Steinbruch nahe dem früheren Konzentrationslager, in dem auch bekannte Persönlichkeiten wegen ihres Widerstandes ihr Leben lassen mussten.

Die Firma Helmut Freund aus Kulmbach war für den Einbau der Wassertechnik zuständig. Die Elektroinstallation führte damals die BELG (Bayerische Elektrizitäts-Lieferungsgesellschaft) durch, die später Evo und Eon hieß und heute unter dem Namen Bayernwerk firmiert. Die Fundamentarbeiten und die Platzgestaltung erledigten die Männer des städtischen Bauhofs.

Übrigens: Die Kosten erhöhten sich von der anfänglich geplanten Summe von 80 000 Mark auf schließlich 180 000 Mark plus Mehrwertsteuer, also auf rund 200 000 Mark.
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